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Level 1: Flight to the Unknown Lands

Sonntag, 16.10.2011

Welcome to
SUPER KIWI ISLAND

(press start)


Alles begann mit dem Schmieden der grossen Plaene vor vielen Monaten. Es folgte eine gewisse Vorbereitung, eine Idee dramatisches Sperenzien, und schliesslich war es dann soweit, dass ich das aircraft bestieg, um einen epischen Flug anzutreten. Nach langen Abschiedsfloskeln am Muenchener Flughafen, wo ich den vier Zurueckbleibenden wichtige Ratschlaege gab, die es unbedingt zu beachten gilt, begann die Reise nach London. Mich begleitete im Kopf die Melodie zum Airship Hilda Garde, als der Flieger die Wolken durchstiess und in die sterbende Abendroete eingedrungen wurde. Heathrow erstaunte mit seiner size und seines demeanour, denn jedes Terminal hatte die Groesse einer Kleinstadt. In der Qantas-Maschine sitzend wollte ich schon bald mehr ueber meine Mitreisenden herausfinden, die die naechsten 20 Stunden meine Rechte und Linke bilden werden.

Es stellte sich heraus, dass Alice und Sarah Franzoesinnen sind, sehr gespraechig, sehr gentilles und leider auch ein klein wenig zu girliehaft. Jane, Australierin auf der anderen Seite, erreichte schon mehr Sympathiepunkte. Sie war es, die mich ueber Vorurteile und Leidenschaften der Einwohner meines Ziellandes aufklaerte. Im Laufe des Fluges fochten Thor und Gladiator ihre Schlachten, Super 8 und diverse Episoden beliebter Fernsehserien begleiteten mich auf der Reise und natuerlich dazu die ueblichen Instruktionen der Crew (darunter ueberraschend viele maennliche Stewardessen) in feinstem posh-Englisch. Die interessanteste neue Bekanntschaft war ein junger Camillo-aehnlicher Englaender, der auf einer Farm in Australien einen restart als combine driver, als Maehdrescherfahrer, wagen moechte. Ein junger, sympathischer Typ, doch ob es sich in diesem Fall um eine Verschwendung handeln koennte, fand ich nie heraus.

One and a half hours in Bangkok folgten, viele Menschen mit suessen Dolores-Koerpergroessen kreuzten meinen Weg und schliesslich folgte der Weiterflug. "So, the half of our journey is done", sagte Jane. Erstaunt starrte ich sie an und sagte, dass ich Sydney fuer wesentlich naher hilt. Dass mein Sinn, Entfernungen einzuschaetzen nicht voll und ganz ausgereift ist, sollte sich auch spaeter noch herausstellen.

Level 2: The Wind that Shook the Capital

Sonntag, 16.10.2011

Als ich sah, dass dieser Fluggast der Flughafenangestellten in Sydney eine Frage stellte, die auch mich betraf, kam ich mit ihm schnell ins Gespraech. Der 29-jaehrige plant wie ich eine Work-and-Travel-Zeit in NZ zu absolvieren, entschied sich dafuer aber erst sehr kurzfristig. Schon vom ersten Moment war er mir sympathisch, was eventuell auch daran liegen konnte, dass er Franzose ist und einen liebenswuerdigen Akzent in den beiden Sprachen hat, auf die wir waehrend des small talks zurueckgriffen. "I've never met a French guy with such a good knowledge of the English language", sagte ich zu ihm. Irgendwie ahnte ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass der Grosse mit der bemerkenswerten Aehnlichkeit mit einem Augsburger Kunststudenten noch eine wichtige Rolle zu spielen haben wird.


Der Anflug auf Super Kiwi Island war der bislang schoenste Moment der Reise: Das kleine aircraft durchbrach spielend verschiedene Wolkenschichten, erlaubte den Reisenden einen Blick auf die flauschigen Watteboellchen, die da an diesem blau-blauen Ding hingen. Unter uns tuermten sich die Alpen der Suedinsel auf, dazwischen stets kurvenreiche Strassen, die die vereinzelten Ortschaften verbanden, dazwischen viele Landzungen, die weit ins herrlich tuerkisfarbene Wasser hineinragten. Doch bevor ich diese saftigen Ebenen betreten konnte, galt es noch, die peniblen Kontrollen am Flughafen zu ueberstehen, wo uns beiden, dem Franzosen Sebastien und mir, mitgeteilt wurden, dass unser Gepaeck erst am Folgetag eintreffen sollte.


Da wir uns auf einem Huegel befanden, bliess der Wind der Hauptstadt mit nennenswerter Wucht. Wir irrten umher, durchquerten einen Parkplatz mit ueberraschend vielen deutschen Autos (die aber alle ihr Lenkrad auf der rechten Seite haben) und trafen auf einen Kiwi, der sich mit den Worten "Hey guys, where are you're heading up to?" bemerkbar machte. Wir erklaerten ihm unsere Situation und sogleich wurden wir mit der sprichwoerlichen Freundlichkeit dieser Menschen konfrontiert. "Come on, I'll give you a ride".  Ich checkte in der Lodge in the City ein, traf mich kurz darauf mit Sebastien noch einmal und lernte bei dieser Gelegenheit gleich Lukas kennen, einen stillen, unauffaelligen After-Abiturienten mit extrem starkem deutschen Akzent und krasser geek-Ausstrahlung. Da er aber schon in einigen Tagen gen Sueden weiterziehen wird, machte ich mir nicht die Muehe, ihn besser kennen zu lernen. Mir genuegte es schon zu wissen, in welche Richtung er seine orientation hat. Zu dritt gingen wir in einen pub mit starkem europaeischen Flair, dem Matterhorn, und obwohl die folgenden Stunden kaum highlights boten, war ich doch sehr zufrieden, den Abend in einem fremden Land nicht alleine verbringen zu muessen.

Level 3: An Unexpected Truth

Sonntag, 16.10.2011

Ich erstaunte, als ich bemerkte, dass der Hafen sehr nahe war, denn bislang kreuzte keine einzige verraeterrische Moewe meine Bahn. Kinder turnten auf den kugelfoermigen Abgrenzungen herum ("I'm the king of the world!"), Kiwis in unterschiedlich warmer Kleidung liefen umher und ich selbst machte mich auf die Suche nach Sehenswuerdigkeiten wie dem Parlamentsgebaede Beehive und dem Stadium. Gleichzeitig lernte ich auch meine roommates Tanja und Gregor besser kennen, die wie Lukas noch unbefleckt wie ein unbeschriebenes Schulblock-Blatt sind und versuchen wollten, mit viel Party ihre NZ-Zeit abzutanzen. Am Vortag dachte ich noch "Jetlagg? Ich lach dir ins Gesicht, hahaha", so erreichte mich nun die Ernuechterung, dass dies ganz und gar nicht lustig war. Die Muedigkeit holte mich in verschiedensten Momenten ein, doch ungern mochte ich auf Treffen mit Sebastien verzichten und langsam stellte mir mehr und mehr die Frage, wohin diese Freundschaft wohl fuehren wuerde. Koennte sie mit der zwischen dem in Deutschland gebliebenen Riffy und mir eines Tages vergleichbar sein?


Burger essend im MacDonalds fragte ich Sebastien ueber sein Leben aus und wunderte mich, warum er auf Fragen ueber zwischenmenschlichen Beziehungen ausweichend reagierte. Schliesslich draengte ich ihn in die Ecke und erstaunte, dass er doch tatsaechlich das selbe Messer wie ich benutzt, um seine Kiwis zu schaelen. "Now that's interesting", sagte ich. "I was wondering when I'm actually going to meet another guy who's like me. I'd have never dreamt that he's been hanging around with me for three days." - "En fait, I knew about you the moment you asked me if we do karaoke", entgegnete er mit einem breiten Laecheln.


Es ist eine Geschichte, die Potential in sich traegt, denn das Band, das uns verbindet, hat schon felix'sche Ausmasse erreicht. Dennoch truebte ein nennenswerter Nachteil das Ganze: Waehrend ich schon bald in den Norden weiterziehen moechte, gedenkt Sebastien in Wellington zu bleiben, sich ein Appartement zu suchen und moeglicherweise fuer immer hier zu bleiben. In Frankreich erlebte er so manche Niederlage, aber die wenigen Tage, die er nun in Super Kiwi Island verbrachte, gaben ihm Hoffnung.


Vieles, was bislang geschah, war eindrucksvoll, doch manches auch austauschbar, denn es haette sich in aehnlicher Weise auch in Deutschland ergeben koennen. Gerade in den Stunden vor dem Schlafengehen vermisse ich Diddy, Bauchy, Riffy, Dammy, Eichy, Tutsy, Zocky, Nordy, Bobby, Schminky, aber auch meine Femmelette und wohl ganz besonders Malumba. Ich sehne mich nach dem Flair, die Blicke ueber faszinierende Landschaften, tiefgehendste Gespraeche in unterschiedlichsten Sprachen; nach Freundschaften, die mehr als Abhaengen beim Rugby-public screening sind und einfach die Bestaetigung, dass Neuseeland das aufregendste Land der Welt ist.

Level 4: Happiness is Only Real When Shared

Samstag, 22.10.2011

Nur wenige Tage bedurfte es, die "coolest little capital in the world" (Lonely Planet) zu besichtigen und alle fuer mich relevanten must-do's abzuhaken. Sebastien, dessen Hostel eine Liste mit "100 Things for free" aushaengt, werde ich nicht mehr wieder sehen und so machte ich mich auf, das Te Papa National Museum of New Zealand allein anzusehen, welches damit prahlt, den groessten Oktopus der Welt zu beherbergen. Er ist natuerlich so tot wie das Alien in der Area 51, das in Independence Day die Zuschauer schockte, doch durch die Beleuchtung fiel die atemberaubende Aehnlichkeit auf. Das Museum of City and Sea zeigte Maori-Legenden in aufregenden bewegten Bildern. Wann immer irgendwo eine Dokumentation lief, setzte ich mich hinzu; das Fehlen eines Fernsehers war mir nie zuvor so bewusst geworden. Im Gemeinschaftszimmer des Hostels werden gern duemmliche Pannen- oder Jackass-Shows angsehen, mit denen ich mich unmoeglich anfreunden kann. Ich durchlief die Old St. Paul's Cathedral, das Cable Car Museum und auch den Botanical Garden. Der Oriental Beach versprach mehr, als er halten konnte und schliesslich machte ich mich auf den Weg, die Distrikte hinter den Huegeln zu suchen, denn Wellington wirft nicht nur Winde, sondern war auch fuer seine zahlreichen ups and downs bekannt. Nach einiger Zeit fand ich mich in einer arg ruhigen Wohngegend, die auf der Karte nicht erscheint, wieder, doch bevor mich der Hunger hinfortraffen konnte, fand mich eine koreanische Kiwi-Lady, die bereit war, mir einen ride ins Civic Center zu geben.

Spaeter am Abend machte sich wieder Tanja, mein girliehaftes roommate bemerkbar: "Hey Martin, schau mal, hier ist noch ein Augsburger!" Voller Neugier ging ich auf den Typen ein, der mich an einen jungen Paul Walker erinnert. "C'est vrai?", fragte ich und als der Neue doch tatsaechlich ein "oui, c'est vrai" entgegnete, liess sich ein Laecheln nicht unterdruecken. Um uns besser kennen zu lernen, verbrachten wir den Folgetag gemeinsam. Ich gefiel mir in meiner Rolle als Wellington-Tutor, doch verpasste ich es nicht, auch Markus' Anekdoten zu lauschen. "So wie es bei dir der Herr der Ringe war, war es auch bei mir ein Film, der mich nach Neuseeland fuehrte", sagte er. "Kennst du Alexander Supertramp?" - "Happiness is only real when shared", begann ich. "Into the Wild hatte viele tolle Dialoge, aber mir faellt nur noch dieser eine ein". Sein Traum waere es, wie Alexander, der Urvater der modernen Backpacker, durch Alaska zu touren, sich einen Magic Bus zuzulegen und ein Leben fuehren, das fern aller monetaren Verbindlichkeiten war.

Level 5: The Hobbits' Hideaway

Samstag, 22.10.2011

Als ich wieder mein McDonalds Big Kiwi Breakfast verzehrte (alles andere geht etwas zu stark ins Geld) und im Hintergrund auf Gin und ihren earcatcher Hey Ho hoerte, war ich wieder allein, denn Markus fuhr in den Morgenstunden auf die Suedinsel weiter, doch nicht ohne in meinem Diary ein "Thanks a lot - this day was AWESOME" zu hinterlassen. Markus fragte stets, wann wir nach Mordor gehen, nicht wirklich wissend, was es mit diesem Land auf sich hatte, da er nur einen Herr-der-Ringe-Film gesehen hat und fuer ihn alle Orte irgendwie Mordor heissen. Weil es regnete, konnten wir nicht ins Land der Schatten marschieren und so entspannten wir die meiste Zeit in oeffentlichen Gebaeuden, wo wir ueber unsere Erlebnisse in der Vergangenheit und auch ueber solche, die noch in der Zukunft lagen, sprachen. Wir beide sind noch keine Woche da, verarbeiteten aber schon viele Eindruecke - hilfsbereite und gelassene Kiwis, Sonnenhitze und Meereskaelte zur gleichen Zeit, Skateboarder und Inlineskater, die wieder im Kommen sind, Geldknappheit und die daraus resultierende Ernaehrungsumstellung und Job-Aussichten, die um Wellington eher gering sind. Aus diesem Grund wird es mich in 2 Tagen nach Napier verschlagen.

Auch Kerstin, eine quirlige Oesterreicherin, die in Super Kiwi Island ihr Musikwissenschafts-Auslandssemester ablegt, verliess die Gruppe. Nun blieben nur noch Tanja und Gregor, ansonsten bildet sich jeden Abend eine neue Besetzung ihn der Lodge-Show. Es sind in der Tat verschiedenste Menschen, die sich im Gemeinschaftsraum tummeln, aber vor allem Woerter aus einer bestimmten Sprache schallen haeufiger durch die Raeume als alle anderen: Deutsche, die lautstark untereinander stammtischeln und sich mit halbwertvollen Informationen versorgen. So lernte ich von Stray Travel, einer Bus-flatrate durch das ganze Land, die meine Plaene von einem Autokauf vernichteten. Man hoert neben Freundschaften, die komplette Touren durch das Land verbanden, auch von Liebschaften, die auf der Bustoilette geschlossen werden, doch mit was auch immer ich konfrontiert werde, ich werde es offenherzig aufnehmen.

Ohne Markus, aber dafuer mit dem GPS im Gepaeck stiess ich schliesslich zu der Stelle, an der am 11.10.99 die Dreharbeiten zum Ultimativen Film begannen: Der auenlaendische Weg, auf dem die Hobbits zum ersten Mal auf die Schwarzen Reiter trafen und nur wenige Meter weiter auch die Abkuerzung zu den Pilzen, die Pippin und Merry einlegten, um dem grantigen Bauer Maggot zu entkommen. Die Szenerie war nicht halb so eindrucksvoll wie im Film, vor allem, da die gigantische Wurzel, unter der sich die vier versteckten, nur ein Modell war und somit nach Abschluss des Filmens von den Verantwortlichen entfernt wurden. Dennoch pfiff ich das vergnuegliche Hobbit-Theme, machte mich auf den Weg zurueck ins Hostel und war froh, noch bei Sonnenlicht den Berg erklommen zu haben.

Level 6: Passing Those Sheepy Hills

Samstag, 22.10.2011

Overworld-Themes wie das fantastische Alundra-Leitmotiv begleitete meine Blicke, die unaufhoerlich ueber die ersten immer groesser werdenden Huegel schweiften. Der Bus brachte mich aus der Stadt, denn nachdem hitchhiking nicht funktionierte (ich kam mir irgendwann ziemlich bloed vor mit meinem “Napier”-Schildchen, das ich aus einer Cornflakes-Schachtel gebastelt habe), besorgte ich mir ein verguenstigtes Busticket in die etwa 270 km entfernte Kuestenstadt. Weisse Steine mit Beine, dachte ich mir als ich die gruenen Huegel bestaunte und die vielen Bollen darauf erkannte. Der ungeuebte Betrachter haette sie vielleicht fuer weisse Vanilletuepferln gehalten, aber mir war bewusst, dass es ein Vorgeschmack auf die 45.000.000 Schafe war, die dieses Land hergab. Mein Blick verfolgte gebannt die Landschaft, die ans Allgaeu erinnern wuerde, waeren da nicht zur Linken wogende Wellen, die sich an der Kueste brechen. Gern haette ich mich auch dem Fall of Giants zugewandt, denn der Schmoeker wog schwer in der Tasche (und nun teilte er sich auch noch den Platz mit Atonement, das mir einst ein guter Freund empfahl), doch immer hatte ich das Gefuehl, eine am Fenster vorbei zischende Pracht zu verpassen. Das Rugby-Nationalteam wird ueberall promoted, sogar inmitten von Wiesen steht ein GO THE ALL BLACKS-Schild, das nicht nur von umstehenden Kuehen gelesen wurde. Diese Kuehe! How peculiar! Sie sind schwarz und hatten weisse Koepfe und Baeuche! Ich konnte nicht den Blick von ihnen lassen und auch der popotin des gamin craquant, der sich vor mir aufragte und sich zum Gepaeckfach hinbeugte, konnte nicht mit der gruenen Formvollendung mithalten. So viele Eindruecke! “Onions $ 7.50”, “Nursery this way”, niedrigste (und wohl auch erdbebensichere) Haeuser ohne ersten Stock, diese vielen gleich und ungewoehnlich aussehenden Kuehe; Wolken, die an verschiedenen Hoehen des Himmels angebracht sind (erkennbar an der Art, wie sie die Gipfel umgarnen); fantasievolle Geschaefte (eine riesige Kettensaege auf dem Dach) mit noch fantasievolleren Namen wie ‘For Frock’s Sake’ und ‘oosh’; viele bei den Kiwis beliebte Ketten wie New World und The Mill, aber keine C&A oder total oder was sonst jeder Europaer kennt. Einzig Fastfoodmarken und Tankstellen erinnerten an das ferne Deutschland.

Bald schon sollte meine Arbeit im Napier Prison beginnen und man darf annehmen, dass es sicherlich interessant wird, in einem Gefaengnis zu naechtigen.

Level 7: Go The All Blacks

Dienstag, 01.11.2011

Mo war ein Baer. Aber da er der erste war, der mich im Napier Prison willkommen hiess und ich gluecklich ueber die Tatsache war, nicht mehr laenger durch das verschlafene Nest Napier mit 12 kg Gepaeck irren zu muessen, liess ich mich gerne in meine Zelle fuehren. In der Conjugal Unit starrte Michael, ein ruhiger Rocker mit Pferdeschwanz, hochangestrengt auf sein Script. Als Tourguide muss er diverse Fakten ueber NZ’s oldest prison beherrschen. Er sprach nicht viel, sein Englisch war vorzeigbar, aber da er mein roommate werden sollte, werden wir noch viel Zeit haben, uns kennen zu lernen. Andere Backpacker kreuzten meinen Weg, zwei Franzosen, darunter eine Amy-Winehousige Lady, etliche Englaender mit boesen Akzenten und Ausdrucksweisen und natuerlich auch Deutsche. Alle inmates des prison leben fuer work for accomodation hinter den hohen Mauern; ihre Zeit mussten sie nur mit drei Stunden pro Tag mit unterschiedlichen Arbeiten wie tourguiding, Rezeptionsdienst, Recherche oder mit Sound- und Graphikjobs verbringen. Meine Zelle, die Eheeinheit, teile ich mir zudem noch mit Marc, ein weiterer Baer, der spaetnachts von einer Kneiptour zurueckkehrte, sich ins Bett warf und fuer die naechsten Stunden unaufhoerlich schnarchte.

Am naechsten Tag stellte sich mir Jonathan in den Weg, ein redseliger, waschbrettbauchiger und modellgesichtiger Backpacker, der mit seiner Freundin Paula seit einigen Wochen schon das Land durchreiste. Der Jeepers-Creepers-Justin-Long-lookalike und ich begannen ein angeregtes Kennenlerngespraech und im Laufe seines Redeflusses konnte ich mir schon bald ein sehr konkretes Bild ueber den Charakter des 20-jaehrigen machen. Mit seinem Interesse an Film, geocaching und creative urges kam er mir sehr gelegen.

Da NZ noch keines der 6 Spiele des Rugby-Worldcups verloren hatte, war es klar, dass es auch den finalen Endgegner Frankreich vernichtend schlug. Mit den anderen inmates machte ich mich auf die Suche nach einem Pub, um das Spiel im public screening anzusehen. Die Leere der Strassen fiel auf, einige Kneipen waren geschlossen und auch eine, die mit "Hot Bikini Gurls“ lockte, brachte trotz allem kaum Ambiente auf. "Damn it, this is the final! Where is everybody?“, sagte Alex. Irgendwann fanden wir Leute, die sich in einen Irish Pub draengten. Wir folgten ihnen ins Hinterzimmer, blickten auf den Bildschirm und verfolgten die kuechenschraenkigen All Blacks, wie sie ihren urzeitlichen Eroeffnungstanz, den Haka, vollzogen. Das Spiel war gewaltbeladen; gestandene Mannsbilder rannten sich ueber den Haufen und so manches Mal mussten lauernde Mediziner aushelfen. Bei guten coups applaudierten die Zuschauer im pub und solche, die sich wie ich ein wenig zurueckhielten (weil sie womoeglich die Regeln nicht kannten), waren entweder unentschlossen oder Franzosen.

Level 8: Dinner on the Hanging Yard

Dienstag, 01.11.2011

I Can’t Dance begleitete uns auf Jonathans iphone, waehrend wir auf dem Weg zum McDo huebsche Art-Deco-Haeuser in Napier passierten. Ich war tatsaechlich mit einem Paerchen unterwegs, ein Unterfangen, das ich fuer gewoehnlich vermeidete, aber an diesem sonnigen Tag, der etwas crème bedarf, harmonierte die kleine Gemeinschaft. Ich lernte viel von dem Nichtbayern, doch vor allem seine videogame-affection tat es mir an. Auf der Spitze des Bluff Hill ueberblickten wir die Stadt und den Hafen, kurz danach gingen wir an den Strand, auf dem sich einige Maori herumtollten. „Ohne dass es rassistisch klingen sollte“, begann Jonathan, „aber es gibt, glaube ich, keinen einzigen Maori, der nicht fett ist“. In deren Kultur gilt es als unhoeflich, nicht genug Nahrung  im Kuehlschrank zu haben, wenn Besuch kommt. „Und bevor das gute Fleisch halt ablaeuft...“

Wir sprachen ueber viele Dinge, und natuerlich versuchte mich, Jonathan in die Ecke zu draengen. „Sag mal, gibt es bei dir eigenlich jemanden? Hast du eine ‚sie’ zurueckgelassen?“, fragte er. Sofort hatte ich Malumbas pralle Lippen vor Augen, dann erinnerte ich mich daran, dass sie sich beizeiten doch sehr bubenhaft benahm. „Nein, nein“, sagte ich. „Keine ‚sie’“.

Das Leben im prison war schlicht und gemuetlich. Die Zellen waren unterschiedlich gross, mit Schloessern verriegelt, ausser diejenigen, die fuer Touristen offen standen. Darin lagerte so manche Stoffpuppe mit toten Augen, die Passanten einen nennenswerten Schrecken verpassen konnten. Deshalb wurde unter anderem neben der Historical Tour auch die Ghost Tour angeboten. Im TV-room traf sich die Backpacker-Gemeinschaft, meist aber war jeder ueber seinem Laptop gebeugt beim facebookeln oder bloggen. Mit dem Grossteil war es schwer, in engeren Kontakt zu kommen. Die Baeren funktionieren schlichtweg anders als ich und auch der Zugang zu Michael war schwerer, als ich anfangs dachte. Schliesslich geschah es, dass eine Einzelzelle frei wurde und so ergriff ich die Gelegenheit und schnappte mir den Raum, der nicht einmal die Groesse des Tante-Dora-Zimmers hatte. Dennoch fuehlte ich mich darin wohl, dekorierte die Waende mit Richie-McClaws aus diversen Sportzeitschriften und Zeitungen, die es gratis beim discounter Pack n Save gab und dachte mir, da ich sowiso nur zwei oder drei Wochen im prison bleiben wuerde, war es eigentlich nicht die Muehe wert, Besser Wohnen zu studieren. "Most of those who come here, usually stay longer“, sagte Deborah. "Because of the people, you know“. Ein Schicksal, das mich sicherlich nicht ereilen wuerde.

Am naechsten Morgen rief ich meinen young apprentice Jonathan, der nicht ruhen konnte, bis er aus mir die letzten Geheimnisse entlockt hat. „Hab’s mir doch gedacht“, sagte er schliesslich, „und ich find’s gut, denn jetzt haben wir ein neues Gespraechsthema“. Waehrend wir beide das Unkraut im driveway jaeteten, erzaehlte ich ihm Dinge, die er sicherlich nicht in der Schule lernte. Es war amuesant, den jungen Redner in eine passive Rolle zu stecken.

Zum baldigen Abschied einiger Insassen veranstalteten wir im Hanging Yard unter dem Galgen ein BBQ-Dinner. Die Atmosphaere wirkte makaber, die Backpacker liessen sich nicht beirren und tranken Wein galore. Hauptsaechlich sprach ich mit Paula und Jonathan, der nun eine etwas lockere Art, mit mir zu verkehren, annahm. Er zeigte mir ein Bild von sich, das mich leicht erroeten liess und natuerlich konnte ich es nicht verkneifen, ihm dazu einen Kommentar zu geben, der wiederum ihn erroeten liess. Zudem liess er sich fuer die Abizeitung mit buntem Anzug, fettigem Haar, weisser Schminke, Narben und sardonischem Grinsen ablichten. Seine krasse Aehnlichkeit zur Heath-Ledger-personification des Jokers fiel mir vorher nicht auf.

Level 9: Journey to Cape Kidnapper (Boss)

Dienstag, 01.11.2011

 Section 9-1: Walk of the Horseshoe Wetlands

Der Morgen war trueb, die Sonne hinter vereinzelten Wolkenschichten verborgen und Jogger und Hundehalter waren wie ich um 7:30 schon unterwegs. Mein Blick galt nur dem am Horizont gelegenen Cape Kidnappers, 30 km entfernt und von so manchem Zeitgenossen abgeraten, zu Fuss diesen Weg zu bestreiten. "Oh, that’s too far away, your poor little feet“, sagte eine Oma im Art-Deco-Shop, die mich ueber diese Kunstrichtung belehrte. Voller Stolz erzaehlte sie, dass sie das alles dem schrecklichen Erdbeben zu verdanken haben, dass die Haeuser in einem solch ungewoehnlichen Baustil wieder errichtet wurde. Gern haette ich sie gefragt, ob sie das 1931er Erdbeben selbst miterlebte, doch ich hielt es fuer angebrachter, zu schweigen und zu lauschen.

Ich folgte dem Strand, fand mich irgendwann auf einer einsamen Strasse wieder, die durch kleinere Ortschaften, durch hamlets, fuehrte, hoerte Barbra Streisand the road is narrow and long, when eyes meet eyes and the feeling is strong singen, nur sah ich niemanden, ausser vorbeirauschenden Autofahrern mit ihren steering wheels auf der rechten Seite; und Weinfarmen, die mich an den Marche de la Folie in Suedfrankreich erinnerten. Nach dem Strand kamen kilometerlange wetlands, dann wieder Strand; sandig, einsam, warm und in hoechstem Masse angenehm.

 

Section 9-2: Black Reef Gannet Colony

Der Grund, warum ich diesen Eintrag als Bosslevel abspeicherte, war ein einfacher: Es war ein Tagesausflug, der neben all der Pracht der Natur auch eine gewisse Portion Abenteuer und Risiko barg. Was waere, wenn ich niemanden finde, der mich vom Cape wieder zurueck nach Napier bringt? Busse verkehrten in dieser doerflichen Gegend nicht und ein cab wuerde ich mir sicherlich nicht goennen. Schlimmer noch: Was waere, wenn mich die Flut erfasst?

Waehrend den Mittagsstunden erreichte ich die Klippen und es herrschte noch ungefaehrliche low tide. Rechts neben mir ragten Felswaende in die Hoehe, von Wellen in Jahrtausenden abgefraest, ab und an hing ein halbentwurzelter Baum herab, gelegentlich broeckelten Steine herunter und links von mir peitschte das Meer und brannte mir die Sonne auf die Backe, die noch Tage spaeter warm war. Waere das Wasser nicht so kalt, waere ich tiefer als bis zu den Knien hineingelaufen. Was ich anfangs fuer das Cape Kidnappers hielt, stellte sich als die Black Reef Gannet Colony heraus, ein Naturschutzgebiet fuer Toelpel, in dem die gelbkoepfigen Voegel zu Tausenden nisteten. Ich folgte dem Strand weiter, und man denkt dabei augenblicklich an den Endkampf bei einem Final Fantasy. Endlich ist man bei Obermotz Artemisia angekommen, besiegt sie, dann koppelt sich die Matz mit ihrer Bestia und ein weiterer fast halbstuendiger Kampf beginnt. Man freut sich auf den Abspann und erkennt, dass die Oberhexe noch einen weiteren Trumpf in ihrem schwarzen Aermel bereit haelt.

Endlich war ich beim finalen Pfad angekommen, folgte ihm auf den Huegel, behielt die Uhr im Auge, denn bald schon sollte die high tide einsetzen und ich wollte nicht von ihr verschlungen werden. Ich erreichte einen Leuchtturm, sah weitere Myriaden von gannets, kreischend und stinkend, und darunter viele Hobby-Ornithologen.

 

Section 9-3: Choreographer of the Tides

Um viertel nach drei schlug die Zeit des Endkampfes. Sollte ich noch laenger bleiben, konnte ich nicht mehr den wunderschoenen Strandweg zurueck nach Clifton gehen. Es war ein Gegner, der nicht besiegt, sondern dem nur mit schnellen Schritten ausgewichen werden konnte. Trotzdem zoegerte ich, ass ein paar staerkende bagels, ueberpruefte wie stark mein Sonnenbrand bis jetzt war, nahm den Mut zusammen, riss mich von der atemberaubenden Landschaft des oestlichsten Punktes der Hawk’s Bay los und lief den Weg unter den Klippen zurueck. Das Wasser gewann an Macht, die Wellen stiegen an und tauchten in eine eindrucksvolle Choreographie ein und schliesslich verstand ich, dass es so etwas wie Gezeiten tatsaelich gab und sie nicht nur eine Erfindung von RTL waren. Sie existierten tatsaelich und rissen Spaetkommende mit sich. Meine Schritte wurden schneller, der Pfad wurde enger und letztendlich entkam ich den Fluten und staunte, dass hinter mir noch hastig einige Deutsche eilten. Mit ihnen kam ich dann ins Gespraech und als sie erwaehnten, dass sie nach Napier fuhren, konnte ich mir ein Laecheln nicht verkneifen.

 

First Boss Vanquished!

Zeit:                                          7.30 – 18.30    (10,5 Std.)

Distanz:                                    ca. 40 km

Soundtrack:                             Opening Titles (The Mummy)

Kosten:                                    -

Verbrauchte Leben:                 1 (mittelschwerer Sonnenbrand)

Companion:                           -

Anstrengung:                           ***

Schoenheit:                             **

Gefahrfaktor:                           ***

Level 10: Pirate’s Quest

Freitag, 11.11.2011

Wegen des strapazioesen Bosskampfs und der Verbrennungen, die ich mir dadurch zuzog, war ich fuer die abendliche Fright Night nicht mehr zu gebrauchen. Schreie von aengstlichen Teenagern hallten durch das Gemauer und liessen mich lange nicht einschlafen. Die schlummernde Grande Motte Neuseelands, Napier, bietet auch so manche Attraktion, die kein Reisefuehrer erwaehnte. Versteckte Kleinode in bergig-schoenen Winkeln der Stadt, die mit Hilfe von Koordinaten, einem GPS und einer Packung Abenteueresprit darauf warten, entdeckt zu werden: Geocaching, a modern hide and seek game. Nun fragen Sie sich, geduldiger Dauerzocker, um was es sich dabei handeln koennte. Zoegern Sie nicht, sich bei www.geocaching.com anzumelden, um Schaetze in Ihrer eigenen, verwinkelten Stadt aufzuspueren.

Noch einmal stiegen wir den Bluff Hill Lookout hinauf, wateten barfuss durch einen kuenstlichen Teich vor dem National Aquarium of New Zealand, um auf eine Insel zu kommen, die einen Schatz barg und irgendwann, als die Erfahrungsleiste bis zu einem angemessenen Punkt gefuellt war, begannen wir, die Pirate's Quest Trilogie anzupacken.


Ye must seek a place that has a good tale
a place that sounds like Thirsty Snail
Pirates man gather and eat n drink galore
Yo ho ho ho n a bottle of rum

Das Thirsty Whale war ein bemerkenswert schoener pub mit viel piratlichem Ambiente, einzig der Fernseher, auf dem Fussball lief, riss aus der Illusion. Nach einigem Durchforsten wurden wir fuendig und bald schon irrten wir wieder durch die Strassen von Napier. Zwar konnte der 10-legged squid besiegt werden und der naechste Hinweis hinter einem vermoosten Stein gefunden werden, aber der Schatz konnte nicht gehoben werden.

Stimulated by the unavoidably macabre atmosphere of the prison, gingen wir naechtens auf einen Friedhof, der seit mehr als 100 Jahren keine frischen Toten mehr gesehen hat. Mit Hilfe von Taschenlampen suchten wir nach Edward H. Dawson's gravesite, fanden ihn schliesslich und gedachten sogar dem Verstorbenen, nachdem wir den dead reckoning Schatz aufgespuert hatten.

Level 11: Choices Are What Define Us

Freitag, 11.11.2011

Kurz vor seinem Austritt bot uns Mo an, als researcher zu arbeiten. Er lockte mit flexiblen Arbeitszeiten, dieser Schmalker, aber das konnte nicht eingehalten werden. Unser Boss Alex, ein 22-jaehriger Waliser mit nuschelndem Akzent, behielt Jonathan als cleaner und bildete mich im Umgang mit der machtvollen Rezeption aus. Drei Stunden taeglich darf ich zu unterschiedlichen Zeiten Touristen begruessen, ihnen das Tourprogramm zitieren, das gelegentlich klingelnde Telefon abnehmen und schliesslich noch Informationen ueber die Hauptstadt von Alaska, auftreiben. Da das Prison auch die sogenannten Citywalksz-Touren veranstaltete und deshalb fuer reiche Kreuzfahrttouristen MP3-devices zu jedem Ankerpunkt verkaufte, verdiente ich gerade meine free accomodation mit dem Schreiben einer huebschen Hausarbeit ueber Juneau, the city that is unique in being accessible only by sea or air. Ein idealer Job, das Englisch zu verbessern und dabei wohlklingend-bedeutungsvolle Saetze wie The hill loom ominously in the distance oder Legend has it that the patriarchial leader of the tribe had a recurrent dream anzuwenden.

Manchmal scheint es, als sei die Stadt einzig von Backpackern bewohnt. Bei jedem Einkauf im Pak n Save hoerte ich Deutsche reden, oft nur kurzroeckige Blondchen, die den Ruf des rauen, unrasierten Backpacker ins Gegenteil verkehren. Fuer sie sollte spaeter noch ein eigener Begriff eingefuehrt werden. Obwohl die Job-Situation derzeit nicht vorzeigbar war und man sogar von Wartelisten fuer die orchard-Arbeiten hoert, gefaellt es in der Stadt. Scheint die Sonne, brutzelt die Haut und ist es bewoelkt, sollte man sich in alles huellen, was die drei Kleiderbuegel hergaben. Trotz allem zog ich nicht weiter, ich unterdruecke den urge to move on und dachte mir, dass es die Entscheidungen waren, die uns ausmachen. Ich entschied mich, der freundlichen Atmosphaere des Napier Prisons treu zu bleiben. Ihr und natuerlich Jonathan, der kuerzlich laechelnd bestaetigte, dass er die derzeit netteste Verschwendung des ganzen staffs war. Paula hingegen, mit der er sich seit Anfang des Jahres in einer Paerchenschaft befindet, war darueber nicht so amused.

Ich verliess die Tante-Dora-Zelle und zog ins das ehemalige chambre d'Heidi, unserer quirligen, franzoesischen Amy Winehouse, die kuerzlich admitted, also freigesetzt, wurde. Nach weiterem Erkunden der Stadt stiess ich auf die Public Library, fand Buecher ueber Alaska, die ich fuer meine Recherchearbeit nutzen konnte, wechselte ein paar freundliche "How’s it going“ mit den Kiwis (sogar Fremde gruessen einen, wenn man ihnen in einer ruhigen Nebenstrasse entgegen kam) und schmiedete weitere Plaene. Jonathan und ich ueberlegten uns sogar, in den creepy surroundings einen Kurzfilm zu drehen, brachen die Plaene schliesslich ab, da keiner eine leistungsstarke Kamera besass und anstrebende Nachwuchsregisseure aus oversea aufgrund der Logistik nicht engagiert werden konnten.

Level 12: The Eye Eater

Freitag, 11.11.2011

Ein Neuer kam in die Gemaeuer. Bei Johnny aus Bristol war nach der ersten Flasche Guiness schon klar, mit welchen Utensilien er seine fishsticks zubereitete. An dem ersten Tag, an dem Jonathan, Paula und ich den day off hatten, entdeckten wir Fahrraeder im Schuppen, die wir zu reparieren begannen. So mancher waere durchaus stolz auf uns gewesen, haette er gesehen, was wir zustande brachten. Die Sonne brannte, Touristen kreuzten den shed, vor dem Jonathan und ich die Fahrraeder versorgten, Paulas Geduld wurde arg gestreckt und schliesslich war es zu spaet, noch zum Cape Kidnappers zu radeln. Und trotz aller Anstrengung gelang es uns nur, anderthalb der drei bikes zu fixen. Gluecklicherweise hatten wir als Alternative noch so einige geocaches, die auf Erloesung warteten und so fanden wir die breathtakingly beautiful Botanical Gardens von Napier.

Weil meine Cheffin, die lachfreudige Marion, mit meiner Arbeit zufrieden schien, bot man mir den Job als tourguide an, den ich nach kurzer Ueberlegung auch annahm. Einzig das Auswendiglernen eines zwoelf-seitigen Skripts binnen einer Woche schreckte ein wenig ab, aber die Chance, wundervolle Phrasen und gruselige Anekdoten auf Englisch erzaehlen zu duerfen, lockt durchaus. Und es sind in der Tat schoene stories, die ich von mir geben durfte:

This burial site comprises the first 2 men hanged here at Napier Prison. Kereopa Te Rau was executed in 1872 after hiding several years for the murder of Carl Volkner, a German missionary. He believed Volkner was a spy for the NZ government, and had assisted them in killing his family. With the help of other Maori men, Kereopa seized and participated in the hanging of Volkner. Kereopa believed that, because Volkner was one of the last to see his family alive, that his eyes contained the souls of his children. In order to get them back, Kereopa consumed the eyes of Volkner and became known afterwards as Kaiwhatu, the ‘eye eater’.


Da die gesamte Belegschaft des prison im Kino bei „The Inbetweeners“ (hmm, 79 %) war, blieb nur der stille Nick zurueck, von der TV-Unterhaltung im Gemeinschaftszimmer mitgerissen. Interessant, ein Aussenseiter, dachte ich mir. Meine bevorzugte Zielgruppe. Als ich dann auch noch erkannte, dass er mit Bridget Jones und ihrem Diary mitschmachtete, wurde mein Laecheln breiter.

Level 13: The Finding of the Stranded

Sonntag, 20.11.2011

Es kam tatsaechlich vor, dass Leute aus deutschen Landen, die das honigsuesse Super Kiwi Island bereisten, Besuch aus selbigem deutschen Landen bekommen. Eine Freundin von Jonathan und Paula traf kuerzlich ein, Lady Charlotte, und mir stockte schon am ersten Abend der Atem, als ich erkannte, dass die junge Abiturientin doch nicht einmal wusste, wer Elisabeth Taylor war. Vergeblich zaehlte ich eine handvoll Filme auf; alles, was ich von ihr erhielt, war simples Kopfschuetteln.

Da Megamaerkte wie Countdown und Pak n Save ihre Tore bis Mitternacht offen hielten, was jeden Nicht-Napierler dazu treibt, sich zu fragen, wie diese Ketten in einer solch verschlafenen Stadt nach Einbruch der Dunkelheit ueberleben konnten, ergriffen wir die Gelegenheit zu einem abendlichen shopping spree. Auch der stille Nick, der bald schon eine major supporting role in dieser Gefaehrtschaft einnehmen sollte, begleitete uns auf dem Weg. Eigentlich waren wir auf der Suche nach dem winetasting, wo wir uns in die gehobene Gesellschaft einschmuggeln wollten, aber wir erkannten, dass diese soiree amusante keine soiree war, sondern auch schon beim leisesten Aufkommen der Nacht schloss. Lebensmittel waren nicht unteuer in diesem schoenen Land. Capsicums (damaliges Wort des Tages), also Nahrungsmittel, die man in der Gemeinsamen Sprache als ‘Paprika’ bezeichnet, waren besonders teuer und auch fuer meine geliebte Milch musste man so manche Kiwi bank note zurueck lassen.

Am Tage des letzten Abspeicherns hoerte ich im E-Mail-Espresso einige Meter von mir entfernt zwei Typen aufgeregt reden. “F*ck”, begann der eine, “die haben hier auch nichts. Scheisse, Alter”. Der andere, etwas weniger ordinaer, erklaerte dem Ersten die naechsten Schritte und zeigte auf den Bildschirm. “Look, bro: Napier Prison”, sagte er, zeigte mit dem Finger auf den Bildschirm und stiess ein lautes Lachen aus. “Nee, oder?” Anhand ihren vollbepackten Rucksaecken und den Strohhueten erkannte ich, dass die beiden gerade erst in meiner Stadt ankamen und noch nicht wussten, wohin es sie treiben sollte. Ich erkannte, dass dies die Chance fuer meine gute Tat der Woche war und sprach die beiden an, sagte ihnen, dass ich ihren chat overheard hatte und erklaerte, was es mit dem Gefaengnis auf sich hatte. Da derzeit nach einem neuen cleaner und einem researcher gesucht wurde, haetten die beiden gute Chancen, aufgenommen zu werden. “Das Problem ist, dass wir kein Visum haben”, sagte Greg, der Schweizer, der ein Shirt mit der Aufschrift “Fuer Bier wuerde ich sogar arbeiten” trug. Sie folgten mir beide zum Bluff Hill, ich stellte den beiden Alex vor und schon nach kurzem Gepraech begruesste er sie im Team. “Thank you, bro”, sagte Greg sichtlich erfreut und erleichtert.

Level 14: The Backstabbers

Sonntag, 20.11.2011

Juneau, die Stadt meiner Recherchearbeit, bluehte dank mir auf und da Alex erkannte, dass Jonathan und ich ein tadelloses Team formten (trotz unseres Versagens beim Quiz), arbeitete er an meiner Seite. Gelegentlich stellte der junge apprentice Fragen wie „was heisst waehrend auf Englisch?“, die ich nur zu gern beantworte. Im Tonstudio nahmen wir dann Uebersetzungen der Citywalks-Touren in deutscher Sprache auf. Wegen komplizierter Maori-Namen im Script musste so manches Mal von vorne gestartet warden, was unsere, wie auch Tonstudioleiter Johnny’s Geduld leicht strapazierte.

The Cri nannte sich die Bar, die donnerstags mit dem Pubquiz lockte. Da wir inzwischen sehr zahlreich geworden waren, spalteten wir uns auf und formten die Teams “inmates” (Jonathan, Paula, Charlotte, moi, Nick, Johnny) und “lifers” (Alex, Mark, Greg, sein Kumpel Jan, Camilla, Jonne und Michal). Mit zwei native speakers sollten wir bei Kategorien wie “advertisement” durchaus Chancen haben, eine gute Position zu gewinnen. Die Fragen forderten, aufgrund des Kiwi-Akzents waren sie nicht immer leicht verstaendlich und unsere natives stellten sich als nicht besonders hilfreich heraus. Am Ende des Abends landeten wir auf dem letzten Platz, waehrend die “lifers” als Sieger hervorgingen und einen Getraenkegutschein erhielten. However, keinem von ihnen kam teilen in den Sinn und nach ein wenig backstabber-Gemurmel und verdriesslichen Mienen machten wir, die "inmates“ uns wieder auf den Weg ins Gefaengnis.

Es folgten einige Tage des schlechten Wetters und ich wollte es nicht verpassen, bei Sturm die Wellen am Strand zu beaeugen. “Impressive”, murmelte ich in die Winde, “most impressive”. Einige der anderen Backpacker trieben sich in der Stadt herum, die sich langsam fuellte und Greg, den ich gern als meine Entdeckung bezeichne, gelang es sogar an jenem Abend, Hamsterprinzessin Camilla, eine zierliche Schwedin, die nach ein oder zwei Glaeser liquor all ihre Zierlichkeit fallen liess, etwas naeher kennen zu lernen. Es war interessant zu beobachten, dass sich die beiden in den Folgetagen doch ein klein wenig Muehe gaben, sich nicht zu sehr in die Augen zu blicken.

Maverick Nick kam schon eher zurueck. “It was kind of boring, actually”, sagte er. Gern haette ich es geschafft, ihn einmal zum Sprechen zu bekommen, ohne eine Frage zu stellen. Paula sagte: “Ich versteh nicht, wie du so viel Geduld aufbringst. Ich haett da schon laengst aufgegeben”. Innerhalb des Prison war es fast unmoeglich, keine anderen Backpacker zu treffen, ausser natuerlich, wenn man sich in seiner Zelle einschloss oder in die outside world fluechtete. Nick war derjenige mit den wenigsten Sozialkontakten, oft vertieft in seine Lektuere, aus die ich ihn so manches Mal riss. “Why so serious?”, fragte ich. Mit mildem Laecheln antwortete er: „I’m not serious“. Dennoch habe ich oft das Gefuehl, diesen klugen Kopf aus seinem Illusionskonstrukt zu reissen. Er legt das Buch von Carl Sagan, einem Astrophysiker zur Seite und wechselt die noetigsten Worte. “What’s up, guys”, erschallte es vom courtyard und Greg erschien. Bald schon sass auch Jan bei uns auf dem warmen Boden und Nick fuehlte sich aufgrund der vielen Leute um sich zum Schweigen verdammt. Der unknackbare lone wolf aus Leeds huetete seine Geheimnisse gut. Wenn es mir gelang, eine neue Information alle 24 Stunden von ihm zu bekommen, sollte ich schon hochzufrieden sein.

Level 15: Of Noble Kind

Sonntag, 20.11.2011

Ich erklaerte Nick die grossen Unterschiede zwischen deutschen und neuseelaendischen Supermaerkten. Eine check-out-yourself oder eine express Kasse gaebe es bei uns nicht, Vodka kostet auch nicht 40 $ pro Flasche und Verkaeuferinnen erwaehnen in Deutschland auch nicht, was sie gerade lovely fanden und small talkten nur dann, wenn sie es mussten. Die Computerstimme an der Selbstbedienerkasse forderte stets den Kunden auf: “Please take your items”; doch wenn ich an items dachte, so waren es entweder Heilkraeuter oder Power-Pilze, die man im Gepaeck trug. Wer haette gedacht, dass es in Super Kiwi Island etwas so triviales wie strawberry jam oder capsicums (was fuer ein schoenes Wort, in der Tat) waren?

An unserem gemeinsamen freien Tag gingen Jonathan, Paula und ich wieder geocachen, und dann schliesslich traf ich Areta. Natuerlich nicht sofort, aber dennoch spuerte ich es, wie es mich zu ihr zog. Sie war nicht allein; neben ihr standen einige ihrer Art. Areta lenkte nicht viel Aufmerksamkeit auf sich; es waere leicht gewesen, sie zu uebersehen. Gern haette ich sie im prallen Sonnenschein wahrgenommen, aber nach der langen Wanderung bis ans Suedende der Stadt war ich durchaus dankbar, endlich wieder etwas kuehlenden Schatten um mich zu spueren. Jonathan war von ihr nicht besonders angetan, er liess seinen Blick in eine andere Richtung wandern. Areta unterscheidete sich in nicht wenigen Aspekten von all den anderen, die ich bislang wahrgenommen habe, aber ihre Schlichtheit bezauberte mich dennoch auf kaum nachvollziehbare Weise.

“Can I help you?” Bevor ich antworten konnte, ergriff schon Jonathan das Wort und sagte: “Thank you, we just look around. Maybe later”. Wir teilten uns auf, denn ich benoetigte fuer diese neue Sache einige Zeit fuer mich und meine Ueberlegungen. Jonathan erklaerte mir, worauf ich zu achten habe, und dann machte ich mich auch schon auf den Weg. Absurderweise fragte ich mich, was wohl Nick von Areta denken wuerde und wie ich sie in meinem Unterfangen zu nutze machen konnte. Der Auktionaer brach in Singsang aus, praesentierte seine Schaetzchen und auch Jonathan und Paula schlugen bei einem bargain zu. Areta sollte bis zum Ende des Tages mir gehoeren, die noble Schoenheit aus dem Vereinten Koenigreich mit 16 jungen Jahren auf der Karosserie. Sie unterschied sich von Phoebe in so mancher Einzelheit: Die Schaltung auf der linken Seite, die Steuerung auf der rechten Seite, der Drang zur linken Strassenseite und zudem noch die Kilometeranzeige in Meilen. Aber mit 61,000 miles war sie dennoch frisch wie ein Damengemach am Morgen. Ihre Stimme, durchdringend und beharrend, erschallte, als Nick auf dem Parkplatz des Pak n Save unbeabsichtigt die verschlossene Tuer zu oeffnen versuchte. Es ist ein gutes Gefuehl zu wissen, dass meine Lady ihre Unantastbarkeit in naechster Zukunft beibehalten wuerde.

Level 16: The Lone Gunslinger

Montag, 28.11.2011

Die aggressive Vorgehensweise in der Nick-Thematik fuehrte mich bislang
nicht all zu weit. Zu verschlossen, zu einzelgaengerisch, ein lone wolf und maverick durch und durch. Auf meine Fragen blockte er und schliesslich liess er mich puzzled zurueck
und ignorierte Stunden lang jegliche Blicke. Rar sind die Momente, in denen sich
der Muffel uneingeschraenkt der Gemeinschaft hingab. Fuer einen Abend unterhielt Taboo, das Spiel, das zum Sprechen verdammte. Neben den Neulingen Chris und Nick war kein weiterer native speaker anwesend, und natuerlich hatten wir drei Deutschlinge keine Chance, lange stand zu halten. Nicks Laune sank in den letzten Tagen, es verwunderte mich nicht arg, als er verkuendete, dass er weiter ziehen, wenn er binnen sieben Tagen keinen Job finden wuerde. Um das Fortgehen meiner aktuellen Lieblingsbeschaeftigung zu verhindern, schlug ich ihm vor, dass wir in den kommenden Tagen eine jobseeking-tour mit Areta unternahmen, die hoffentlich in Erfolg fruchten wuerde.

Im naechsten Pub-Quiz war unser Team wesentlich erfolgreicher als im vorhergehenden,
denn die backstabbers verloren ebenso stark wie wir, die Morning Glories.  Weil einer meiner beiden Findlinge, Jan, einen stark lackadaisical way of working an den Tag legte, wurde er schliesslich entlassen. Irgendwie hatte ich es kommen sehen, denn Leute, die zur Schlafenszeit noch E-Guitarre spielen, waren meist nicht sehr beliebt in der Gemeinschaft. Auch Chris wurde gefeuert, denn zwei Verschlafungen reichen fuer die Chefin Marion schon aus. Wegen der Rausschmisse sorgte sich Jonathan ein wenig. „Aber allein schon, weil wir die Fahrraeder reparierten, wird sie uns nicht rausschmeissen“, sagte er.

Level 17: A Scorching Sun Rises

Montag, 28.11.2011

Auf Gregs Geheiss liess ich eines morgens den Wecker frueher klingeln. Draussen war es noch dunkel und lieblich kuehl. Ich brachte Nick Fruehstueck ans Bett, denn dies war die Bedingung, die er stellte, um um 5 Uhr aus dem Bett zu steigen. „I heard it’s the best place in New Zealand to watch the sunrise“, sagte Johnny, der mit Nick das Zimmer teilte und sich unserer kleinen Fruehaufstehergruppe anschloss. Zusammen mit Schweizer Greg machten wir uns dann auf den Weg zum Bluff Hill und so spuerten wir als erste Festlaender die waermenden Strahlen der Sonne. Einzig Gisborne, der oestlichste Punkt des Landes, erblickte den Sonnenaufgang noch frueher.

Lady Marion („where is the one with the key to my heart?“) bot Jonathan und mir einen gutbezahlten Reinigungsjob in ihrem Appartment an. Liebes Tagebuch! Oh, war das schoen! Ich habe mich heute sehr gefreut, denn ich durfte ganz viel Zeit mit Joni verbringen! Mein neuer Freund will mich naemlich mal in Bayern besuchen! Meine anfaengliche Euphorie verflog im Laufe des Nachmittages, als er sich einer hochversifften Duschkabine und ich mich staubigen Schimmelecken auseinander setzte. Ich hoffe, der
Nordlaender wird nicht allzu enttaeuscht sein, wenn er nach Bayern kommt, denn
ich erzaehlte ihm einst bei Date 7 oder 8, dass alle Bayern ihr Muesli warm zu sich nahmen.

An dieser Stelle, moechte ich Sie, eifriger Dauerzocker, darauf aufmerksam machen, dass Paula und Jonathan einen hervorragenden Blog betrieben, der hinsichtlich bons mots, witticisms und quips zwar nicht an den meinen heran reichte, jedoch wundervolle Unterhaltung, detailreiche Schilderungen vom Gefaengnis und ausgezeichnete Fotos liefert: www.jopainneuseeland.wordpress.com

Level 18: One Tour to Guide Them All

Montag, 28.11.2011

Marion begleitete mich lachend zur Tuer des DeTox, sagte „go, get them tiger“, und liess mich mit der Gruppe Teenager allein. Sie gab mir ein „yeah“, ihr Lieblingswort mit solch reizender Betonung, dass es ein wenig wie das deutsche „leer“ klang. So begann er also, mein erster Auftritt als tourguide im historischen Napier Prison. Meine Kollegin, eine kritisch blickende Lady mit Chefsekretaerinnen-Flair namens Jonne, begleitete mich auf der einstuendigen Tour und sprang immer dann ein, wenn ich den Faden verlor oder Fakten ausliess. Die Niederlaenderin, die mich mal als Naaksprater bezeichnete, war aber am Ende von meiner performance ziemlich angetan. „You know all the facts. But make sure you don’t fidget too much with your stick“. Sie meinte natuerlich meinen coolen Wachtmeisterstock, der mein guard-outfit (inklusive Jacke, Muetze und schwerer Schluesselbund) vervollstaendigte.

Ich lud mein Lieblingspaerchen Jopa (derzeit vor Vege, Ausa, Dofl, Roma, Juju und Mipa) in mein Auto, packte meine beiden Lieblingsbriten Nick und Johnny dazu und fuhr mit ihnen die Gegend um Napier ab. Es war die erste Suche nach orchards, gigantischen
Plantagen, erkennbar an hohen Hecken und ebenso hohen Herrenhaeusern, die an Anno
1602 erinnern. Johnny scherzte auf dem Ruecksitz, gab seine Deutschkenntnisse zum Besten („Willst du fusseln? Titten stinken!“), waehrend der unansprechbare Nick auf dem Beifahrersitz seinen Blick starr auf die Strasse lenkte. Wir betraten Mr Apple, Appleland und so manch weiteren lustig klingenden Ort. Stets schickten wir unsere beiden natives voran, Johnny mit grossen Schritten und Nick eher zoegernd, liessen Lebenslaeufe zurueck und hofften immer bei der naechsten grossen Farm, dass dort ein Farmer stand, der uns mit den Worten „I‘ve been waiting for you guys“ empfangen wuerde.

Der magic moment ereilte uns auf einer einspurigen Bruecke, auf welcher ich erst in der Mitte erkannte, dass uns mit raschen Reifen ein Auto entgegen kam. Ich bremste ab, legte hastig den Rueckwaertsgang ein (der gelegentlich versucht, heraus zu springen) und fuhr zurueck zum Anfang der Bruecke. „That was completely new to me, too.” sagte ich. „And, you know, I grew up on a village.” Meine Lieblingsentschuldigung sorgte fuer Heiterkeit unter der Gemeinschaft und obwohl wir keinen Job fanden und lediglich chit chat hielten, hatten wir doch auffaellig viel Spass. Und selbst Nick konnte sich das ein oder andere Laecheln nicht verkneifen.

Level 19: Back to the Cape

Montag, 28.11.2011

Um noch einige Schatztruhen und zurueckgelassene items aufzusammeln, ging ich noch einmal zum Schauplatz des ersten bossfights vor 4 Wochen. Areta trug mich, Jonathan, Paula, Nick und Schwedin Malin zum Cape Kidnappers, dem Ort der wilden Wasserwucht und klaffender Klippen. Da Nick am Spaetnachmittag im prison wieder seinen Dienst antreten musste, traten wir wieder einmal gegen den Hauptfeind Zeit an. Das Vorankommen an den Klippen war hoechst beschwerlich, da Malin, ein liebenswuerdiges Ding mit ein wenig zu fuelligen Beinchen, uns sehr bremste. Ich erneuerte stets den Sonnenschutz, konnte aber nicht verhindern, dass ich am Ende des Tages wieder rote Stellen bekam, diesmal an einer Stelle, die nie zuvor roetete: Meine Fuesse, mit denen ich die meiste Zeit im Wasser watete. An der Touristenhuette kurz vor dem Ziel liessen wir Malin zurueck, die sich den Aufstieg zur Spitze nicht zutraute. Sie wachte ueber unsere Rucksaecke und Schuhe, und so erklammen wir nur noch zu viert den finalen Berghang. Es stellte sich als Schwachsinnsidee heraus, barfuss den Aufstieg machen zu wollen. Zwar wich ich den meisten Disteln aus, doch den scharfen fussschneidenden Steinen vermochte ich nicht zu entkommen. Auch Jonathan, der seine Schuhe ebenso bei Malin abgab, stoehnte hoerbar. Trotzdem gewann ich das Rennen zur Spitze, an dem selbst Nick teilnahm (zumindest so lange, bis er merkte, dass er keine Chance hatte) und oben posierten wir vor einer Myriade von Toelpeln (gannets), die uns keck ins Gesicht stanken. Beim Rueckweg blockte Nick, schritt so schnell es seine jandels erlaubten, voran, um Anschiss wegen Zuspaetkommens zu vermeiden. „Lass ihn“, sagte Jonathan. Ihr habt heute sehr viel Zeit miteinander verbracht. Der ist so etwas nicht gewohnt.“ Nach einem Moment der Pause fuegte er genau die Worte hinzu, die ich hoeren wollte: „Er wird dich garantiert nie vergessen“.

Lady Rachel aus Oregon stiess zur Gefangenenschaft und ihr verdankten wir es, dass wir, Da Hammer, beim Pubquiz endlich Anerkennung fanden. Es war zwar nur der dritte Platz, aber dass wir es den lifers beweisen konnte, stimmte uns schon gluecklich. Der Gewinn wurde in Alkohol, der Lieblingsbeschaeftigung der Briten, eingetauscht. Kein Vorurteil, denn bei all unseren Brits, bei Alex, bei Mark, beim kleinen Schotten-Nick, bei Johnny und selbst beim lone wolf, „meinem“ Nick, weiteten sich stets die Pupillen in Anwesenheit von Fusel. Liquor half bei meinem Unterfangen und mit dem Ausgang dieses Abends war ich hoechst zufrieden.

Level 20: Who Ya Gonna Call

Montag, 28.11.2011

Da wir in einem historischen Gefaengnis leben und die Einrichtungen der ex-inmates benutzen duerfen, galt es, einige Regeln zu befolgen. Dass die Duschen zwischen 9 am und 6 pm nicht benutzt werden durften, stoerte niemanden mehr, aber dass die Aussentuer der Kueche fuer zwei Tage abgeschlossen wurde, sorgte fuer gewisse Aufregung. Nosy tourists erlauben sich bisweilen einen Blick ins Innere und natuerlich konnten es die 15 Leute, die das prison bewohnen, nicht schaffen, eine Kueche kontinuierlich sauber zu halten. Ausserdem wurden von nun an die Vorhaenge des TV-rooms waehrend der Geschaeftszeiten zugezogen. Aus Affen im Kaefig wurde nun Affen im darkroom.

In der Nick-Problematik waehlte ich eine mildere Vorgehensweise und so erhielt endlich Daten aus seiner Vergangenheit (so lernte ich das schoene Nomen fling). Endlich gelang es mir, ihn fuer einem Karaoke-Abend im Red Carpet zu gewinnen. Greg und Malin gesellten sich ebenfalls zu uns und bald schon traten wir dem Problem entgegen, einen Song zu finden, der allen zusagte. Ghostbusters vereinte drei von uns und Nick’s Vorschlag, Toxic, verlangte Noten, die weit ausserhalb unserer Reichweite lagen. Ich sagte zur Musikmeisterin „sorry for this horrid performance“, doch sie laechelte nur, und ich war gleichzeitig froh, dass nicht viele Leute im pub waren, die unserer Kakophonie lauschen konnten.

Als im TV-room das Gespraech auf das Wort cabinet und folglich dann auch auf cabaret kam, mischte sich Neuzugang Petr ein und brachte einen Kommentar zu Liza Minnelli. Erstaunt sagte ich: „Hey, wait a second. No straight guy knows Liza Minnelli.” Ohne lange zu zoegern entgegnete der kecke Tscheche: „Who says that I’m straight?“  Eigentlich
haette ich es schon an seinem Glitzerkugelschreiber neben seinem Tagebuch erkennen koennen, das er staendig mit sich herum trug, aber ich war wohl in den letzten Tagen ein wenig zu sehr abgelenkt. Wird sich nun ein neuer Zeitvertreib auftun?

Level 21: A Change is Coming

Samstag, 10.12.2011

“You drink too much”, sagte ich zu Nick, nachdem er wieder einmal waehrend einer Episode Downtown Abbey eine Flasche Wein leerte. Ich haette sicherlich nichts einzuwenden, wenn sich sein Gemuetszustand zu meinem Vorteil verbessern wuerde, aber er blieb stets der gleiche Schwerenoeter, egal ob vor oder nach einer Flasche booze. „What does your mother say?“ – „She encourages me to drink“, entgegnete er frech.

Die fesche Franzoesin Elsa machte sich bemerkbar und schaffte es, von einem Moment auf den naechsten von mir gemocht zu werden. Sie sprach ohne zu denken, ihrer Aussprache war beizeiten schwer zu folgen (kein Unterschied hoerbar bei work und walk), doch sie war ein ideales Maedel fuer meine lehrerhaften Pflichten, die ich schon allzu erschoepfend bei Jonathan anwenden durfte.

Der tourguide-Job war ueberaus amuesant, besonders wenn man vor einer Bande von 11- und 12-jaehrigen sprechen konnte. Vor allem Geister und Todesfaelle schienen sie zu interessieren und davon gab es in den Gefaengnisgemaeuern nicht wenige. An einer Stelle wurde sogar ein Schild angebracht, das schwangeren Frauen und kleinen Kindern davor warnen soll, den graveyard zu betreten, da die Geister von Kereopa Te Rau, dem Eye Eater und anderen stehend begrabenen noch immer keine Ruhe fanden. Karla, das Kiwi-Aequivalent der deutschen Comedian Miriam Boes, leitete die Schnitzeljagd, die Scavenger Hunt und gemeinsam mit den Kids stuerzten wir uns ins Abenteuer.

Viele orchards in der Gegend um Napier, die ich mit Nick eines nachmittags anfuhr, waren vereinsamt. Da stand ein Maehwerk, ein John-Deere-Bulldog, die Haustueren waren meist offen und stellenweise kam man sich vor wie in einer Szene von The Hills Have Eyes. Huegel waren in Neuseeland keine Mangelware. Schuechterling Nick schickte stets mich voran, was mich veraergerte, da er es als native speaker sicherlich leichter hatte, mit den orchard owners ins Gespraech zu kommen. Zwar konnte ich mich stets hoeflich ausdruecken, doch so mancher Akzent war doch etwas zu schwer zu deuten.

Im prison wuerden bald schon einige inmates auf freien Fuss gesetzt werden: Michal und Petr sind mit ihrem thinning-job so sehr ausgelastet, dass sie kein research und tourguiding mehr betreiben koennen. Mit Petrs Weggang musste ich mir auch so manche Plaene aendern. Johnny, der mit meinem Findling Greg nun ein untrennbares Gespann bildete, wurde gekuendigt, da er zu viele Minusstunden aufwies. Natuerlich wird er von Greg begleitet und bald schon wuerden sie sich ihr Haus mit einem einem Alkoholiker teilen muessen, der selbst dem easy-going Johnny die creeps gab.

Level 22: Spanking the Monkey (Boss)

Samstag, 10.12.2011

Rage war der Name des zweiten Bosses, ein Redneck-Maori mit Tatoo-Armen, und um ihn zu besiegen, stuertzten wir uns zu viert in den Kampf, der schon kurz nach Sonnenaufgang startete. Man lockte uns in die gutbezahlte Falle und um ihr zu entkommen, galt es tausende Weinreben in der morgendlichen Kuehle zu umsorgen. Draehte, mit denen die Reben ummantel waren, galt es einen Level hoeher zu heben. Den ganzen Tag durchstreiften meine companions Jonathan, Paula und Nick mit mir den riesigen vineyard. Am Ende des Tages war das Biest noch nicht erledigt, wir dafuer umso mehr und vor allem unsere Haende wiesen Spuren der Draehte auf, die wir anhoben. Paula bekam Blasen (blisters), Nick zog sich einen Spaelter zu (splinter) und so hatte jeder etwas zu erzaehlen.

Am naechsten Tag ging der Kampf weiter. Die Draehte waren nun angehoben, sodass die Reben in die Hoehe wachsen konnten, aber an der Unterseite, unter dem „Knie“ der Pflanze wartete die naechste Herausforderung auf uns. Die Staemme galt es zu rubbeln, um Mitesser und Seitenaerme von der Rinde zu entfernen, die das Gedeihen der Pflanzen verhindern konnten. Indem wir die Staemme zwischen die behandschuhten Finger nahmen und auf und ab fuhren, beseitigten wir die kleinen Zweige so gut es ging. Jeder von uns spuerte es im Ruecken, denn die Haupt-Koeperhaltung bestand einfach in einer beugenden Position. Jonathan schien es nicht zu stoeren; er fand heraus, dass wir per Baum und nicht per Stunde bezahlt wurde und so rubbelte, bis die Handschuhe rissen und der Baum weinte

Schon bald wuerde ich einer Arbeit nachgehen, die an die segensvolle Zeit in Frankreich erinnert, aber bis es so weit war, sollte ich noch in Hawke’s Bay verweilen. Ich erzaehlte Nick davon und malte mir schon aus, wie er wohl darueber reagieren wird. Jonathan hingegen schien es zu bemerken, dass ich Nick (der von ihm gelegentlich „Mauli“ genannt wurde) ueberdurchschnittlich oft erwaehne. Ich sang ihm einen Auszug aus dem wundervollen Song I Won’t Say vor und beantwortete somit die ein oder andere Frage.

Die Ruecken schmerzten und das war noch nicht einmal alles. „Ich glaube, ich hab einen Arsch-Muskelkater“, sagte Jonathan. „Was heisst das auf englisch?“  - „I have no clue“, sagte ich, „but I can offer you a massage“. Erstaunlicherweise lehnte Jonathan ab und widmete sich sehr schnell wieder dem rubbing of the plants, wieder mit $ in den Augen.

Der  Gegner hinterliess neben einer akzeptablen Anzahl von Erfahrungspunkten einen gerade noch akzeptablen Mindeststundenlohn. Bonusmuenzen konnten durch Schnelligkeit verdient werden, denn schnelle Rubbelaktionen brachten uns einige wenige cent-Muenzen pro Weinstock ein.

 

Second Boss Vanquished!

Zeit: 02.-04.12.11

Soundtrack: Alejandro (sogar der gute Jonathan hoerte stellenweise mit)

Verbrauchte Leben: 1 (vom Manager zurechtgewiesen)

Anstrengung: ****

Gefahr: *

Distanz: -

Kosten: -

Companions: Paula, Jonathan, Nick

Schoenheit: *

Level 23: Acquittals Announced

Samstag, 10.12.2011

Obwohl Rage nur eine Marionette einer viel groesseren Macht war, unterlagen Jonathan und Paula im Kampf und so wurde unsere companionship schliesslich entzwei gerissen. Eine harte Aufgabe wartete nun auf Nick und mich, die das Gefaengis verlassen mussten, da wir dort unseren vertrauten Arbeiten nicht mehr nachgehen konnten. Auch unsere Freundschaft, die ich bis zu einem gewissen Zeitpunkt als friendship of convenience bezeichnete, warte auf eine Probe gestellt, an der sie beinahe zerbrochen waere. Alex verfasste mir ein Empfehlungsschreiben, in welchem ich durch so manche Adjektive charakterisiert wurde. Erlauben Sie mir, Ihnen einen Auszug zu praesentieren:

During his time here, Martin has had several roles and has performed admirably in all of them. Originally employed as a cleaner, Martin displayed an outstanding work ethic and excellent attention to detail. After recognising his talent for writing and languages, Martin then became a Script Writer/Researcher for us and produced very good work.  Furthermore, at his own suggestion, Martin became a Tour Guide at the prison. His enthusiasm and drive were key attributes as he went on to be a very proficient guide. Martin’s creativity and intelligence make him very adaptable and very useful team member. I would recommend him highly.

Als ich mir beim Abschied Zeit nahm, jeden verfuegbaren inmate zu umarmen, spuerte ich schon Nicks Groll, der bald darauf maulend im Auto wartete. This is the problem with getting attached to someone, when they leave, you feel lost und so sollte die Trennung von Jonathan die schwierigste im vorangeschrittenen Super Kiwi Island sein. A comrade joins, a comrade fights alongside, a comrade leaves, so der Ablauf, mit dem jeder Zocker vertraut war. Innerhalb von Momentenbruchstuecken dachte ich noch einmal an die Klippen des Bluff Hill und an die des Cape Kidnappers, an den Dinner im Hanging Yard, an meine Niederlage beim Billard, an Jonathans und Paulas Unterstuetzung im Erwerb von Areta und an all die geocaches, die von uns gehoben wurden. Hier nun zur Melodie von Memories ein paar memorable quotes von Jonathan:

„Sonst haette mich meine Menschenkenntnis wohl schon sehr im Stich gelassen.“

„Weisst du eigentlich, dass du richtig viel kannst?“

„Du hast eine tolle Art, mit Menschen umzugehen.“

„Aber nur solange wie Paula arbeitet. Sie wird naemlich schnell eifersuechtig.“

„Vor Neuseeland hab ich keinen von deiner Sorte gekannt und jetzt gleich drei auf einmal!“

„Du rasierst dich, wie du Billard spielst.“

„Jetzt kann ich endlich sagen, dass ich Weinstoecken einen runter geholt hab.“

„Und sind da jetzt Gefuehle da?“

Aufgrund des Jobs muessen er und Paula das Prison ebenfalls verlassen und so ging ich auf ihn zu, schloss ihn in die Arme und sagte: „Es sind nun sechs Wochen, mein Freund. Damit ist der Rekord von 39 Treffen, den ich mit Felix vor fuenf Jahren aufstellte, gebrochen“. – „Jetzt darfst du halt nirgendwo laenger als anderthalb Monate bleiben“, sagte er keck. „Until our next meeting“, schloss ich, drueckte ihn fester und konnte es nicht lassen, konventionelle Umarmungsnormen einzuhalten.

Auch Elsa wurde zurueck gelassen, die quirlige Franzoesin und erster Mensch, mit der Dreisprachigkeit funktionierte. Sie lud sich nach Bayern ein; wer konnte da nein sagen? Mit Rachel, der kleinen US-amerikanischen Journalistin, haette ich gern mehr Zeit verbracht. Sie war neben der Geisterkatze Basil das einzige Wesen, das aelter war als ich, und ich bewunderte ihren Elan, sich in die junge Bande einzugliedern. Ich hinterliess ihr das Buch Fall of Giants, 1000 Seiten Top-Unterhaltung, die sie schon in wenigen Tagen abschloss.

Nick, der es nicht noetig sah, sich zu verabschieden, draengte mich, loszufahren, um noch rechtzeitig in Hastings zu sein, da um 22 Uhr die Tore unseres neuen Zuhauses AJ’s Backpackers schlossen. „I’m only realistic“, grummelte er. Die typische Pessimistenantwort in Momenten des Zweifelns. Aber wie es einst schon ein Hesse treffend formulierte, komme ich mit ein wenig Glueck immer wieder durch und so erreichten wir schliesslich unser Ziel just in time.

Level 24: The City of Rotten Apples

Samstag, 10.12.2011

Apple Thinning verlangte wesentlich mehr als der vorangegange Bosskampf. Ausgeruestet mit unhandlichen Leitern bahnten wir uns den Weg durch doppel-mannshohe Baeume mit Zweigen, die unter dem Gewicht der Aepfel bereits stoehnen. Die Aufgabe war es zu verhindern, dass sich zwei Aepfel beruehrten und da der Baum nicht genug Lebenssaft fuer all seine fruchtigen Schuetzlinge aufbringen konnte, mussten viele Aepfel eliminert werden. Man zahlte nach Baum und schon bald begann ein unerbittliches Wettpfluecken, bei dem es nur Verlierer geben konnte. Nick sprach kein Wort, rief nur ein gelangweiltes „Maatin“, wenn ich zurueck blieb und untersuchte in freien Momenten seine schmerzenden Finger. Es war eine Zeit ohne Jonathan und Paula und fuer den scheuen loner Nick war es eine schwierige Pruefung, dauerhaft mit seiner Nemesis konfrontiert zu sein. Trotz aller Spannungen liess er sich den Nacken eincremen, nur um in den spaeteren Sonnenstunden den supervisor spielen zu koennen.

Hastings, der commercial hub of the region, das sich selbst auch auch als The Heart of Hawke’s Bay bezeichnet, kann es mit der schicken Architektur seiner Schwesternstadt nicht aufnehmen. Napier’s art-deco is resolutely low-rise – but you’ll find intact 1930’s streetscapes, which can provoke a ‚Great Gatsby‘ swagger in the least romantic soul. So schrieb es der Lonely Planet und so mancher Hausarbeitschreiber haette seine Freude an der Stadt mit der colorful history, die einst Zeuge von Neuseelands groesster Naturkatastrophe wurde. Hastings hingegen war die Stadt der Bauern, voller John-Deeres und sogar Deutz-Fahrs, sonnenverbrannten Backpackern, die in Hostels wie „The Rotten Apple“ unterkamen, die ihnen gleichzeitig auch einen Job beschufen, der in irgendeiner Weise einen Bezug zu den nahrhaften Fruechten hatte. Es gab keine Sehenswuerdigkeiten, lediglich Parks und hunderte Kreisverkehre, die so klein waren, das sie (zumindest von mir) fast uebersehen wurden; dazu gerade rechtwinklige Strassen mit schrecklich vielen Bremshuegeln und einige adrette Blumengestaenge in der Innenstadt. Daneben gab es noch ein Maislabyrinth, das aber zu dieser Jahreszeit keinen Besuch wert war.

Schweigsam wie immer ging Nick mit schnellen Schritten voran, den Blick dabei starr nach vorn gerichtet. Gelegentlich zeigte ich ihm, dass ich noch durchaus existiere und stupste ihn an, nur um dann ein mauliges „don’t do that“ von ihm zu hoeren. Da diese Spannungen langsam ueberhand nahmen, kuemmerte ich mich mehr und mehr um die anderen Backpacker des Hostels. Trotz intensiver Suche fand ich niemanden, der wusste, dass Liza Minnelli eine der wenigen Personen dieser Welt ist, die einen Oscar, Emmy, Tony und Grammy in ihrem Wohnzimmer-cabinet stehen hat. Ich wurde auf Flor und Mariano aufmerksam, als ich im Vorbeigehen ein mir bekanntes Trinkgefaess mit aufwendig verziehrten Symbolen sah. Darin steckte ein eiserner Strohhalm, der nicht bewegt werden durfte. „Ah, mate, la bebida nacional de Argentina“, sagte ich und lud mich in die Nachmittags-Trinkrunde ein. Sofort kam der grassy taste aus vergangen Zeiten wieder in den Sinn und natuerlich wollten die beiden wissen, woher ich mein Vorwissen nahm und so erzaehlte ich in stolperhaften Spanglish von las aventuras de mi agmigo del sur.

Level 25: Spiking Melodramatically

Samstag, 10.12.2011

Zur gleichen Zeit verharrte Schwerenoeter Nick im Zimmer, das wir uns mit vier weiteren Kerlen teilten. Ich sah Dutzende Dosen Bier auf dem Boden und so sparte ich mir eventuell aufkommende Fragen. Da wir fuer ein paar aufeinanderfolgende Naechte bezahlten, blieben wir in Hastings, der Stadt, fuer die Nick nur Verachtung fuehlte. Mir fiel ein Witz aus einer beliebten neuseelaendischen Improvisationsshow ein, der mir in einsamen Momenten zumindest den Ansatz eines Grinsens beschert: „I’m looking for somebody warm and funny. A recently dead clown perhaps“.

Waehrend eines Moments eingebildeter Heiterkeit war Nick ansprechbar und so konnte ich ihn zu einem Trip zum Te Mata Peak ueberzeugen. Als ich ihn mit Flip Flops (in Super Kiwi Island jandels genannt) und ohne Proviant antorkeln sah, wusste ich schon, dass wir beide wieder sehr unterschiedliche Ansichten teilten. Ich packte meinen Rucksack ins Auto, uebergab Nick die Karte, war dankbar fuer alles, was er sprach (was eigentlich nur ein left oder straight war) und folgte den roundabouts gen Sueden. Nick maulte, als ich in den ersten Parkplatz auf dem Te Mata Peak einfuhr, was bedeutete, dass ein weiter Weg bis zum Gipfel zu Fuss bewaeltigt werden musste. Oben in 400 Metern Hoehe ueberblickten wir das Gebiet um Napier, die Huegel des Hawke’s Bay, den Pazifik im Norden und Osten und wundervoll geschwungene Wanderpfade. Da sich Nick stets an anderen Stellen als ich aufhielt, kletterte ich schliesslich aus Trotz auf den Nachbarshuegel. Ich wusste, dass er nicht querfeldein laufen wuerde, wartete aber unter dem schattenspendenden Baum auf ihn. Ohne den Blick auf mich zu richten, lief er an mir vorbei, worauf ich ihn kurz darauf verlor.

Der Nature Trail fuehrte durch den Kern des hochgelegenen Parks, vorbei an Mountainbike-Routen, dichtbewachsenen Waeldern mit sonnenblockierenden Blaettern, die ich begeistert begruesste, bis zu Areta, neben der ein grimmiger Nick auf mich, den Schluesseltraeger, wartete. „I guess, we need to talk“, begann ich. Der melodramatische showdown des Te Mata Peak wurde in den Graesern des Besucherparkplatzes ausgetragen. Wenn ich durch die Erfahrung meiner 19 Jahren und einiger Episoden von Verbotene Liebe etwas gelernt habe, dann ist es wohl mit einem klaerenden Gespraech auf alle Unebenheiten einzugehen. Da Sie, mein standhafter Dauerzocker sicherlich nicht an Einzelheiten dieses zermuerbenden Wortgefechts interessiert sind, in dem wir durchaus gleichwertig waren – er der native speaker VS ich mit verletzten Gefuehlen und angebahnter Portion Zorn – lassen Sie sich gleich zum Ausgang begleiten. Nachdem Woerter wie tension, recoil, friendship of convenience und respect erschoepfende Anwendung fanden und auf einen Kompromiss eingegangen wurde, der keinen der beteiligten Seiten voll und ganz zufrieden stellen konnte, legten wir unsere dissention beiseite und beschlossen, ins Hostel zurueck zu kehren. „Just one thing“, fuegte ich am Ende noch hinzu und blickte Nick kampflustig an. „In order to show that we’re still friends: Give me a hug.” Ob sich auf des Schwerenoeters Gesicht ein Laecheln abzeichnete, vermochte ich nicht zu sagen, aber gern haette ich es geglaubt.

Level 26: We're Both Animals

Donnerstag, 22.12.2011

Die Morgenkuehle wehte um meine Waden, als Nick aus meinem Leben schritt. Die finale Unterhaltung klaerte die letzten Unstimmigkeiten, die unsere Verbindung in den letzten vier Wochen sehr strapazierte. "We're not that different, you and me", begann ich, waehrend ich den packenden Briten fixierte. "We're both animals. You're the cat whose purring's easily misinterpreted by the dog as a sign of-" Ich suchte nach dem passenden Wort, bis mir eines meiner Lieblingswoerter einfiel, das ich einst in einer Kurzgeschichte verwendete. "As a pugnacious sign", sagte ich. "Whereas the dog, which is me, whose wagging the tail might cross the cat. That's how it is."

Das Gespraech dauerte an, es wurden noch mehr Geschehnisse und Situation des Fehlverhaltens aufgezeigt. "I hate Hastings. It's the worst place I've ever been to in New Zealand", schloss Nick ab. Ich erkannte, dass nicht nur unsere verschiedenartige Sicht der Dinge eine Rolle spielte, sondern auch der undankbare Job des apple thinnings, das gesichtslose Arbeiterhostel und Tage des schlechten Wetters. Es war eine komplizierte Freundschaft, von der ich bis zum Gefecht auf dem Te Mata Peak annahm, dass sie nur eine friendship of convenience waere, eine, die mehr gab als nahm.

Schon sehr bald nach der Verabschiedung breitete sich das Gefuehl der Hoffnungslosigkeit in mir aus. Nick, das letzte Element, das mich in Hastings hielt, liess mich zurueck; nicht wissend wohin es mich verschlagen sollte. Noch am selben Morgen beschloss ich ebenfalls die Stadt zu verlassen und den suesslich-fauligen Geruch der orchards fuer immer hinter mir zu lassen. Ueber Reisekarten und dem Lonely Planet gebeugt versuchte ich, eine Entscheidung zu treffen, aber zu schwierig war es, die Gedanken zu ordnen, Vor- und Nachteile eventueller destinations abzuwaegen und verraeterrische Gefuehle zurueck zu halten. Gern haette ich sie alle in einen Sack gesteckt und eine halbe Stunde darauf mit einem Pruegel darauf eingeschlagen.

Level 27: Orcblood

Donnerstag, 22.12.2011

In den Tagen der Hoffnungslosigkeit verdunkelte sich der Himmel zunehmends und bitterer Regen tropfte in herber Spruehform auf die Erde. Ein kleiner, unauffaelliger Hollaender sprach mich an und so lauschte ich seiner nuechtern erzaehlten Geschichte ueber eine Sehnsucht nach Hamilton, dem Aufenthaltsort seiner Holden. Man sagte mir einst, nicht in diese Stadt zu gehen, da sie noch schlimmer sei als Hastings (ich denke, es war Nick, der dies erwaehnte). So kam es, dass wir zusammen das Hostel verliessen, Robbert, der mapmaster auf dem Beifahrersitz links von mir und ich am Steuer von Areta. Ich entschied mich, eine wenig befahrene Strasse nach Westen zu nehmen, die ueber eindrucksvolle Schluchten und gigantische Waelder fuehrte. Wieder einmal stockte der Atem, als ich erkannte, dass Neuseeland so viel mehr Huegel als meine bayerische Heimaterde aufbot. Waehrend der mehrstuendigen Fahrt sank das anfaengliche Aufkeimen von Froehlichkeit, denn wir erkannten, dass unser Zielort bei Regen praktisch unpassierbar war. Robbert erzaehlte von seinem unspektakulaerem Vorleben, von seinen studies of nature and forest conservation und auch ich berichtete ihm von all den noetigen Dingen, die man wissen sollte, wenn man mit mir fuer eine nennenswerte Zeit auf engstem Raum verbringt. Es wunderte mich nicht, dass der kleine Dutchman im Laufe der Fahrt zunehmend stiller wurde.

Der aelteste National Park des Landes, Tongariro, begruesste uns mit starkem Regen, doch die Besteigung der drei Vulkane war fuer die naechste Zeit bei weitem ausser Reichweite. Tief im Herzen der Nordinsel befindet sich eine der schoensten Wanderstrecken des Landes, das Tongariro Crossing mit teilweise sehr vertrauten Landschaften, die ich in einer bekannten Filmtrilogie schon erstaunen durfte. Ithilien, die Hochebene von Gorgoroth im Nordwesten Mordors und der legendaere Schicksalsberg, der weit hinter den Nebelschwaden verborgen lag. Es war mir unmoeglich, die Reise fortzusetzen, ohne zumindest den Fuss in diese geschichtstraechtige Gegend zu setzen. Die Zeit wird kommen, wo ich beim achtstuendigen Tongariro Crossing die Weltrettung vornehmen werde (an dieser Stelle sollte dem Leser gebannt der Atem stocken), um das Fortleben der Zivilisationen zu sichern. Robbert hielt von dem nichts, teilte aber meine Idee, zumindest eine zweistuendige Wanderung durch den Nationalpark mit mir zu unternehmen. Auf dem Taranaki Falls Walking Track, der wegen dem anhaltenden Regen ein arges Pfuetzenueberspringen wurde, konnte man gut nach der Stelle Ausschau halten, wo einst ein hobbitartiges Wesen gekonnt einen Fisch fing. Wir durchquerten dschungelartige Waelder, folgten dem Lauf der mittlerweile getrockneten Lava und kamen schliesslich an den eye-opener des Tracks, die tiefen Taranaki Waterfalls. Waehrend der Wanderung erkannte ich - und missbilligte zunehmend - Robberts Art, die des kleinen, bebrillten backpacker-untypischen Dutchmans, der fidel im Regencape voranschritt. Es war wohl in der Tat sein wasserdichter Anorak, den ich beneidete, denn der meine scheiterte in seiner Aufgabe, mich trocken zu halten. "Look, orcblood", sagte ich und zeigte auf die rote Verfaerbung im Graben, irgendwo in der Umgebung des Mount Doom, den man wegen der dichten Wolken nicht sehen konnte. Er warf seinen steinern-nuechternen Blick auf die Pflanzen und sagte: "This is soot. There has been a fire once". Es fiel mir schwer, seiner duerftigen Erklaerung zu glauben und beharrte weiterhin darauf, dass hier einst eine grosse Schlacht stattfand.

Level 28: The City of Ubiquitous Water

Donnerstag, 22.12.2011

Einst traf ich eine Paerchenschaft - die angenehmste seit Jopa - und ein Mitglied erzaehlte mir, dass ich auf meiner Queste alles richtig mache. Das gefiel mir, da ich stellenweise tatsaechlich das Gefuehl hatte, die Kontrolle ueber mein neuseelaendisches Schicksal zu verlieren. In diesem chit chat wurde wieder das universelle Thema angeschnitten, das alle Backpacker gleichermassen verbindet: Geld und die damit verbundenen Kostenfragen. Es war einfach unvermeidbar. Die beiden reisten durch das Land, ausgeruestet mit Rucksack und Zelt, welches sie sich zulegten, nachdem ihr Auto vom Motorschaden hingerafft wurde. "Ist aber auch schoen, im Zelt zu schlafen", sagte ich. "Trotzdem musst du vielerorts bezahlen", meinte der namenlose Zeltbesitzer, "selbst hier im Garten vom Hostel muessen wir zwei Drittel vom vollen Preis zahlen". Gern haette ich auch diesen Adventure-Flair gespuert - wildcamping, veraergerte Bauern, sandflies und die immerwaehrende Suche nach einer Dusche.

Nach stundenlangem Fahren durch die Nacht erreichten Robbert und ich Taupo, die Stadt am groessten See des Landes. Mit 600 Quadratkilometer ist Lake Taupo ein vorzeigbares Paradis fuer Wassersportbegeisterte, aber aufgrund des immer noch anhaltenden Regens war er eher lau besucht. Taupo behauptet von sich, die Adrenalinhauptstadt der Nordinsel zu sein, die mit Bungy Jumping, Rafting, Diving und Skydiving die Kunden umwirbt. Das Wetter verhinderte Letzteres und zudem war mir nach dem Abschied von Robbert, der von Taupo aus mit hitchhiking seinen Weg finden wird, nicht nach grossem Adrenalin-Abenteuer. Stattdessen machte ich mich auf eine Queste, die eher meinem Geschmack entsprach: Eine nachmittag-fuellende Wanderung zu den Huka Falls, die ich dann bis zu den Aratiatia Rapids ausweitete. Diese Stunden zwischen mir, der botanischen Schoenheit der Natur und dem gelegentlichen Passieren von anderen Wanderlustigen gab mir Zeit ueber verschiedenste Dinge nachzudenken. Meine Gedanken kreisten bevorzugt um ein einschneidendes Ereignis in der juengsten Vergangenheit ("We shall never meet again"), aber trotz allem war ich ansprechbar fuer entgegenkommende, frohmutige Backpacker. Oftmals sind sie leicht erkennbar, manche traf ich am Vorabend und sah sie nun wieder, mit der Freundin im Arm und mit anderen Augen. Ein weiterer Dutchman, dieser tief-blauaeugige Gyllenhaal-lookalike und sogleich korrigierte ich meine Statistik: Zwar sind Deutsche noch immer das vorherrschende Volk in Neuseeland, aber die Anzahl der Briten in meinem Bekanntenkreis aenderte sich nun zugunsten der Hollaender.

Auf der Strecke zu den Huka Falls holte mich die Nahrungsknappheit ein. Ab und zu kaute ich an einem Grashalm oder leckte ein Blatt, das dank des leichten Regens ueppig mit Wasser betroepfelt war. Ich erkannte endlich, dass nun endlich deutsch-freie Tage anbrachen, zumindest den aktiven Gebrauch betreffend. Man hoert immer noch ein "Alter" oder ein "nee, ne" im Vorbeigehen, denn waere dem nicht so, so waere dies nicht Malle-NZ. Mir fiel auf, dass schon ein Drittel des Abenteuers beendet war und das meine Reise vom Umfang her in etwa die gleiche ist wie die des Halblings, der vom 23. September 3018 bis zum 25. Maerz 3019 des Dritten Zeitalters auf den Wegen Mittelerdes unterwegs war.

Level 29: Muddy Mount Tauhara

Donnerstag, 22.12.2011

Von der Uebernachtung im Auto versprach ich mir so manche Vorteile, aber dennoch blieb ein weiterer Weg ins Badezimmer, naemlich eine der oeffentlichen Toiletten von Taupo. Spaeter fand ich das superloo, ein praktischer Ort, der auch mit einer Dusche ausgestattet war. Bevor ich mich auf meine naechste grosse hiking-Reise machte, ruestete ich meinen tragbaren Vorratskoffer mit Proviant aus dem guten und billigen Pak n Save aus. Noch sind mir sandwiches (mmmhh, peanut-butter) nicht ueberdruessig; einzig mein Koerper sehnt sich nach den ein oder anderen pflanzlichen Ballaststoffen. Der Regen verstaerkte sich und nun kann ich die Seestadt Taupo einzig mit einer wasserreichen Atmosphaere in Verbindung bringen.

Am Fuss des Mount Tauhara, der sein Haupt weit hinauf in eine duestere Wolke steckte, traf ich auf drei weitere Backpacker, darunter zwei Maedchen, die sich tatsaechlich die Besteigung eines Berges unter unwirtlich-feuchten Umstaenden zutrauten. Durch den Taranaki Falls Walkway lernte ich, dass wet weather gear unabdingbar ist und so machte ich mich mit meiner Regenjacke und den drei unerschrockenen Deutschen auf den Weg zur Spitze des Mount Tauhara. Caro, eine Medizinerin, die mich wegen des Klangs ihrer Stimme und ihrer rauhen Entschlossenheit stark an meine Femmelette erinnerte, war die meiste Zeit durch Anekdoten aus ihrem Medizinstudium und Abenteuern in Australien hoechst praesent. Der Aufstieg war berguntypisch, da wir sehr bald dichte, dschungelartige Buschgebiete betraten; weite Farne, von denen das Wasser triefte und Baumstaemme und Zweige, die es zu greifen galt, um Pfuetzenabhaenge zu ueberwinden. Matsch frass sich durch die Schuhe, besudelte die Socken und Waden, Feuchtigkeit drang in die Hosen und mir wurde bewusst, dass ich an diesem Abend neben einer Dusche auch eine Waschmaschine benoetigte. Caro belehrte uns mit ihren Eindruecken ueber Neuseeland, das neben Natur eben nur mehr Natur bieten kann. "Das Land ist viel zu jung, als dass es eine eigene, tiefe Kultur haben kann. Und ich meine hier nicht nur Architektur und Literatur, sondern auch die Esskultur fehlt. Schaut euch die ganzen Fish and Chips Restaurants an und euch wird klar, was ich meine." Sie spielte auch auf die Maori an, fleischige und toughe Menschen, die mit Pseudo-Kultur an die Touristen verkauft werden. Nach dem nassen Aufstieg erreichten wir die Spitze des Berges - stolz schritt ich voran - nur um erkennen zu muessen, dass der Ausblick bei plus/minus 1 Meter war. Watteartig strichen die Wolken an uns vorbei, spruehender Regen und kuehlende Winde umfingen uns von allen Seiten; ich unterdrueckte den Drang, in das sicherlich weiche, schwebende Wattemeer zu springen, positionierte fuer einige Fotos und wagte mit den anderen den Abstieg ins ebenso nasse Tal.

Das Blackcurrent Backpackers ueberzeugte, doch dies wusste ich schon beim check in, als ich in der BBH-Statistik von einer Bewertung von 87 % las, also praktisch von der Qualitaet von "Avatar". Korbinian stellte sich mir in den Weg, ein Beinahe-zwei-Meter, der mich anhand meines Sprechens schon nach kuerzester Zeit als Augsburger erkannte. Anhand seiner Frisur und den intelligenten Gesichtszuegen erkannte ich sofort, dass ich nun jemanden entgegentrat, der den feinen Kuensten nicht abgeneigt war. So bot ich ihm folgendes an: "Du hast 10 Minuten zu entscheiden, ob du mit mir zur Hot Spa Thermal Area kommst. Decide-toi." Damit es nicht zu schroff klang, endete ich den Satz mit einem Laecheln. Taupo, die nasse Stadt, bot so manche Attraktion fuer seine Touristen und die heissen Quellen am Rand zogen nicht wenige von ihnen an. Nach einer kleinen Irrfahrt durch die Stadt, auf der mein Beifahrer leicht ungeduldig wurde, erreichten wir schliesslich in den Abendstunden den heilenden Ort, hatten Glueck und teilten uns einen Pool mit nur einem Menschen, natuerlich ein Deutscher. "Das ist Schicksal", sagte Korbinian, als er sich in den dampfenden Wassern zurueck lehnte. Um ihn herum blubberte es aufgeregt. "Du bist mein Joker des Tages. Nein, der Woche!" Gerade im Regen erreichten die Quellen ihre volle Pracht und gern waere ich laenger darin geblieben, aber Korbinian draengte, da die Parkplatzschliessung nahte und wir unseren Weg ins Hostel finden mussten.

Level 30: Getting Into Beethoven

Donnerstag, 22.12.2011

Nicht die Dusche oder die Kuechenausruestung waren es, die die Uebernachtung in einem Hostel rechtfertigten, sondern die Moeglichkeit des menschlichen Kontakts. Korbinian erfuellte seinen Zweck und ich freute mich sogar, dass er darueber hinaus eine zugegebenerweise kindliche Angewohnheit teilte: Auf einem Abenteuerspielplatz Puzzle World warteten diverse Minispiele auf uns. Die wenigsten waren so aufregend wie beispielsweise Hot Bob-Omb oder Kartastrophe aus den Mario Party Spielen, verlangten diese Denkspiele aber auch eine gewisse Zeit, um geloest zu werden. "Ein idealer Ort fuer einen Klassenausflug", sprach ich meinem Herzen vor. Ich hoffte, dass der Ausflug in einigen Jahren nach meinem Referendariat vom Direktorat genehmigt wird. Das Highlight bot das Giant Maze, ein Labyrinth unter regenbeladenem Himmel. Tief in den Innereien der verwinkelten Gaenge sollten Aufgaben geloest werden, die den Geist von Geisteswissenschaftler und Politologe stark forderten. "How many eyelids does a camel have?" In dieser Zuordnungsaufgabe schwankten wir zwischen 3 und 300, wo wir zu spaet erkannten, dass eyelids keine Wimpern (eyelashes), sondern in der Tat Augenlider waren.

Auf unseren Touren hoerten wir so manche klassische Musik im Radio. Vor allem Beethoven hat es Korbinian angetan. Als Oboist hat er sich niemals an die meisterhafte Mondscheinsonate am Klavier gewagt, dessen erster Satz das Main Theme des SNES-Klassikers The Adventures of Dr. Franken war, aber es war vielmehr der dritte Satz, der die Meinungen teilte. Fuer mich klang sie schon immer wie klassische Endkampfmusik, die ertoenen soll, wenn ich dem Obermotz von Super Kiwi Island entgegentrete (falls es ihn gibt), fuer Korbinian klang sie mehr wie leidenschaftliche Aktivitaet in Hinterstuebchen. Das Radio spielte auch Beethovens Achte Symphonie, die kuerzeste und am wenigsten bekannte, die Korbinian ziemlich bald mitsummte und von der er mir stolz den Hintergrund beleuchtete.

Da fuer mich die Zeit des Weiterreisens gekommen war und ich dem Fahrradfahrer seine eigenen Pisten ziehen lassen sollte, verabschiedeten wir uns auf dem Parkplatz des Pak n Save in Taupo, nachdem ich ihm vergeblich half, eine Flasche Wein zu kaufen. Da der 23-jaehrige keinen neuseelaendischen Ausweis mit sich fuehrte und der europaeische Reisepaess nicht akzeptiert wurde, bat er mich, der bei Weitem nicht mehr wie ein frischer 18-jaehriger aussieht, den Wein zu kaufen. "I'm sorry, that is not possible", sagte die Verkaeuferin. "I can't accept this because you might share with him". Das Gesicht Neuseelands hinsichtlich Alkoholkonsums ist mehr als two-faced: Zwar gibt es liquor ban areas in jeder Stadt, dafuer gab es aber auch genug Laeden wie Liquor King, die jeden Kunden egal welcher Altersklasse akzeptierten. Hier fand Korbinian schliesslich auch die begehrte Flasche fuer sein Dinner. "Good bye. Es war wirklich angenehm mit dir. Und das sag ich nicht zu jedem" war das letzte, das ich von ihm hoerte. Ich bewunderte sein Vorhaben, das Land mit dem Fahrrad zu bereisen, was derzeit aufgrund der feuchten Umstaende sicherlich nicht immer angenehm ist.

Level 31: The City of Sulphur

Donnerstag, 22.12.2011

Nicht weit von Taupo befand sich Rotorua, die Stadt der geothermalen Aktivitaeten, die sogar mit gelegentlichem Sonnenschein punktete. So mancher Backpacker erzaehlte von der stinkenden Stadt im Schatten der Actiongegend um den Lake Taupo, aber ich war neugierig auf den Flair. Der Lonely Planet schrieb: Despite the ubiquitous (Wort der Woche) rotten-egg odour, the 'Sulphur City' is one of the most touristed spots on the North Island and a perennial favourite with backpackers. Die Erkundung der Zentrums der 76.000-Einwohner-Stadt schloss ich an einem Nachmittag ab, inklusive dem Lauschen des Floetenspiels einiger suedamerikanischer Immigranten. Es zog mich auf den Mount Ngongotaha, eine nicht allzu hohe Erhebung ausserhalb Rotoruas, der von Touristen weitgehend unbeachtet blieb. Auf dem Jubilee Track des Fantastic Free Forest Nature Walk traf ich niemanden; der matschige Weg zum Gipfel bot leichte Herausforderung und der Gipfel selbst bot rein gar nichts. Umwachsen von Baeumen und mit einer unansehnlichen Wetterantenne ausgestattet, konnte ich es kaum erwarten, wieder zum Ausgangspunkt zurueck zu kehren. Ich passierte Informationstafeln wie "Flabbergasting Flowers" oder "Dearly Departed", die botanische Besonderheiten aufzeigten und dabei den Wortschatz erweiterten.

Showers, some heavy with isolated thunderstorms, outbreaks of rain, possibly thundery falls early on, scattered showers with gales...

Im ganzen Land tobt der Monsun, der unter anderem in Nelson auf der Suedinsel schwere Schaeden anrichtete. Eine Nachricht, die es vielleicht sogar bis in die Tagesschau geschafft hat. Es tobte ein kundenvergraulendes Wetter, als ich im Agrodome ankam. "You're the first costumer today", sagte man mir. "Somewhat surprising, eh?", sagte ich und wollte damit wie ein Kiwi klingen. Ich zahlte den Preis, der mir schon bald bestaetigte, warum ich der einzige Kunde war, aber ich wollte Neuseeland nicht verlassen, ohne diese Aktivitaet durchgefuehrt zu haben. Der truck fuhr mich auf den Huegel, ich wartete, bis die elastische Kugel knietief mit Wasser gefuellt wurde und nachdem ich mich fuer die zig-zag-Strecke entschieden hatte, konnte das zorb-adventure starten. Es gefiel, gerollt zu werden und in der Kugel Purzelbaeume zu schlagen; ein sehr kurzweiliger Spass und ein must-do fuer alle Backpacker mit Plan.

 

Level 32: The Pulsating City of Tauranga

Donnerstag, 22.12.2011

Einsame Doerfer saeumten den State Highway, Huegel und einspurige Bruecken schossen am Fenster vorbei und immer wieder durchfuhr ich Weiler mit maorisch klingenden Namen. As a matter of fact, praktisch alle Gegenden, Orte und Fluesse dieser Insel tragen maorische Namen, darunter einige sehr lange, aber wegen der gesunden Anzahl an Vokalen blieben sie stets wohlklingendend. Einzig die grossen Staedte des Landes klangen englisch. Tauranga bildet in dieser Weise eine kleine Ausnahme, denn die pulsierende Stadt am Pazifik war die bislang groesste meiner bisherigen Reise seit Wellington. Ich fand mich in einer stark anwachsenden, hauptsaechlich industriellen Stadt mit boomendem Hafen wieder, die auch das Surfer-Paradis des Landes repraesentiert.

Der Hauptort des Bay of Plenty zog wegen den heavy outbreaks of rain nicht zu viele Touristen an. Der Waikareao Estuary Walkway fuehrte ueber die interessantesten Gegenden, ueber tiefgruene bis steg-hoelzerne Pfade, doch vielmehr die Bezwingung des Mount Maunganui, der eigentlich nur The Mount genannt wird, versuesste meinen Tag; ein Berg, der mich 220 Meter dem Himmel naeher brachte. Es regnete nicht mehr zu stark; die gigantische Giesskanne, die mich seit fast einer Woche verfolgte, wurde mit einem Sprueher gekoppelt und so empfing ich eine dankbare Abkuehlung auf dem Weg zum Gipfel. Der interessanteste Aspekt des Mounts ist sicherlich seine Lage: An der Spitze einer Halbinsel, des Stadtteils Mount Maunganui thront unerwartet das Wahrzeichen der Stadt. Eine irrwitzige Kombination aus Wald, Strand, Kluft und kuenstlichem Riff findet sich am selben Ort. Seit ein paar Tagen schmerzt mein Knie, denn zu viele Strecken in die Hoehe wurden in letzter Zeit zurueck gelegt und nicht in jeder Nacht fand ich gleichermassen Ruhe.

Level 33: In a Hole in the Ground

Donnerstag, 22.12.2011

In a hole in the ground there lived a hobbit. Not a nasty, dirty, wet hole, filled with the ends of worms and an oozy smell, nor yet a dry, bare, sandy hole with nothing in it to sit down on or to eat: it was a hobbit-hole, and that means comfort. So begann 1937 ein wegweisendes Werk, das noch vor Weihnachten 2012 im Kino zu sehen sein wird. Nahe der Stadt Matamata, auf einer Schaffarm der Familie Alexander wurde das beruehmteste Filmset des Landes errichtet, das nur mit einer Tour zugaenglich war. An jenem kuehlen aber trockenen Dezembertag schloss ich mich der Tour an, setzte mich in den Bus und liess mich nach Hobbingen (Hobbiton) fahren. "If you wanted to be a Hobbit", began die Fahrerin waehrend der viertelstuendigen Fahrt zu erzaehlen, "you had to meet two requirements: Firstly, you must not be taller than 1.63 m and secondly, you had to have a broad smile". Auf diese Weise fanden sich hunderte Statisten, die in der Filmtrilogie fuer Sekunden zu sehen waren. Noch heute geniesst der Proudfoot-Hobbit regionale Beruehmtheit.

Bis vor einem Monat dauerten die Dreharbeiten von The Hobbit - An Unexpected Journey auf der Farm an, fuer die das Auenland aus den Herr der Ringe-Filmen from scratch neu aufgebaut wurde. Somit sahen wir, anders als die vielen Touristen, die das Set vor Jahren schon besuchten, nicht nur gruene schafige Huegel, sondern tatsaechlich existierende runde Tuerchen mit vielen fake-Pflanzen und detailreicher Ausstattung. Vor 12 Jahren bestand das Set aus 17 Hobbithoehlen und Peter Jackson wusste, wenn er jemals nach Hobbingen zurueck kehren wuerde, um den Hobbit zu filmen, so wollte er ein groesseres Set erbauen. Aus diesem Grund wurde Hobbingen auf 42 Hoehlen ausgeweitet und da die Reise von Bilbo Beutlin zum Einsamen Berg 60 Jahren vor dem Ringkrieg spielt, musste so manche Einzelheit verjuengt werden, unter anderem die Eiche auf Beutelsend, unter welcher einst Gandalf und Bilbo sassen und Pfeifenkraut rauchten. "In the movie, they look into this direction to see the sunset", sagte der tourguide Benjie und deutete mit seinem Arm ueber den Huegel. "Actually, the sun would set here", sagte er und zeigte in die entgegengesetzte Richtung. "To obtain a Middle-earth sunset, they filmed a New Zealand sunrise". Er fragte in die Runde, ob jeder die Filme kannte. Einstimmung johlte ihm die Menge entgegen. "I'm just asking because around 35 % of all those who join the tour have never actually seen the movies. They merely come here to make their friends and family jealous."

Alles sah erschreckend echt aus; die Briefkaesten, die nur aus einem Block Holz bestanden; das Moos auf den Zaeunen, fuer das eine Jogurtmischung verwendet wurde und die Baenke, die im verkleinerten Massstab gebaut wurden, um Gandalf groesser wirken zu lassen. Gern haette ich mich fuer einige Momente auf diesen geheiligten Boeden nieder gelassen, aber der tourguide, der selbst ein wenig wie ein Hobbit aussah, draengte die Gruppe, weiter zu laufen. "In order to prevent complaints from die-hard Tolkien-fanatics, Peter Jackson made 'plant' some English beeches and plum trees as they were written in the book. Yes, he wanted to have an authentic atmosphere", sagte Benjie. "Better safe than sorry, eh?"

Alles begann mit einer Idee. Fuenf Weihnachtskarten wurden an die Lieben geschickt, mitfiebernd, gesegnet und die treuesten ihrer Art. Und drei Abschiede wurden den Menschen gegeben, die vor allen anderen mein Abenteuer beeinflussten. Auch in Neuseeland gab es Weihnachten, das uns anregt, ueber bestimmte Dinge und Menschen nachzusinnen. Allen Lesern und Dauerzockern von Super Kiwi Island ein frohes Fest!

Level 34: The City of Love

Sonntag, 01.01.2012

Vorbei waren die Zeiten der schnellen Stadtbestaunung, der Autonaechtigung, der Regenwucht, denn als ich Te Aroha erreichte, den suedlichen Eingang in die Coromandel Halbinsel, wusste ich, dass nunmehr ein neues, erfahrungsbereicherndes Kapitel aufgeschlagen wurde. Glaubt man einer lokalen Maori-Legende, so bestieg einst ein breitschultiger Krieger den Berg und sah in der Ferne seine Heimat. Sogleich wurde er von einem tiefen Gefuehl der Liebe (aroha) uebermannt und fortan ward die Stadt am Fuss der Erhebung Te Aroha genannt. Derzeit zaehlt sie etwas mehr als 4.000 Seelen, bot einige sehr breite Strassen, gigantische Parkmoeglichkeiten und einen sehr angenehmen Park mit dem simplen Namen "Domain".

Nur ein paar Farmen abseits des Ortes verbarg sich der Te Aroha Holiday Park - Anna's Cottages und genau dort empfing mich jene Anna, mit der ich schon seit einiger Zeit in Kontakt war. "Wow, you're tall", sagte sie und blickte zu mir auf. "And you're quite short", witzelte ich, als ich auf meine Chefin blickte und gleichzeitig all die neuen Eindruecke auf mich wirken liess. Ihr schweizer Akzent liess sich auch nach mehr als 20 kiwibeladenen Jahren nicht verbergen. Die Kuhglocke im Buero, die Flagge mit dem weissen Kreuz am Parkeingang und die Namen einiger cabins und cottages auf dem Gelaende verrieten ihre alpine Herkunft. Ich erforschte den Park, fand mehr als ein Dutzend Haeuschen und Caravans mit melodischen Namen wie Rifleman, Poppy, Apple, Possum, Acorn, Pfupf oder Edelweiss, lud mein Gepaeck in das lilafarbene Peacock und freute mich ueber ein fertig bezogenes kingsize bed, das neben einem gut funktionierenden Fernseher stand. Es waren die noetigsten Programme darauf und da Neuseeland ja ein outdoor country war, verwunderte es auch nicht, dass die meisten Programme unterdurchschnittle Unterhaltung lieferten. Morgens lief teleshopping neben Kinderstund', doch manchmal hat man Glueck und stiess auf Rockos modernes Leben, das, wie der gebildete Zuschauer weiss, manchmal voll daneben ist.

Meine erste Aufgabe als cleaner fuehrte mich auf das Dach des Tea Houses, das der Schmutz der Zeit schwarz-rot faerbte. Wegen der Hoehe, der Hitze der Sonne und der Gefahr abzurutschen war die Saeuberung bis zuletzt eine heikle Angelegenheit. Ich schluepfte in einen roten Overall ("you look like Santa"), zog die Schuhe aus, um besseren Halt zu finden (und kippte stets Wasser auf das Dach, damit das heisse Holz mir nicht die Fussunterseite verbrutzelte) und schrubbte, bis die Spaelter flogen. "Don't think that I send all my workers on their first day on the roof", schalt es von unten. Es machte mir nichts aus, mich an die Schraege zu klammern, denn ich sehnte mich nach ein wenig Abenteuer und wenn ich es auf dem Dach des Tea Houses finden sollte, so wuerde ich es mit Freude begruessen.

Fuer solche, die gern sidequests hinterher jagen:

www.tearohaholidaypark.co.nz/ Annas Angebote

www.jopainneuseeland.wordpress.com Jopas Enthuellungen

Level 35: Dreamlike Resonances

Sonntag, 01.01.2012

Subaru war selbst fuer Japaner ein eigenartiger Name, doch so hiess der co-cleaner auf dem Gelaende, der wie ich ein Urlaubssemester einlegte. Mit dem runden, schwarzen Haarknoten am Hinterkopf sah er dem Bild eines Sumos recht aehnlich, nur fehlte ihm neben dem noetigen Gewicht der grimmige Nick-Blick. Er laechelte haeufig, blieb stets hoeflich, selbst wenn er kein Wort von dem verstand, das um ihn herum gesprochen wurde. Seine Englischkenntnisse waren noch im Entwicklungsstatus, aber nach ein paar Wochen listening comprehension mit ihm wird er zum upleveln bereit sein.

Eines Nachmittags fiel mir sein bemerkenswertes Talent auf, das er leider zu selten zur Unterhaltung der Gaeste einsetzte. Er brillierte am Klavier; seine Version von Debussy's Clair de Lune war zu jeder Stunde absolut hoerenswert, aber natuerlich waere er kein Japaner, wenn er nicht die ein oder andere Melodie spielen konnte, die auch mein Herz in Ekstase versetzt: Heavenly Flight, eines der Leitmotive des Action-Adventures Dragon Quest VIII - Journey of the Cursed King hallte ueber das Gelaende und verleitete Vorbeigehende zum Traeumen. Er wuerdigte auch mein Gespiel und selbstverstaendlich erkannte er die schoenste Anordnung von Cm, F#, Fm und G, die je das Gehoer verzauberten, als ich das beruehmte Castle Theme spielte. Besucher blieben stehen und lauschten zu den Klaengen von To Zanarkand, einige applaudierten und ich selbst staunte, wie viele Stuecke ich doch auswendig und mit einer geringen Anzahl an Fehlern wiedergeben konnte.

Te Aroha scheint von Weihnachten nicht so sehr eingenommen zu sein, wie die Staedte, die ich in der letzten Woche besichtigte. Kein Get more christmas for less - warehouse - where everyone gets a bargain, ein guter Slogan, um die Kiwi-Sprache zu lernen (mo: for le:s), und auch kein Pak n Save, McDonalds oder irgendwelche freebies. "But what can you do in this area then?", fragte ich im i-site nach. "Walking, walking, walking". Im Hintergrund ragte Mount Te Aroha auf, der baldige Bosskampf. Bevor ich mich an die Besteigung wage, galt es noch einen Gefaehrten zu finden und die noetigen items zu besorgen.

Der Jacuzzi wurde durch meine Haende entgruent und auch die beiden groesseren Pools lockten bald schon schreiende Kinder an. Noch immer passierte es, dass ich auf dem Gelaende den Ueberblick verlor, da die cabins nicht wie eine Haeuserreihe nebeneinander gebaut sind, sondern huebsch verteilt auf der grasigen Flaeche lagen. Im Zentrum war die Gemeinschaftskueche, die von solchen, die keine Kochgelegenheiten in ihren cabins hatten, genutzt wird. Ganz in der Naehe waren der Computerraum und das Piano. "You Must Love Me", sagte ich zu Subaru, und drehte mich mit erwartungsvollen Augen in seine Richtung. "Why?", fragte er etwas perplex. "Haha, that was the title of the piece I was playing. It's an excerpt of a musical," erklaerte ich ihm dem kleinen Japaner. "What is musical?" Wieder wurde mir bewusst, aus welch unterschiedlichen Gegenden der Welt wir beide entstammen, und eine Lektion in interkultureller Kommunikation entfesselte.

Level 36: The Festive Scent of Freshly Mown Grass

Sonntag, 01.01.2012

Es sollte etwa 30 Bewerber auf die Stelle, die ich seit einer Woche inne hatte, gegeben haben, berichtete Anna, als wir Poppy fuer Gaeste herrichteten. Ein ungleiches tahitisches Paerchen (er war weiss, sie ziemlich unweiss - wie geht das denn?) wartete darauf, sich darin ausbreiten zu koennen. "And one of the reasons I picked you, was the fact that you speak French". Und natuerlich weiss man, dass diese headstrong, yet likeable grand nation es meist befuerwortet, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden. Und natuerlich lieben Kiwis ihre Sprache ebenso. Ich erfuhr von den aergerlichsten Woertern in der englischen Sprache, von "whatever", von "you know" und wunderte mich, dass das allseits beliebte "like" eventuell doch nicht so beliebt war, wie es schien. Man hoert es staendig wie in "I was there for like an hour or two".

Waehrend sich meine fellow-backpackers in den sandigen Duenen jenseits der Gebirgskette im Osten raekelten, verbrachte ich den Hl. Vormittag mit Rasenmaehen im Holiday Park. Eine aggressive Angelegenheit, denn das Geraet biss von selbst ins Gras und fuer den Antrieb war wegen Handgas nicht einmal besonders viel Kraft noetig. Ich erinnerte mich an unsere Rasenmaeher in Graisbach, von Schafen, die es in Super Kiwi Island haeufiger gab, als Schildkroeten in einem Super-Mario-Spiel, aber auf dem Terrain des Holiday Parks grasten, wenn ueberhaupt, nur gelegentlich Katzen. Abends folgte die Bescherung im von mir gesaeuberten Tea House. Anna schenkte mir Shampoo, als ob sie wusste, dass ich in der Dusche gelegentlich die Handwaschpaste nahm, und sorgte fuer die die hungrigen Maeuler mit einem ueppig-fleischigen Mahl und einem brandy-reichen Dessert, dem bislang leckersten, das mir am Ende der Welt in den Mund gekommen ist. "I've been doing this for 21 years now", sagte sie, als Subaru und ich in der Kueche mit dem Abwasch beschaeftigt waren, "and it's the first time that we're having an intelligent conversation". In der Tat sprachen die Maenner im Tea House viel ueber Wirtschaft und aktuelle Politik. Subaru, der wegen seines Wortschatzes in keinster Weise folgen konnte und ich, der wegen des Desinteresses an solchen Themen in keinster Weise folgen wollte, zogen uns dankbar zurueck.

Noch bevor sich der Christmas Eve dem Ende neigte, griff ich den kleinen Japaner und fuhr mit Areta in die nahegelegene Anglican Church zur Vigil. Es gefiel mir, selbst den Kirchenfuehrer spielen zu duerfen und nach sieben Methodistengottesdiensten in diesem Deutschland-Sommer endlich wieder hyms hoeren und der ruhigen Stimme eines Priester lauschen zu duerfen. Die schoensten Lieder waren in englischer Sprache und die allerschoensten erklangen zur Weihnachtszeit. Wir verfolgten den service im Programmheft, sangen O Come, All Ye Faithful, Silent Night, Joy to the World und das Vater Unser in einer ungewoehnlichen Melodienfolge. Gegen Ende folgten wir der ueberschaubaren Menge in Richtung des Altars und nahmen schliesslich die Hostie entgegen. Subaru starrte mich mit fragenden Augen an, denn fuer ihn waren saemtliche Geschehnisse im Gottesdienstes unvertraut. Und da wir als zwei Fremde zudem noch Jahre unter dem Durchschnittsalter lagen, fielen wir beide auf wie ein Elb, ein Mensch und ein Zwerg, die die Riddermark durchwanderten, aber uns beiden gefiel die Aufmerksamkeit ebenso sehr wie der mitternaechtliche Gottesdienst an sich.

Level 37: Mines on Mount Te Aroha (Boss)

Sonntag, 01.01.2012

Mein Gefaehrte Subaru erkannte sofort die Melodie, die ich summte, als wir in der Te Aroha Domain den Aufstieg zum ersten gemeinsamen Abenteuer wagten. "Aha, Zelda", sagte er. Ich bestaetigte und trieb ihn gleichzeitig an. Mir fiel auf, dass ich noch mehr als drei Monate warten musste, um endlich das Skyward Sword in Haenden halten zu koennen. Schon seit einer Woche sah ich den triumphierenden Mount Te Aroha ueber der Stadt thronen, ein Monument gruener Macht. Viele Wege fuehrten an seine Spitze; es waere leicht gewesen, den falschen Pfad zu nehmen und fuer Stunden in der waldigen Hoehe herumzuirren. Der Mountain Track ging stetig voran, nicht immer in Richtung des Gipfels, der unter den vielen Farnen und Baeumen selten zu erkennen war, und des Oefteren mussten gefaehrliche Stellen ueberquert werden. "It's a trap", sagte Subaru mit einer Stimme wie von Admiral Ackbar, als sich der Weg in eine Anzahl matschiger Mulden verwandelte. "There is always a way", sagte ich altklug und wies ihn an, mir durch das umliegende Dickicht zu folgen.

Als wir an Hoehe gewannen und der Pfad langsam in eine steinig-stetige Kletterei ueberging, fanden wir umgeben vom Gruen der Bergwaelder den Eingang zur verlassenen Mount Morgan Mine. Schwarzes Licht saeumte die Fassaden und beklemmende Dunkelheit lauerte in den Tiefen. Ohne Taschenlampen ausgestattet konnten wir uns nicht weit ins Innere vorwagen, doch Subaru, der sich bei dem Gedanken, einen kleinen Schritt fernab von sonnenbeschienen Ebenen setzen zu muessen, hoechst unwohl fuehlte, wartete und blickte mit seinen grossen kleinen Augen ins Innere. Mit dem Blitzlicht der Kamera fand ich einen Weg, aber als ich erkannte, dass ich an diesem verlassenen Ort nicht allein sein wollte, ging ich zu Subaru zurueck und sagte, dass wir sehr bald mit Taschenlampen zurueckkehren werden. Es haette sich auch ein wildes Tier in den Winkeln einnisten koennen. "Don't worry", sagte eine entgegenkommende Wanderin lachend. "there are no wild beasts in New Zealand. Nothing can sting, bite, strangle or poison you".

Der Pfad wurde enger, wir klatschten bei jeder Pause ab, da jeder das Anrecht hatte, den Anfuehrer spielen zu duerfen und irgendwann erreichten wir den Gipfel. In 952 Metern Hoehe ueberblickten wir unsere Stadt und verstanden den Maori-Krieger, dessen Blick vor 100 Jahren ueber die Ebenen wanderte und der vom tiefen Gefuehl der Liebe ueberfluegelt wurde. Dennoch blieb der Weg zurueck und uns beiden war klar, dass wir nicht den gleichen Pfad nehmen konnte. Es sollte ein circuit sein, ein wenig bewanderter Weg in wilde, farnzerfressene Gegenden. Subarus Nahrungsvorraete gingen zur Neige; aber gluecklicherweise ging der groesste Teil der Strecke bergab. Bisweilen teilten wir unseren Pfad mit einem Bach, spaeter kamen wir zum waterfall lookout, passierten eine Mine, die von einer groesseren Kraft versiegelt wurde und fanden schliesslich eine Reihe von Pfaden in verschiedene Richtungen, alles moegliche Wege zurueck in die Stadt. Der erste lockte uns in eine Falle, doch schon der zweite fuehrte in die Geborgenheit von Te Aroha.

 

Third Boss Vanquished!

Zeit: 14.00 - 19.30 (5,5 Std.)

Soundtrack: Dark World (The Legend of Zelda: A Link to the Past)

Verbrauchte Leben: -

Anstrengung: ***

Gefahr: **

Distanz: ca. 12 km (900 Hoehenmeter)

Kosten: -

Companion: Subaru

Schoenheit: ***

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Allen Verfolgern in der Ferne ein happy new year und einen backpack voller Wuensche.

Special wishes to the gang! Thanks for calling, that was truly overwhelming!!

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Level 38: Life's a Park

Sonntag, 15.01.2012

Man weiss nie, was man bekommt, wenn man einen fremden Kuehlschrank oeffnet. Zweifellos war die Schale Reis, die das japanische Ehepaar hinterliess, fuer mich, den mastercleaner, gedacht, der sie am Vortag so offenherzig ueber das Gelaende des Te Aroha Holiday Parks gefuehrt hat. Oder vielleicht erkannten sie einfach, dass die vielen sandwiches und weet bix einfach nicht satt machten und ich doch schon recht g'sterrig geworden war?. Dankbar verspeiste ich den Inhalt der Schale und bald darauf machte ich mich wieder an die Reinigung des campervans Salmon. Tage spaeter fand ich Bier, Sojamilch und sogar eine wohlgeformte Zucchini. Durch Momente wie diese versuesste mir jemand meinen bisweilen ziemlich anstrengenden Job.

An dem Nachmittag, als Chefin Anna das Gelaende verliess um entweder Einkaeufe zu machen oder um mich einfach nur zu testen, lief so einiges nicht nach Plan. Kunden bestanden auf einer Reservierung, die in den Unterlagen nicht existierte. Und Kunden bestanden auf Nutzung des Rock Pools, der nicht eingeschaltet war. Als ich mich vor der Poolheizermaschine wiederfand und fragend Subaru ansah, der mir erklaerte, wie dem mechanischen Herzen der Maschine Leben eingefloesst werden kann, kam uns Anna entgegen, ein wenig upset. Aus dem rettenden Moment wurde schnell ein rebuke, denn ich erkannte, dass diese Maschine neben ihrer Tochter Annas precious war. Noch nicht vollends eingewiesene poolboys sollten besser warten, bis ihre grosse Chance kommt.

Einen perfekt zweisprachigen Abend verbrachten wir mit einer hollaendischen Familie, die Annas Lieben, Subaru und mir beim Schlemmen assistierten. Vor allem das Dessert, die Pavlova, ein meringue, das Neuseeland einst den Russen stahl, war eine bombige Delikatesse mit nennenswertem Zuckerschub. Scrabble begeisterte den Grossteil der Anwesenden, den kleinen, dauernd sprechenden Owen und seine Mutter, wie auch mich, der seinen Wortschatz an jenem Abend um venal und to jolt erweitern konnte. Grossschaefer Martin nutzte stets seine lange Bedenkzeit, um gross zu punkten. Victory was near, but the power of the native speaker could not be undone.

Annas Tochter Rosa, ein lebensfrohes Maedel am Vorabend ihrer Pubertaet, draengte Subaru und mich an einem relativ kuehlen Tag mit ihr und ihrer Freundin "Marco Polo" im Pool zu spielen. Wir gaben nach und folgten den unerschrockenen Kiwi-Ladies ins Wasser. Subaru, adrett im swim suit, und ich griffen die herumschwimmenden Wasserschlangen, die wir schon bald zur Verteidigung der girliehaften Angriffe einsetzen mussten. Am Ende erkannte ich, dass es keine Gewinner geben konnte, sondern nur nassgespritzte Teilnehmer, hatten aber verdaechtig viel Spass bei der Schlacht.

 

Level 39: Just Go

Sonntag, 15.01.2012

Vera Donovans Stimme, jene alternde Mistress von Little Tall Island und Arbeitgeberin der resoluten Dolores Claiborne, hallte in meinem Kopf wieder, als ich mich der Waeschespinne zuwendete, eine gefaehrlich niedrige Apparatur fuer einen Grossmenschen wie mich. "Six pins, Dolores! Six pins, not five!", schrie sie. Meine eigene Mistress Anna bestand gluecklicherweise auf zwei pins (in NZ werden sie pegs genannt), die die Laken auf der Leine hielten. Dolores' Erzaehlstimme aus dem off fuhr fort: "No, not Vera Donovan. No sir. She had to have the south wind blowing through her linens. And that meant tramping up and down that hill twice a day when it was fair." Anna war in dieser Hinsicht wesentlich kulanter: Ihre Waeschespinne stand direkt neben dem Haus und die sheets mussten auch nicht unbedingt vom Suedwind getrocknet werden.

Aus dem Augenwinkel sah ich Subaru im Gespraech mit einem japanischen Kind. Ach, wie nett, dachte ich mir. Er hat viel zu selten die Gelegenheit, eine fluessige Unterhaltung zu fuehren. Ich erkannte in den drei Wochen, dass mein Lieblingsjapaner gewisse Fortschritte machte und bisweilen teilweise seltenes Vokabular benutzte. Sein Lieblingsausspruch ist noch immer "oh reary?", das man sofort verstand, wenn man erst einmal mit der r/l Problematik der Japaner vertraut war. Als die beiden in Richtung Waeschespinne kamen, erkannte ich, dass Subarus Gespraechspartner kein Kind, sondern ein bereits ausgewachsener Mitte 20-jaehriger war. Diese Asiaten werden einfach nicht groesser. "Hi, my name is Go. Just Go," sagte er und ich begann ihm von meinem Vorhaben am Nachmittag zu berichten. Sportstudent Go lauschte, lachte gelegentlich und wiederholte das letzte Wort, das ich vor einer Sprechpause sprach und schloss sich uns schliesslich an. Unser Ziel waren die fabuloesen Wairere Falls suedlich der Stadt. Da Anna Verstaerkung aus der Familie bekam, konnte sie Subaru fuer einen Nachmittag entbehren. Er war neben der Reinigung der Gemeinschaftskueche und Duschen gewoehnlich fuer den Muell zustaendig und betrieb Recycling a la Nouvelle Zelande: Im Hinterhof, aus Apple gut sichtbar, brannte jeden Tag ein Feuer, manchmal mehrmals, das alles Brennbare verschlang.

Sie erinnerten mich ein wenig an den Dschungel aus Peter Jackson's King Kong, die Wairere Wasserfaelle in der Waikato-Region, home to one of NZ's most finest walks and to the tallest waterfall of the North Island. Der untenstehende Link fuehrt zu einer detaillierten Internetseite, gefuellt mit Fotos und schoensten Informationen. Es findet sich auch die Warnung "Drink only from the river, so long as no one is having a swim" darunter, die es strengstens zu befolgen galt. Dank ueppiger Vorraete war es nicht noetig, aus dem Fluss zu trinken (gewisse Ereignisse in der Vergangenheit belehrten mich) und natuerlich vermieden wir trotz des warmen Wetters, im Fluss zu plantschen, denn die Stroemung des Wasserfalls haette uns womoeglich in den Styx gespuelt. Wir ueberquerten diverse hoelzerne Bruecken, tief im Inneren des von Farmen bewilderten Dickichts. Der Ausblick am Gipfel, neben dem droehnenden Klang fallenden Wassers, reichte nicht an jenem vom letzten Bosslevel, Mount Te Aroha, heran, bescherte uns aber nichts desto weniger einen magisch-exotischen Moment. Nach diversen Fotoshootings kuendigte ich an, welchen Rueckweg wir einschlagen werden: Ein Schild neben dem Ancient Maori Track warnte "Very steep and not maintained", Subaru uebersetzte fuer Possenreisser Go, dem bald das Lachen gefror. Mir gefiel es, mit den Haenden nach Aesten zu greifen, die meinen Fall bremsen und meist sicheren Halt zu haben, viele Busch-Meter vor den zoegernden Japanern, aber Go, der mit Hausschuhen auf Wanderschaft ging, war sicherlich derjenige, der den meisten Schaden beim Abstieg nahm. Die Mitstreiter unterhielten sich nun ausschliesslich in ihrer Muttersprache (warum nur?), folgten mir aber unbeirrt durch die Farne und Steilhaenge. "Urami Bushi", sagte ich zu den beiden, oblivious of the meaning of that phrase. "Suteki da ne!" Gern haette ich mehr japanisch gesprochen, doch meine Kenntnisse versagten hier. Oh, ferne Regenwald-Rennerin! Warum beharrtest du nicht darauf, dass ich der Gluecksbergin treu blieb?

http://trampingtracks.co.nz/wairere-falls.html

Level 40: A One-Legged Man in an Ass-Kicking Contest

Sonntag, 15.01.2012

Die Rueckkehr wollte Go mit Billig-Bier aus dem Countdown betrinken, und als wir an der Kasse standen und ich meinen Reisepass vorzeigte (oh ja, das passiert so jungen Dingern wie mir), sah mich der kleine Japaner an und griff fluechtig in sein eigenes wallet. Alles, was er dort fand und das auf irgendeine Weise sein Alter preisgab, war der Fuehrerschein, der dem europaeischem nicht unaehnlich war, jedoch war er komplett auf japanisch. "I'm sorry, I can't sell you liquor then. It's our policy", sagte die Kassiererin und griff nach dem Fusel. In einem Land, in dem drink-drive casualty issues mehr als gross geschrieben werden, sollte man auf solche Geschehnisse vorbereitet sein.

Im Te Aroha Holiday Park holte mich der Alltag wieder ein. Das Reinigen verschiedenster cabins und flats verlangte gewisse Aufmerksamkeit, aber nicht genug, um nicht auch ueber Ideen fuer eine Kurzgeschichte oder grammatische Phaenomene zu gruebeln. "I found several hairs in the shower", sagte ich zu Anna, die mich sogleich berichtigte und schulmeisterlich sagte, dass hair keinen Plural hat. "It's like 'sheep' or 'fish'". Ich fuehlte mich aus meiner Sicherheit gerissen, wagte aber nicht einer Person, die schon mehr als 20 Jahre in Aotearoa lebte, zu widersprechen. In dieser Situation konnte uns nur ein echter Kiwi helfen, Grossschaefer Martin, den wir sogleich aufsuchten. "Of course you can say two hairs", sagte er ganz nonchalent, grinste mir und der entgeisterten Anna entgegen und gab als Bonus noch eine grammatische Erklaerung.

Da nun des Bosses Bruder im Park ankam, nahm sich Anna ein paar Tage frei und ueberliess Sub und mir das Zepter. Er hiess wie ein vielgeliebter Vielfrass aus dem Dreamland, Kirby, und mit ihm entkam sie den Verpflichtungen. An jenem Freitag, dem 13. kam es Sub und mir vor, als hinge ein Fluch ueber dem Park. Weil ein verpeilter Arbeiter vergass, am Morgen auszuchecken, war die cabin Poppy fuer ein baerbeissiges Kiwi-Ehepaar zum check in nicht verfuegbar (zudem erschienen sie noch zu frueh), und natuerlich weigerten sich die beiden, zu bezahlen. Weitere minor troubles folgten, als die Online-Buchungsprogramme Ueberschneidungen aufwiesen, was zu Doppelbuchungen und weiteren brummigen Kunden fuehrte. So gut es ging beruhigte ich die hitzigen Gemueter und wenn ich mit meinem Englisch und meiner Authoritaet am Ende war, sprang Anna am Telefon ein und fand einen Kompromiss. Gern haette ich ihnen gesagt: "Hallo, ihr seid Kiwis und mein Reisefuehrer sagt, dass ihr alle barfuss rumlaeuft und ueberirdisch nett seid", doch die Realitaet zeigte ein aehnlich verdriessliches Gesicht, wie ich es schon vor fuenf Jahren im Hotel Mercure in Nimes gesehen habe, als ich erstmals feststellte, dass Menschen durchgaengig den Drang verspueren, sich zu beschweren und sei es nur, wenn am Fruehstuecksbuffet nur zwei Sorten Marmelade angeboten werden. "The water temperature in your spa pool is 38 degree", begann der Poppy-Mann sein Plaedoyer ueber die ergonomisch-staatliche Vorschrift von Poolwasser. Ich lauschte, nickte halbwegs verstaendnisvoll, erklaerte wiederholt, dass weder ich, noch mein Adjutant Subaru den Heizer veraendern koennen und wuenschte heimlich, dass das nebenstehende Regal mit all seinen Broschueren und Travel-Fun-Packs umfallen und den Noergler zum Schweigen bringen wuerde.

Die Mitte des Abenteuers wurde ueberschattet von Ereignissen, die nicht unbedingt ein highlight bildeten, und auch Subaru, der abends, als wir dachten, alle troubles beseitigt zu haben, an einer verstopften Toilette arbeitete ("We need Mario"), hatte am Ende nur noch ein muedes "gso" uebrig, das ich an dieser Stelle nicht uebersetzen moechte. Es waren anstrengende Tage, I was busier than a one-legged man in an ass-kicking contest, aber trotz allem staerkten sie mich vor der grossen Aufgabe, die ich mit meinem fleissigen Helfer schon sehr bald anpacken werde.

Level 41: The Parkmaster

Donnerstag, 26.01.2012

Die kleine Rosa belehrte mich geduldig im Umgang mit der mir so fremden neuseelaendischen Sprache. "I need to tinkle", sagte ich. - "Hang on. You can't say that. That sounds gay." Mir war bewusst, dass ich mich biederem Stil zuwandte, aber schliesslich akzeptierte ich die Zurechtweisung der 13-jaehrigen native lady. "And what about toodles?", fragte ich, die Antwort darauf schon im Voraus erahnend. "Nooo", sagte sie. - "But I heard it in the Lion King". "No", beharrte sie, "that's gay".

Passend dazu fragten zwei Damen nach einer Gemeinschaftsmatratze, da sie mit den beiden Einzelbetten in ihrem campervan nicht zufrieden waren. Ihr Wunsch wurde von mir erfuellt und ich erteilte dem fragenden Subaru, der mir assistierte, eine Lektion in Minderheitenkunde. Am Vorabend fand der kleine Japaner an seinem Raucherplatz neben dem Schuppen ein zusammengerolltes Ding, das er vorsichtig mit dem Stock untersuchte. Als er zu keinem Wissen kam, klopfe er an meine Tuer, um nach Rat zu fragen. "For that is why you have come, is it not, my old friend?" Ich erklaerte ihm, dass es sich bei dem aengstlichen Wesen um einen Igel handelte, eine fuer Japaner fremdartige Kreatur. Tage spaeter, bevor ich mit dem Putzdienst in Possum anfing (und ueppige Beute im Kuehlschrank fand) sah ich das Tierchen ueber das Gelaende laufen. Ich gab ihm den Namen Sub Zero und achtete vor allem an Tagen, wo ich barfuss ueber das Gelaende schritt, auf seine Anwesenheit. Abends spielte ich gern Klavier, denn ich war mir sicher, dass irgendwo jemand meinen Akkorden lauschte. Ich widmete mich vor allem dem FF VII - World Theme und erschrak nicht schlecht, als sich aus der Dunkelheit ein stiller Zuhoerer naeherte. Ein Deutscher, kein Kenner von guter Musik, aber ein geduldig lauschender und der wohl erste seit Wochen.

Als Chefin Anna mit ihrem Bruder in den Urlaub aufbrach, hatte ich anfangs ein ungutes Gefuehl, da ein Grossteil der Verantwortung auf mich uebersprang. Da sie wildeste Wanderwege bei Queenstown ablief, konnte sie mich nicht mehr vor grantigen Kunden beschuetzen. Die Angriffe hielten sich aber in Grenzen und mit Martin Wallace und der kleinen Rosa lachten Subaru und ich der Gefahr ins Gesicht. Anna legte viel Wert auf einen ausgepraegten sense of pumps, und obgleich die Macht in mir nicht so stark war, tat ich als Park- und Poolmaster jeden Morgen mein Bestes, Chlor einzufuellen, das Wasser zu filtern, das Bassin aufzufuellen, nach dem Abwasserstand zu sehen und die Heizungsmaschine nicht in die Luft zu jagen. Wir verbrachten einen Abend mit lambstew und interessanten Gespraechen, wo mir wieder einmal die Vokabeln ausgingen. Denn wer kann schon eine "Rundballenpresse" oder "Wickelmaschine" spontan uebersetzen? Und was waren gleich wieder "Raps" und eine "Egge"? Wir sprachen auch ueber den Hurrapatriotismus (jingoism, dieses beliebte Wort kennt man wieder) der Bayern, das all-time-topic Stereotypen und meine baldige Weiterreise.

Level 42: A Possible Sequel

Donnerstag, 26.01.2012

Wenn das Abenteuer in Super Kiwi Island nur noch als fading memory in mir lebt, moechte ich es gern als spin off in einem anderen Land fortsetzen. Das Leben als Backpacker ist einfach traumhaft. Martin Wallace, Herr einer nennenswerten Schaffarm im Umland, fuehrte mich in ein Gespraech, in dem er erlaeuterte, dass auch Neuseelaender gern reisen und die Welt erkunden, meist nach Abschluss der Schule in jungen Jahren. Eine Art Europa-Programm in drei Wochen. Natuerlich war es viel authentischer an einem Ort ein wenig laenger zu verweilen, wie ich es in Te Aroha tat, but there's only so much you can learn in one place (Madonna, Jump) und so werde ich trotz attraktiver Dinge wie duftendem lambstew, nach Honig riechendem ale, einem wissbegierigen Subaru, einer angenehmen Herrin und einer happy-go-lucky Rosa dennoch weiterziehen muessen.

Fuer die Fortsetzung der Queste in einem Nicht-Kiwi-Land suchte ich mir das mittelmaessig bekannte Deutschland aus. Sprachprobleme sind dort geringer und man kann dort laut dem Lonely Planet Germany so manches Kleinod entdecken. Es soll auch interessante Gebiete ueber die Grenzen von Bayern hinaus geben; eine Behauptung, die es zu ueberpruefen gilt. Ich erkundigte mich ein wenig ueber dieses ferne Land und studierte die Empfehlungen des Autors. Um sich in die deutsche Psycho zu versetzen, empfiehlt er vor allem den Grossmeistern Bach, Haendel und Beethoven zu lauschen, klassische Kost fuer ein zuechtig, ernstes und rechtschaffenes Volk, das gelegentlich international fuer Aufsehen sorgt:

http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-1631847

 

Man empfiehlt auch Kraftwerk und anscheinend sollen auch Jazzanova, Chicks on Speed und Passport repraesentativ fuer die deutsche Musik sein. Weitere Auszuege folgen:

- Germans are Europe's biggest recyclers (recycling a teabag really does require all but one of the five rubbish bins found in German homes)

- Germans draw a fat line between Sie and du. If in doubt, use Sie.

 

- Push firmly but politely with German bureaucracy; shouting will only slam down the shutters. Germans lower (rather than raise) their voices when mad.

 

 

 

Vielleicht gibt es tatsaechlich die ein oder anderen Sprachprobleme, denn die deutsche Sprache hoert sich laut dem Reisefuehrer wie folgt an:

- ikh meukh-te ai-nen tish fewr tsvai per-zaw-nen re-zer-vee-ren

- vaw kan man hin-gay-en um eut-li-khe shpe-tsya-li-tay-ten tsoo e-sen?

 

Level 43: Thoughts Circling Around Leavetaking

Donnerstag, 26.01.2012

"Life is a journey that must be travelled, no matter how bad the roads and accomodations", sprach einst Oliver Goldsmith und so soll es auch mein Leitspruch sein, auch wenn ich wieder in Auto Areta uebernachten und mich von peanut butter sandwiches ernaehren musste. Irgendwo auf der Suedinsel touren nun die Napier-ex-inmates herum, auch Nick, an den ich denken musste, als ich eine Episode von Catdog im NZ-TV ansah. In dieser Zeichentrickserie geht es um eine kampflustige Katze und einen naiven Hund, die sich den selben Koerper teilen - also praktisch die Geschichte von Nick und mir. Bevor ich Anna's cottages, family & piano farewell sagte, genoss ich die letzten Tage damit, Kunden zufrieden zu stellen. "We do not need any more towels by now. Thank you. It's marvellous", sprach ein gluecklicher Tui-Bewohner. "However, we would very much appreciate if you removed the dust underneath the bed. Thank you". Sie sind trotz allem hoeflich wie Englaender; einzig Asiaten sind leichter zufrieden zu stellen. Auch wenn man eine Stunde in diversen Ecken schrubbt, die kein Insekt je aufsuchen wuerde, so finden Kunden stets eine Kleinigkeit, sich zu beschweren. It sucks like a vacuum cleaner, dachte ich mir, als ich R2 (wegen des Staubsaugers erschreckender Aehnlichkeit mit einem beruehmten Astrodroiden) herumschwang und jenen Staub, den Rosas Putztruppe uebersah, eliminierte.

Nach einer ausfuehrlichen Entgruenung des Spa-Pools war dieser wieder hochangenehm, und man konnte die volle Wonne ohne moosigen Schleim im Ruecken geniessen. Hier gab es ueberraschenderweise keinerlei Beschwerden; ich reinigte den Pool aus eigener Wellness. Am ersten Abend gesellte sich Gordon zu mir, ein Schafscherer mit uebelstem redneck-Akzent, der exzessiv das f-Wort verwendete. Subaru kam am Folgetag, traute sich aber nicht ins warme Wasser. Wir sprachen ueber die schoensten Momente im Park-Leben und ich freute mich zu hoeren, dass Subarus magic moments in meiner Gegenwart waren (Wairere Falls, Weihnachtsgottesdienst), obwohl er schon seit drei Monaten im Park diente. Er lud mich nach Japan ein, wo das Essen so viel besser sein soll und ich nahm die Einladung an, denn irgendwann werde ich dem Nintendo-Land einen Besuch abstatten, um den klugen Koepfen bei der Konzipierung eines neuen Zelda-Titels ueber die Schulter zu schauen. Gero, ein anstrebender Junglandwirt aus Hessen, der als Maehdrescherfahrer in Australien eine unanstaendige Menge Geld verdiente (der Preis dafuer war ein einsames Leben im outback), bereiste Neuseeland innerhalb drei Wochen. Er bereicherte meinen letzten Arbeitstag, erbat meine Hilfe in der englischen Buerokratie und teilte mit mir den Pool, bis eine redselige Kiwi-Dame hinzu stiess und von ihrer Familie erzaehlte.

Sehr bald schon schon wird es in den Westen gehen, wo ich die Verwoehntheit des Parks in wilde Freiheit eintauschen wuerde. Mein Ziel sollte Neuseelands einzige Millionenmetropole, die Erklimmung der Wetterspitze und eine kurze Besichtigung der Stadt der Zwiebel sein, in welcher jemand meinem Kommen entgegen sah.

Level 44: It was a Pleasure

Dienstag, 31.01.2012

Endlich wurde das Piano im Games Room gestimmt. Keine Disharmonien mehr bei Holding My Thoughts in my Heart, kein quietschendes Pedal mehr zwischen den Akkorden, nur leider kam der Klavier-Klemptner an meinem letzten Tag. Der kleine Damien wich kaum von meiner Seite. Er war ein sympathischer Wonneproppen von etwa 12 Jahren, der waehrend seiner ersten Klavierstunde durch mich ein ueberraschendes Talent an den Vormittag legte. Dennoch, die Zeit des Abschieds war gekommen. Chefin Anna verfasste einen vorzeigbaren Referenzbrief:

Mr Braun is a willing worker, careful and trustworthy. He was liked by my guests for his caring attitudes and friendly manners. It was a pleasure hearing him play the piano across the park.

Subaru erhielt von mir ein Buch, das ihm helfen sollte, seine Englischkenntnisse aufzumotzen, ungluecklicherweise war es nicht in Japanisch. „How reckless of you“, sagte Anna mit gespielter Bestuertzung, „that’s Korean“. – „I thought Asians can read all those strange, symbolic letters“, sagte ich. Natuerlich war dem nicht so, so zuckte ich nur nonchalant mit den Schultern, drueckte Sub ein letztes Mal und war ein wenig traurig, dass ich die Massage, die er vor einigen Wochen versprach, nicht mehr erhalten konnte. „When we meet again“, versprach er. Die Wahrscheinlichkeit eines Wiedersehens war zwar gering, da mich meine Route nach Norden verschlagen, und er bald Tauranga erkunden sollte (siehe Level 32), aber man sollte die Hoffnung auf eine reunion niemals sterben lassen.

Level 45: The Most Dangerous Place in the Country

Dienstag, 31.01.2012

In Pukekohe, die Stadt, die ich aufgrund eines stark ausgedehnten Abschieds viel zu spaet erreichte, wartete schon Harry auf mich, durchnaesst vom Regen. „There’s no shelter in the railway station“, sagte er. Was kann die Stadt der Zwiebeln denn bieten, wenn sie nicht einmal ein Vordach am Bahnhof vorwies?  Im McDonalds beschlossen wir, trotz regenreicher Umstaende dennoch den Weg zur Wetterspitze zu wagen, dem Schauplatz eines bedeutenden Nazgulangriffs im Dritten Zeitalter. Irgendwo vor Port Waikato fuehrte der Weg in den huegeligen Westen, mein indischer Beifahrer sprach unaufhoerlich und waehrend ich versuchte, der extrem kurvenreichen Strasse treu zu bleiben, konnte ich mir ein gutes Bild von dem machen, mit dem ich es in den naechsten Tagen zu tun haben werde. Der Regen stoppt, die Furcht wuchs, denn der Weg wurde enger, der Asphalt endete und langsam wuchs in mir die Ahnung, dass ich uns in wildes Land vorwagten. „You’re not going to ask for direction, are you?“, sprach Harry, als ich ein abgelegenes Haus ansteuerte. Hoechstwahrscheinlich war es von Maori bewohnt und bei derartigen Einsiedlerhoefen anzuhalten, gilt als ebenso sicher wie das Verspeisen eines Kugelfisches. „Never do that“, beharrte er und forderte mich auf, weiter zu fahren. Es ist eine gefaehrliche Ecke und waehrend unserer Reise erfuhr ich von unangenehm vielen Dingen ueber Maori. Zwar war mir die amuesante Tatsache, dass der Grossteil ueberdimensional fuellig ist, vertraut, aber von ihren ueblichen Machenschaften mit der Unterstuetzung des Staats wusste ich bislang noch nichts.

Mein Beifahrer lud mich nach Otara ein, einem beruechtigten Suburb von Auckland. Er erklaerte mir, dass es hier nach Einbruch der Dunkelheit nicht sicher auf den Strassen ist, da Islander und Maori die Strassen in Besitz nehmen. Trotz dieser Grand Theft Auto–Vice City – Umstaende folgte ich ihm, aber da er im Student Village der angrenzenden technischen Universitaet residierte, waren wir relativ sicher.

Level 46: The City of Sails

Dienstag, 31.01.2012

Anscheinend war ich halbgebildet, da ich niemals vom Golden Temple in Indien, von Aishwarya und vor allen von der Victoria’s Secrets Fashion Show hoerte. Mein geduldiger temporaerer Mitbewohner erklaerte mir die Feinheiten, die mir bislang entgingen, lehrte mir den korrekten Umgang mit Toast („why don’t you use a plate? It’s unhygienic“), sprach mehr als einmal von germs und hygiene, Woerter, die mir bislang in Super Kiwi Island entgingen, wo man anderen Gefahren entgegentritt; fuerte mich in ein indisches Viertel, wo ich mich wie eine doppelte Minderheit fuehlte, da ich dort als einziger Weisser verweilte und zudem gab er mir noch eine sehr kurze Einfuehrung in die Religion der Sikh, die Grossmama als ganz und gar „damisch“ bezeichnen wuerde. Wir gingen auf den weltgroessten polynesischen Flohmarkt im verruchten Otara (der Lonely Planet weigert sich, diesen Ort zu nennen), wo uns dicke Maori und Islander durch die Massen schoben. „Be careful. This is Otara. They might steal anything from anywhere“, sagte er. Ich folgte seiner Warnung so gut es ging.

Endlich betrat ich Auckland, die groesste Stadt des Landes mit den breitesten Strassen Neuseelands, die kaum befahren waren, da wegen eines verlaengerten Wochenendes die meisten Staedter aufs Land (zum Beispiel in den Te Aroha Holiday Park) fuhren. Es ist seine Stadt; voller Stolz zeigte er mir die hoechsten Gebauede, die ich in den letzten drei Monaten zu Gesicht bekam. „That’s the hustle and bustle of a metropole“, dachte ich mir. Und Auckland war riesig, wegen des urban sprawls gibt es kaum ein Zentrum, das wie Wellington zu Fuss abgelaufen werden kann. Wir waren durchgaengig auf Areta angewiesen, wurden durchgaenig an gigantischen an ebenso gigantischen Kreuzungen angehalten und fuhren dutzende Huegel auf und ab. Die Art Gallerie beeindruckte, der Aoeta Square konnte mit dem grossen Platz in der Hauptstadt im Sueden durchaus mithalten, die Queen Street bot abartig viele Einkaufsmoeglichkeiten, der Weta Shop brachte mich mit Gollum und einem Uruk-Hai naeher und der Sky Tower nagte an niederen Wolken.

Level 47: The Family Bar

Dienstag, 31.01.2012

Oh, Backpacker brauchen ihre Freiheit, sie brauchen die schafig-frische Luft der Natur, sie brauchen das warme, gruen-braune Gras unter ihren blossen Fuessen und sie brauchen auch nicht jeden Tag das T-Shirt zu wechseln, vor allem, wenn sie bloss drei Stueck mit sich fuehren. Ich dachte stets an den jungle out there, an Adrian Monk, der meinem Aucklander Stadtfuehrer wahnsinnig aehnelte. Als wir Mount Eden erreichten, den groessten und bekanntesten von den etwa 50 vulkanischen Huegeln in der Stadt, bestand Harry darauf, dass wir das Auto auf der Spitze parkten, wohingegen ich keinen Sinn darin sah, auf einen wunderschoen geschwungenen Lauf zum Gipfel zu verzichten.

Mount Eden belohnte uns mit einem allerfuellenden Blick ueber die Stadt und ihrer geschwuelstigen Vororte. Es tummelten sich viele Asiaten auf dem Vulkan, alle eifrig damit beschaeftigt, jeden Busch zu fotographieren. Harry lud mich in ein indisches Restaurant ein, Nite Spice, in welchem ich mich extremst unwohl fuehlte. Die Nobel-Kaufhaus-Atmosphaere wurde durch die Spiegel an der Wand verstaerkt und zudem passte ich mit meinem simplen Backpackerdress so wenig in das fremde Ambiente wie ein Alleinunterhalter auf eine Beerdigung. Gegen Ende des Tages kamen wir zurueck zum Auto, wo ich mit Entsetzen feststellen musste, dass jemand ein Zettelchen auf der Windschutzscheibe hinterlassen hast. Eine Infringement Notice, die man mir ausstellte, weil ich in einer gebrochenen gelben Linie parkte, die ich beim Einparkten nicht bemerkte. Ouch! Dieser Strafe konnte ich nicht so einfach entgehen, wie ich es einst in Frankreich schaffte und so machte ich mich bald schon an die Begleichung.

Harry fuerhte mich durch das naechtliche Auckland, was nicht sehr belebt war, da wegen des Anniversary Day ein kleiner Exodus stattfand. Der Hafen war wunderschoen beleuchtet und neben einigen unschoenen Silos fanden wir ein zurueckgelassenes Klavier, bei dem einzig eine g-Taste nicht funktionierte. Ich konnte mein Glueck kaum fassen, wieder einmal klimpern zu duerfen und mit nur vereinzelten naechtlichen Zuhoerern im Umkreis. Irgendwann, als schon die Muedigkeit nach einer langen Besichtigung eintrat, fanden wir die Family Bar, wo Minderheiten mit Kusshaenden begruesst wurden. Meine Mission fuer ein erfolgreiches Abschneiden von Level 46 war es, ein Foto von einem Mann in Frauenkleidern zu bekommen und bei Gott, es gelang mir! Nach einigem Verweilen im laut-stickigen venue konnte ich sogar ein Bild von jemandem machen, der eine Schwimmente als Guertel trug.

Level 48: Finding the Northern Motorway

Dienstag, 31.01.2012

Harry waere gern laenger in der Family Bar geblieben, aber ich war der carmaster mit dem Falschparkerticket auf dem Beifahrersitz, und so verliessen wir die Lokalitat, nachdem ich bekam, was ich wollte. Der naechste Morgen begann sehr spaet, startete aber mit einem epischen Fruehstueck. Er machte mir den Abschied hart, aber der Drang der Freiheit in mir war staerker. Ausserdem „lasst si’ der Bua nix dersager“, wie es Grossmama gern ausdrueckte, und so war ich am Ende recht gluecklich, nicht mehr ueber Lebensmittelvergiftereien, Sonnencreme-Anwendung oder I told you hoeren zu muessen.

Harry gab mir Nachtaufnahmen von Auckland, die meine Kamera unmoeglich einfangen konnte, und half mir wieder einmal dabei, mich in der Queen Street zurecht zu finden. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, war ich mit der Findung des Northern Motorway anstaendig beschaeftigt. Dummerweise kam ich in einem Vorort heraus und da es schon anfing zu daemmern, sollte ich mich schnellstens auf den Weg zu machen, die Stadt zu verlassen. Ich fand den Southwest Highway, besser als gar keiner und schliesslich auch den in den Norden.

Level 49: Maori’s Capital

Dienstag, 31.01.2012

An der Hibiscus Coast hielt ich an um erstmals seit Napier wieder Sand zwischen meinen Zehen zu spueren und ein baeriges Backpacker Menu im Auto einzunehmen, das Harry sicherlich den Magen rotieren lassen wuerde. Ohne Lesen des Ablaufdatum! Ohne Teller! Ohne Servietten! Ohne Extreme-Dishwashing, sondern nur mit Messer-abschlecken und schon war der Job erledigt! Gosh, I loved it and I loved to be all by myself again.

So erreichte ich schliesslich einen Ort von der Groesse Napiers, wo es aber nichts Kulturelles gab. Es war interessant zu beobachten, dass die meiste Kultur Neuseelands von den Maoris abstammt, aber nun, da ich die Stadt fand, wo mehr Maori als ich je zuvor sah, herumstolzierten und ihre Wampe praesentierten, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Whangarei (gesprochen FAN-ga-rey) bot aber eine nette Fernery, die mit den verschiedensten Farnen des Landes angab und diverse Wanderwege. Ich lief die meisten ab und war meist allein unterweg, vor allem beim bergigen Ross Track, der die Kondition der meisten Maori ziemlich strapazierte.

Nach dem Drummond Track lief ich dem Hatea River Walk entlang, einem nachmittagsfuellenden Programm und entdeckte am Ende die 26-Meter-hohen Whangarei Falls. „Spell-binding“, dachte ich mir, der ja eigentlich schon sehr verwoehnt wurde von wunderschoenen Wasserfaellen in den letzten Monaten. Diese Wasserfaelle sind wie Paris Hilton - nicht die schoensten, aber die meist fotographierten. Am selben Tag ging es dann schon wieder weiter, in den wahrscheinlich prachtvollsten Fleck der Nordinsel: Bay of Islands.

Level 50: Where Beauty Knows No Bounds

Freitag, 03.02.2012

In der Wiege Neuseelands, der Bay of Islands, legte Captain Cook schon vor ueber 200 Jahren an. Mittlerweile erkannten Myriaden von Menschen das schoene Fleckchen Erde und verwandelten den Ort in einen touristic hot spot. Beinahe jeder war ein Anbieter von Kayakprogrammen, Bootstouren, Skydiving, Nachtsegeln oder Delphinschwimmen. Ich liess all das G'schmarri beiseite, schnappte mir ein Fahrrad aus meinem Hostel, The Mousetrap, und erkundete die gruen-blaue Gegend. Etwa 150 Inseln trieben in den verschlungenen Buchten; alle entkamen gluecklicherweise menschlicher Besiedelung.

Ich radelte den huegeligen Weg nach Waitanga, wo der gleichnamige Treaty, das neuseelaendische Grundgesetz 1840 von ueber 500 Maori Chiefs und britischen Kolonisten unterzeichnet wurde. Der Weg fuehrte weiter auf gravel roads (ich hasse diese staubige Art von Strassen) zu den Haruru Wasserfaellen, woraus ich gierig trank, da die Wasserflasche im Hostel zurueckliess.

Dort trieben sich vor allem Deutsche herum, N.A.S.E.n, um etwas genauer zu sein. Diese Nach-Abitur-Sich-Erstinformierende fanden sich ueberall. Ihre Motivation, Super Kiwi Island zu bereisen, liess sich stets mit Party, Katern, Kiwi-Express und deutsch-bescheuertem chit-chat ("Ich schlaf bei Herr-der-Ringe immer ein, weiss aber ungefaehr, worum es da geht") in Verbindung bringen. Dennoch gab es unter dieser Bande in der German Chamber (so nannten wir unseren Dorm) eine Perle: Laura aus Koeln, abgeschlossenes Germanistik und Kunststudium, quicklebendig, die einzige, die mir zustimmte, eine Episode von The Walking Dead im Fernsehen anzusehen  und jemand, mit der man die ganze Nacht plaudern konnte. Ungluecklicherweise konnte sie mich auf meinen Reisen nicht begleiten, da ihr Schicksal im Sueden liegt, wohingegen mich meines in den Norden zog.

Level 51: Hole in the Rock (Boss)

Freitag, 03.02.2012

Manche Gegenden der Bay of Islands sahen aus wie das Monheimer Hinterland, einzig gigantische Farne und betaeubendes Zirpen von kolossalen Grillen verzerrten das Bild. In Russel fand ich die aelteste Kirche des Landes und ein kleiner angrenzender Ort gab damit an, Neuseelands erste Hauptstadt gewesen zu sein, lange bevor der Sitz nach Auckland und spaeter nach Wellington ging.

Etwas spaet am Nachmittag beschloss ich, einen gigantischen Bosskampf anzutreten, den langen (strenuous beschrieb ihn der Reisefuehrer) Weg von der Maori Siedling Rawhiti bis zur Spitze der Bay of Islands, Cape Brett, mit seinem durchdringenden Hole in the Rock. Fuer eine solche Wanderung sollte man genuegend Proviant mit sich fuehren und moeglichst die Uebernachtungsmoeglichkeit in der Huette neben dem Leuchtturm in Anspruch nehmen. War es das g'schwuele Wetter, das mir den Verstand nahm oder wollte ich nur uebermaessig tollkuehn sein? Ich packte neben drei Sandwiches noch etwas Obst und einen Liter Wasser in meine Umhaengetasche und versuchte so gut es ging, mit dem Proviant haus zu halten. Bald schon drueckte die Hitze, ich lechzte und begann zu begreifen, dass dieser Trip der bislang haerteste werden sollte. Ich vermied es anzuhalten, denn ich wollte den Boss noch vor Sonnenuntergang um 20.30 erreichen - eine Zeit, die ich nicht einhalten konnte, wenn man mit extrem beladenem Backpack unterweg gewesen waere.

Downhill sprintete ich, liess mich von flotten Overworld-Melodien antreiben und einzig fuer atemberaubende Ausblicke auf das Inselmeer hielt ich an. Die Stunden vergingen, und als die Beine zu schmerzen begannen und die Huegel unerklimmbar wurden, fand ich das erste menschliche Wesen im Gras liegen vor: Merv aus Schottland, der mit mir das letzte Stueck bis zur Huette bekaempfte. Gluecklich ueber unerschoepfliche Wasservorrate schnappte ich mir einen 6-Liter-Kanister, fuellte ihn und machte mich eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang auf den Rueckweg. Die anderen in der Huette, vor allem zwei aeltere Cheater, die mit dem Wassertaxi kamen, konnten nicht fassen, dass ich nicht uebernacht bleiben wollte. Zwar schaffte ich den Hinweg in vier Stunden, was beeindruckend war, wenn man bedenkt, dass Lonely Planet von 7,5 Stunden sprach, doch liess ich mich von meinem Vorhaben abhalten.

Mein Handy leuchtete den Weg und nach meinen Berechnungen sollte ich gegen ein Uhr nachts zurueck am Auto sein, ein trostvoller Gedanke in der Wildnis. Um mich herum stiessen Wesen seltsame Laute aus; ich verschluckte Gedanken der Furcht ueber vergessene Menschenviecher und dachte an das, was ich einst irgendwo gelesen habe: New Zealand, the land of the birds, doch auch Voegel konnten durchaus scary sein. Irgendwann nach Mitternacht versagte der Akku, und auch der ipod verliess mich. Die Kamera leuchtete noch, doch nicht fuer lange. Hinter zahlreichen Farnen und Baumen bohrte noch immer das Hole in the Rock seinen Blick durch den naechtlichen Wald. Ich hoffte, Merv irgendwo vorzufinden, der mir eine Brotzeit in die Hand drueckte und sagte, dass er mit mir den Weg bestreiten wollte. Nichts dergleichen geschah und als auch das letzte Licht ausging, ueberkam mich neben dem bereits bestehenden Hunger ein Gefuehl der Panik. Nun blieb mir nichts anderes uebrig, als unter den Baeumen in einer windigen Nacht mein spaerliches Lager aufzuschlagen.

Bei Sonnenaufgang machte ich mich wieder auf den Weg, erkannte, dass ich Stunden vorher vom Weg abgekommen war und folgte nun mit extrem knurrenden Magen (doch mit einem halbvollen Kanister Wasser) einen fremden Weg, der zu einer Pferdekoppel fuehrte. Die Teerstrasse schenkte Hoffnung und ein Schild, das sagte, dass es zum Auto noch einige Kilometer waren, machte mich gleichzeitig gluecklich und traurig. Wie ein Zombie bestritt ich ich das letzte Stueck, fand Areta dort vor, wo ich sie vor mehr als 16 Stunden parkte und biss gieriger als je zuvor in eine Scheibe Toast mit Erdbeermarmelade.

 

Forth Boss Vanquished!

Zeit: 15;30 - 08.00 (16,5 Stunden)

Soundtrack: Ryoshima Coast (Okami)

Verbrauchte Leben: 2 (Hunger und Durst)

Anstrengung: *****

Gefahr: ***

Distanz: ca. 40-45 km

Kosten: -

Companion: - (Merv erst beim letzten Zehntel der Strecke)

Schoenheit: ****

Level 52: Where the Spirits of the Dead Depart the Earth

Montag, 06.02.2012

Nur muehsam gelang es mir nach dem Wahnsinns-Bosskampf wieder Kraft zu schoepfen und so verbrachte ich die meiste Zeit des Folgetages im Bett. Im noerdlichsten BBH-Hostel des Landes, am abgelegenen Henderson Bay, checkte ich als erster ein und konnte mir somit ein gut gelegenes Schlafplaetzchen heraus suchen.

Am Ende der Nordinsel verwandelte sich der Northern Motorway in einen Parkplatz, auf den ich mit meinem braven Gefaehrt Areta einkehrte. Mehrere Tausend Touristen taten es mir nach, alle wollten einen Blick auf den Punkt erhaschen, an dem sich die Tasmanische See und der Pazifische Ozean paarten, in den Legenden der Maori der Ursprung des Lebens. Fuer dieses Volk war Cape Reinga heilig, so war es untersagt, dort zu essen (ein paar blonde Tussen brachen dieses Gebot) und man sollte moeglichst auf den Wegen verweilen. Es ist der Ort, an dem die Seelen der Verstorbenen ihren Weg in die Unterwelt antraten, angetrieben vom Wind, der heftigst an diesem Punkt bliess - der nicht der noerdlichste Punkt des Landes ist, entgegen landlaeufiger Meinung der ungebildeten Menschheit. Ich liess es zu, dass mir die langen Haare das Gesicht zerpeitschten und sich Touristen aller Hautfarben von mir fotographieren liessen. An den Haengen des Kaps wuchs Flax, eine ultra-resistente Pflanze, die ich schon im Holiday Park muehselig stutzen durfte, und deren haesslicher Stil sich im Wind bog.

Als ich in Areta den Weg in den Sueden antreten wollte, stellte ich fest, dass etwas mit der Strasse nicht stimmen musste, da sich mein Auto nur sehr schwer lenken liess. Nach naeherer Untersuchung des Bodens und anschliessender Betrachtung des Vorderreifens stellte ich fest, dass dieser wie ein drahtiger Lumpen um die Felge gewickelt war. Ohne Luft und ohne Hoffnung auf ein Weiterkommen. So stand ich nun am Ende der Welt ohne Moeglichkeit auf eine Rueckkehr in die Zivilisation. Ein Parkplatzwaechter stiess hinzu, doch ich verweigerte seine Hilfe, da ich - entgegen der landlaeufigen Meinung der Dauerzocker - durchaus in der Lage war, den Reifen selbst zu wechseln. Ich brillierte, zerrte zusaetzlich alle anderen Schrauben fest und begann bald darauf schon die weitere Reise, erstmals in den Sueden.

Level 53: Sandy Runway

Montag, 06.02.2012

Schluchten und Waelder striffen den Northern Motorway und irgendwann fand ich eine Strasse, die auf den beruehmten Ninety Mile Beach fuehrte. Schon in meiner ersten Woche in Super Kiwi Island's Hauptstadt Wellington erfuhr ich von einem Knaben namens Julian, dass dieser Ort etwas Faszinierendes in sich trug und dass es sein Ziel war, dort eines Tages mit dem Jeep entlang zu brausen.

Mir stand so ein Gefaehrt nicht zu, so begleitete mich die brave Areta ueber die nass-harten Sande. Ich beschleunigte wie auf einer Flughafen-Landebahn, und genau so kam es mir vor, da sich die Sicht auf Hunderte von Meter in alle Richtungen erstreckte und jedes Hindernis rechtzeitig erkannt werden konnte. Links brausten gigantische Duenen vorbei und irgendwo auf der rechten Seite schlugen Wellen gegen die Gestade. Starke Winde trugen kriechende Graesser und schleichende Sandschleier ueber die Ebenen; ich scheuchte Moewen auf und genoss in jeder Sekunde die bahnbrechende Freiheit, die mir in Form von salzigen Stuermen um die Ohren bliess.

Gelegentlich wurde ich von Jeeps und Kiwi-Experience-Bussen ueberholt, wich entgegen kommenden Fahrzeugen auf der strandigen Bahn aus und fragte mich zunehmend, ob mein Vorhaben illegal sein konnte, da kaum andere Rovers oder Toyotas auf dem langen Strand brausten. War es womoeglich schaedlich fuer die Unterseite? Die Frage wurde an einem Wasserlauf beantwortet, der mir zu tief schien, um ihn zu ueberqueren. So kehrte ich um und erkannte, wie die Flut den Strand in einen engeren Abschnitt draengte. Ich nahm den Ausweg auf den State Highway, um einige Stunden spaeter wieder in der Bay of Islands einzukehren.

Level 54: The Year of the Dragon

Montag, 06.02.2012

Lange liess ich Laura am Pier warten, unabsichtlich selbstverstaendlich, da es mir nicht gelang, eine konkrete Ankunftszeit durchzugeben. Zu tueckisch und verschlungen waren die Wege der Insel. Ich machte die 23-jaehrige mit Areta bekannt, der Edlen, die uns die naechsten Stunden bis Auckland transportieren sollte. Dort uebernachteten wir, und da es schon weit nach Mitternacht war, war es irrsinnig auf Hostel-Suche zu gehen. Erschoepft kehrten wir unter die schuetzenden Baeume des Victoria Parks nahe des Sky Towers ein, wo wir Areta abstellen konnten. Laura freundete sich mit einer Franzoesin an, die mit ihrem petit ami die gleiche idea of accomodation hatte und den Park-Parkplatz schon seit Wochen in Anspruch nahm. Gelegentlich fuhr sie ein paar Luecken weiter, um nicht den Verdacht der Ordnungshueter zu erhaschen, doch im Grossen und Ganzen war sie sehr zufrieden ueber eine kostenlose und durchaus komfortable Unterkunft in ihrem geraeumigen Nissan-Bus.

Ich beschloss das weitere Vorgehen, die Reise in das Land des Schattens, das ich vor einigen Wochen mit Niederlaender Robbert bei staerkstem Regenfall schon einmal betrat. Auf dem Taranaki Falls Walking Track hatten wir keine Gelegenheit, in das dunkle Herz einzudringen, aber nun soll es beim eintaegigen Tongariro Crossing gelingen. Ob Laura der steilen Gefahr gewachsen sein wuerde?

Die Metropole bot wieder einmal einen grossen Haufen von Touristen, die sich durch die Queen Street schoben, darunter viele Asiaten. Ebenso viele von ihnen draengten sich durch das Lantern Festival, die Feier des chinesischen Neujahrs, die im Albert Park stattfand. Es wurde ein ueberwaeltigendes Feuerwerk geboten, Farben und Formen, die nie am deutschen Nachthimmel zu sehen waren und Zischen und Explosionen, die zu unerwarteten Zeitpunkten erklangen. Die Asiaten wirkten ausgelassen und zufrieden, und einer von ihnen war Jay, Psychologie-Student im hoeheren Semester. Dankbar nahm ich die Einladung in die Vincent Street an, an jenem Ort, an dem mir vor einer Woche ein Knoellchen ausgestellt wurde, und freute mich ueber eine kostenfreie Nacht im Y.W.C.A.

Level 55: Waitangi Day

Freitag, 10.02.2012

Welch prachtvoll heisse Stadt, dieses Auckland mit all seinen exotischen Genuessen! Ich kam um fuenf Duschen nicht herum und genoss es, endlich keinen peniblen tourguide neben mir haben zu muessen. Trotz seiner gigantischen Groesse gab die Metropole kaum mehr als eine Handvoll Sehenswuerdigkeiten her; am meisten unterhielten sicherlich der turbulente Hafen mit dem schwimmenden Hochhaus Sea Princess, das Klavier am Silobau, Horden von kleinen, lachenden Asiaten und Dudelsack-spielende Cricketspieler. Doch selbst die wurden nach mehreren Scotland the Brave extrem nervig, sodass Laura und ich beschlossen, den Victoria Park und die Stadt zu verlassen.

Laura genoss es, meine Beifahrerin spielen zu duerfen und auch ich war dankbar um eine fleissige Kartenleserin, wenngleich die Anweisungen zum Abbiegen stets ein wenig zu spaet kamen. Unsere Ziele waren die gleichen, der Sueden der Nordinsel, sie gerade in ihrer zweiten Woche und voller Entdeckerdrang in Godzone, und ich voller Elan, bald einen Freund am Ende des State Highway sehen zu duerfen.

Wegen eines weiteren Feiertages, des Waitangi Day, der Unterzeichnung des founding documents des Landes im Jahre 1840, war die Stadt wieder frei von groesseren Automassen und ermoeglichte somit eine gelungene Flucht. Beim Beschleunigen auf dem Highway erkannte ich dann, dass etwas nicht stimmte, da Areta uebermaessig wackelte, vor allem der Ganghebel schnellte gefaehrlich rapide nach rechts und links. Wir erkannten, dass der linke Vorderreifen zerfetzt war, nur wenige Tage nach dem Auswechseln des Rechten.

Level 56: Tyres of Fortune

Freitag, 10.02.2012

Ich verfluchte den Waitangi Day, dem Tag, dem die ganze Nation entgegen sehnte. Keine Werkstatt und kein Reifengeschaeft oeffnete mir seine Tore. Mein Drang, in den Sueden zu kommen war viel zu stark und so blieb mir nichts anderes uebrig, als mit gnadenvoll abgefetztem Reifen meine Route weiter zu fahren. Des Reifens Innereien waren leicht sichtbar, Draehte und ein dunkler Innenmantel stachen heraus, aber trotz des Grauses war ein Weiterkommen moeglich, nur war das Ende nicht abzusehen. „Halte dich bereit, irgendwann ein boom zu hoeren“, sagte ich meiner Beifahrerin, als mit 60 km/h in den Motorway stachen.

Unsere Maschine schritt tapfer trotz ihres gebrochenen Beines voran; saemtliche anderen Autos ueberholten (einer wies uns sogar darauf hin, dass mit unserem Reifen etwas nicht stimmte) und nur die Polizei folgte uns vorsichtig. Sie liess das Blaulicht aus und ich folgte der linken Spur so bestaendig wie ich nur konnte. Dutzende Hell’s Angels brausten bald darauf an uns vorbei und kurz darauf auch die Verkehrshueter, die die Krawallmacher eskortierten.

Die viertgroesste Stadt des Landes, Hamilton, bot sehr wenig fuer Touristen, kein Backpackers-Schild kreuzte unser Blickfeld, doch dafuer gab es eine komplette Strasse mit Autoersatzteilen. Sie alle waren geschlossen und uns blieb nichts anderes uebrig, als am Fluss entlang zu spatzieren, die Rocky-Horror-Statue zu bestaunen und uns ein Schlafplaetzchen am Rotoroa-See zu suchen. Am naechsten Morgen steuerte ich eine Werkstatt an, erlaeuterte mein Problem, liess Areta in hoffentlich kompetenten Maori-Mechanikerhaenden und staunte, als ich nach zwei Stunden mit Laura zurueck kehrte. Statt der zwei Reifen, die ich bestellte, wuchtete und montierte mir der finster dreinblickende Mann vier neue Reifen auf und berechnete freundlicherweise nur zwei.

Level 57: Weltrettung 2012: Into the Land of Shadows (Boss - Part A)

Freitag, 10.02.2012

“Ich frag mich, was die Leute denken, die hier am See vorbeilaufen”, sagte Laura und nahm einen kraeftigen Biss von ihrem peanut-butter sandwich. „Alle Tueren auf, alles saudreckig, Musik aus dem Radio...„ – „...aber dafuer vier neue Reifen, die uns endlich in den Sueden bringen werden“, sagte ich. In der Tat fuhr sich Areta nun viel geschmeidiger, und schon vier Stunden spaeter erreichten wir den Tongariro National Park, den aeltesten und wahrscheinlich schoensten des Landes. Peter Jackson erkannte dies vor einigen Jahren und schickte seine Hobbits in das wild-steinig dennoch gruene Land.

In Howard’s Lodge trafen wir auf weitere unerschrockene Gemueter, die den beruehmten Tongariro Alpine Crossing, den beliebtesten Wanderweg der Nordinsel, durchfuehren wollen. Um zu vermeiden, einen weiteren Abend wieder unsere Geschichte auf Deutsch erzaehlen zu muessen, gaben wir uns als Franzose und Niederlaenderin aus und ueberzeugten zumindest einen Schweizer, der mit uns den dorm teilte.

Sublevel 1: Mangatepopo Valley

Nun weiss der geduldige Dauerzocker sicherlich, um was es sich bei der Weltrettung ging, die jaehrlich durchgefuehrt werden muss, um das Fortbestehen der Menschheit zu sichern. Meine alljaehrliche Gefaehrtin wurde in dieser Ausnahmesituation durch Laura ersetzt, ein Maedel mit ebenso kurzen Beinen. Schon von Beginn an zweifelte ich, ob die Kleine der monstroesen Aufgabe gewachsen war. 1120 Meter ueber dem Meer startete im Mangatepopo Valley fruehmorgens die Reise und wir waren nicht allein: Im shuttle bus fanden sich etwa zwei Dutzend Streiter, die verschiedenen Motiven nachjagten. Der Fotograf wollte die bezaubernd schoene Landschaft dokumentieren, die Abby wollte es sich selbst beweisen und die Paris Hilton wurde zweifellos von ihrem Freund mitgeschleppt. Der Morgenwind war frisch, die Vegetation bestand aus weissem Moos und schilfaehnlichen Pflanzen auf kargem Boden, waehrend im Hintergrund die Vulkane den Himmel fuellten.

Sublevel 2: The Heart of Rocks

Waehrend wir uns vorantrieben, verformte sich die bizarre mondaehnliche Landschaft in eine steinige Wuestenei und der Pfad fuerte an gigantischen, rotbraunen Felsen vorbei. Wir verloren an Geschwindigkeit, mehrere Streiter ueberholten uns, der Gelehrte mit seiner Frau, die Dame ohne Nationalitaet, die die Unterseite meines bunk beds einnahm und auch ein paar Franzosen. Gelegentlich holten wir sie ein, wie sie am Wegesrand pausierten, aber in den meisten Faellen blieben wir zurueck.

Sublevel 3: Soda Springs

Es waere leichter gewesen, ueber die Steine zu springen, aber Laura tappte in den sumpfigen Wasserlauf, der sich unter den dichten Graesern verhuellte. „Hab ich jetzt ein Leben verloren?“, fragte sie. – „Nein, aber deine Energieleiste hat rapide abgenommen.“ Auf dem Weg stiessen ein paar extrem gut aussehende Menschen zu uns und wir fragten uns, wie es moeglich war, in zwei Stunden Tongariro Crossing derart viele von ihnen zu sehen, nachdem wir in Hamilton 26 Stunden verbrachten und dort kaum welche erblickten.

Sublevel 4: Giant’s Staircase

Ich fuehlte mich wie Moses, der sein Volk ins Verheissene Land fuehrte, als wir den langen Pfad durch die steinige Wueste entlang schritten. So viele liefen vor und hinter uns; ein jeder konnte sich wie eine biblische Figur fuehlen. Es sollen etwa Tausend Menschen sein, die jeden Tag das Tongariro Crossing beschritten und auch an den engeren Stellen, wie dem anstrengenden Giant’s Staircase, draengten Ueberholer an uns vorbei.

Sublevel 5: The Masterheights

Mit 1896 Metern wurde der hoechste Punkt erreicht; ein Ort, der an weniger schoenen Tagen im Nebel verhuellt war und der nun, dank der Pracht der Sonne atemberaubende Blicke ueber die Vulkane Tongariro, Ngauruho und Ruapeha, dem Schicksalsberg, preisgab. Pyroclastic flows soll es hier einst gegeben haben, zuletzt in den 1970ern, und unter uns knistete uraltes Lavagestein, auf dem die Karawane der Tapferen entlang schritt.

Level 58: Weltrettung 2012: Into the Land of Shadows (Boss - Part B)

Freitag, 10.02.2012

Sublevel 6: The Barren Wasteland of Emyn Muil

“Wir haetten Gollum mitbringen sollen”, meinte Laura und irgendwie hatte sie Recht. Nur zu gut haette er in dieses Szenario gepasst und sie oder ich haetten ihn dann fragen koennen, ob er uns den Weg nach Mordor, tief im Herzen von Tongariro, zeigen koennte. Viele Reisende draengten sich an uns vorbei, die Coolen, der Gefallene, aber wo waren die Hotties? „Wahrscheinlich wurden sie aufgehalten“, sagte Laura. „Sie werden wohl staendig von Leuten angesprochen, die sagen ‚boah, seid ihr geil, kann ich ein Foto von euch machen?’“

Sublevel 7: The Emerald Lakes

Der Geruch von Rotorua, the City of Sulphur, stieg mir wieder einmal in die Nase, als wir die smaragdgruenen Seen erblickten, um die schwefelartiger Nebel aufstieg. Trotz des Gestanks machten die Reisenden Pausen; man hoerte wieder viele europaeische Sprachen und wir erkannten, dass irgendwo eine Warpzone versteckt sein muss. „Wie kriegen wir die ganzen Deutschen wieder nach Deutschland?“, fragte ich und erwartete eine ernsthafte Antwort. „Hmm... Wir legen an den Rand der Warpzone ein paar Flaschen Bier und daneben ein Schild, dass alle Maedels sich ausziehen muessen, bevor sie das trinken“. Ich kam zu dem Schluss, dass dieser Plan durchaus funktionieren koennte.

Sublevel 8: The Path of the Rising Smoke

“Smoke rises from the Mountain of Doom”, murmelte ich, als ich dem verschlungenen Weg ins Tal folgte. Wir ueberquerten Privatland, wurden noch immer von eiligen Wanderern ueberquert und ich begann mich zu fragen, ob wir die Reise im vorgegebenen Zeitrahmen tatsaechlich abschliessen konnten. In zwei Stunden sollte der shuttle bus abfahren, mit oder ohne Laura und mir an Bord; und keiner von uns wollte im Land der Schatten die Nacht verbringen.

Sublevel 9: Tedious Grasslands

Der Himmel war meist bedeckt, aber dennoch stach die Sonne beizeiten unbarmherzig durch die Wolken. Die Creme half, denn auf schuetzende Graesser konnte ich in dieser Steppe nicht hoffen. Es ging weiterhin bergab, ich beschleunigte den Schritt und ueberholte den Fotograph, den Gelehrten und Paris Hilton, wo auch immer sich eine Gelegenheit ergab.

Sublevel 10: The Forest of Delusion

Keine Weltrettung ohne Wald-Vorzeigelevel und in diesem trennte ich mich von Laura. Zu kurz waren ihre Beine und zu knapp war die Zeit. Ich eilte, um die Zeit aufzuholen, eventuell sogar den shuttle bus zum Warten aufzurufen, wenn ich denn am Ende des Waldes ins Ziel laufe und die Welt gerettet habe. Es ergab sich, dass ich es noch in der vorgegebenen Zeit schaffte und auch Laura traf erschoepft und leicht grantig bald darauf schon ein.

Gluecklich ueber den friedvollen Ausgang der Reise verliessen wir das National Park Village, trafen bald darauf im verschlafenen Ort Ohakune ein, wo ich im i-site die Angestellte ansprach: „Hi. We’re looking for the site where Gollum caught the fish“. Natuerlich wusste sie, worum es ging und mit einem Laecheln dirigierte sie uns in eine Gegend, die etwas abseits des Dorfes lag. Stunden zuvor bestiegen wir die Ebene von Dagorlad, wo Isildur einst seines Vaters Schwert ergriff und Saurons Herrschaft fuer lange Zeit beendete.

 

Fifth Boss Vanquished!

Zeit: 07.30 – 15.15 (7,75 Std.)

Soundtrack: The Black Gate Opens (The Lord of the Rings – The Return of the King)

Leben: - (Laura hingegen verbrauchte mindestens 1)

Anstrengung: ***

Gefahr: **

Distanz: 19 km

Kosten: 30 $

Companion: Laura

Schoenheit: *****

Level 59: I Am No Dress Yet

Sonntag, 12.02.2012

Darkwing und Kiki erwiesen sich als hoechst erfolgreich in der Errettung der Welt und konnten nun, da die gewaltige Aufgabe vollbracht war, verschiedene Wege gehen. Innerhalb einer Woche sah ich den noerdlichsten Leuctturm des Landes, betrat die touristische Feste Bay of Islands mehrmals, steuerte die polarisierende Stadt Auckland an und kehrte schliesslich mit Laura im Tongariro National Park ein. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, mehr als man einem ungleichen Mann-Frau-Gespann zutrauen kann und nun, da wir endlich Wellington erreichten, war der Moment des Aussetzens gekommen.

Unsere letzte gemeinsame Uebernachtung fand auf einem Strandabschnitt vor Kapiti Island statt, ein Naturschutzgebiet unweit vor der Kueste im Norden der Hauptstadt. Keine aergerlichen Strassenlaternen leuchten durch das Schiebedach, keine lauten Maori-Kids kreischten umher, dafuer tummelten sich hunderte Moewen auf dem Sand, die nur danach schrien, aufgescheucht zu werden.

Trotz allem erfuellte mich die Rueckkehr nach Wellington hauptsaechlich mit Erwartung. Es war das Tor auf die Suedinsel und auch die Moeglichkeit, eventuell Sebastien wieder zu sehen, meine erste naehere Bekanntschaft in dieser fremden Welt. Unpassenderweise reiste der gerade ueber die Pancake Rocks auf der Suedinsel und konnte mich somit nicht empfangen. Auf dem Parkplatz des New World rief Laura eine Frau an, eine 5-Minuten-Bekanntschaft aus Whangarei, die ihr vor einiger Zeit einen Schlafplatz in Wellington anbot. Nur fuenf Minuten reichten aus! Welch anderes Volk kommt denn so schnell zur Sache? Ich sorgte mich ein wenig um das kleine Energiebuendel mit den kurzen Beinen, doch schon am naechsten Morgen traf eine Nachricht von ihr ein, die besagte, dass es ihr gut ging. Vor einigen Tagen sagte ich Laura, dass gerade Maedchen ihres Alters und Statur ideale Opfer fuer Buffalo Bill waeren, der im Silence of the Lambs makabren Leidenschaften nacheifert. Lauras Nachricht war kurz, nur fuenf Worte genuegten, um mich zu beruhigen: "Ich bin noch kein Kleid". Zweifellos wuerde sie ihren Weg in der coolest little capital in the world finden, mit einem guten Job und eventuell einem netten toyboy oder toygirl an ihrer Seite.

Level 60: Journey to South Island

Sonntag, 12.02.2012

Die maorischen Legenden besagen, dass der unschoene Halbgott Maui, die pazifische Version des Prometheus, einst in seinem gigantischem Kanu einen riesigen Fisch angelte. Dieser war die Nordinsel Neuseelands, mit dem Kopf an der Stelle, wo heute Wellington liegt, an der East- und Westcoast die Flossen, Lake Taupo als das Herz in der Mitte und der Far North bildete die Schwanzflosse. Mauis Kanu war die Suedinsel, die Hauptinsel zu jener Zeit. Ihre Flaeche ist groesser als die des noerdlichen Nachbarn, aber das wirtschaftliche Zentrum, die grossen Staedte und zwei Drittel der Bevoelkerung befinden sich im Norden. Doch die Schoenheit der Landschaft, so sagt man, soll auf der Suedinsel beispiellos sein. Aber koennen die Bay of Islands und die Nationalpark-Vulkangebiete noch uebertrumpft werden? Dies und viel mehr gilt es in den naechsten zwei Monaten heraus zu finden.

Als die Faehre von Wellington Harbour aus ablegte, blies kalter Morgenwind und ich sorgte fuer mein eigenes Ambiente, indem ich Take Her to the Sea, Mr. Murdoch aus einem bekannten Hochsee-Film in meinen ipod einlegte. Um der Kaelte zu entgehen, suchte ich Schutz neben den Schornsteinen der Faehre. In den naechsten drei Stunden zogen wundervoll besiedelte Haenge der Hauptstadt, windgepeitschte Wellen und diverse Felsenhalbinseln an meinem Auge vorbei. Als die Faehre in Picton anlegte, fuhr ich mit meinem Auto und einer Ladung grosser Erwartungen in den Hafen ein. Die Stadt war klein, bot den sagenhaften Queen Charlotte Track, aber vielmehr war es die Nachbarstadt Blenheim (gesprochen: blenem), in die es mich zog, da mich dort Stephan, mit dem ich schon seit Wochen in Kontakt stand, eifrig erwartete. Seine Wohngemeinschaft war bunt gemischt, aber die Deutschen hielten die Oberhand. Da ich fuerchtete, dass er nach Wochen der harten Arbeit auf der Weinplantage seine Bestimmung verlernt haben koennte, schien es mir eine gute Idee, seine physiotherapeutischen Faehigkeiten zu reaktivieren. Er brillierte, bot mir einen Platz fuer die Nacht an und verkoestigte mich mit einem vorzeigbaren diner, waehrend im Hintergrund The Big Bang Theory lief.

Level 61: Confrontation on Cable Bay (Boss)

Samstag, 18.02.2012

Das Vorhaben, den Queen Charlotte Track entlang zu trotten gab ich auf, da ich den gewundenen Track in den Wirren des Marlborough Sounds nicht fand und irgendwann in Havelock heraus kam, einem weiteren kleinen Nest irgendwo in den Buchten im Nordosten der Suedinsel. Viele Halbinseln umgeben den Hauptort Picton, Halbinseln, die weitere Halbinseln gebaren und schliesslich ein unpassierbares Gewirr aus schwimmenden Wald- und Strandhuegeln bildeten. Wunderschoen, keine Frage, aber gut genug, um sich darin zu verlieren und niemals wieder heraus zu finden.

Freund Iffys Wanderfuehrer beschrieb den Queen Charlotte Track als erschreckend einfach und familienfreundlich, also ohne grosse Herausforderungen von jedermann zu bewaeltigen. Nach dem Megakampf Hole in the Rock und der Weltrettung also alles andere als ein angemessenes challenge fuer mich. Somit war es eine gute Idee, in Cable Bay einzukehren, wo ein anstrengender Aufstieg auf einen Schafshuegel auf mich wartete. Cable Bay erlangte vor mehr als 100 Jahren etwas Beruehmtheit, als ein unterozeanisches Kabel nach Australien gelegt wurde. Dies wurde spaeter aufgegeben, als die Nordinsel mehr Wichtigkeit erlangte. Pepin Island, eine weitere Huegelinsel unweit des Strandes, ist durch eine boulder bank noch immer mit dem Festland verbunden.

Der Aufstieg auf den Schafhuegel war nicht einfach und schwierig war es auch, Mensch- und Schafswege zu unterscheiden und den vielen Exkrementen auszuweichen. Ich betrat einen schattigen Wald mit lauten Hintergrundgeraeuschen, erreichte den Abstieg nach Glenduan und folgte auf weiteren ein oder zwei Kilometern den boulder banks, faszinierenden Steinformationen, die sich wie eine Bruecke ueber den strandnahen Ozean frassen. Beim Rueckweg zu Areta weigerte ich mich, den selben Weg noch einmal einzuschlagen und so bahnte ich mir den Weg auf dem steinigen Strand. Ich sprang von Felsen zu Felsen, hatte ueberraschend viel Spass dabei, voran zu trotten, doch irgendwann, als die Felsen groesser als mein Auto wurden und erschreckend weit auseinander standen, musste ich mir einen weiteren Weg bahnen. Mein Blick ragte nach oben, entlang an den Steilklippen, die in meinen Augen bezwingbar waren. So fasste ich etwas Mut, kletterte den erdigen Hang hinauf, positionierte meine Beine sicher auf den Felsen und erschrak, als ich auf der Mitte erkannte, dass es um einiges hoeher war, als angenommen. Da ich noch einige Stunden Tageslicht hatte, sollte ich die Kletterei bewaeltigen koennen. Ich dachte an meine Muenchner Lieblingssportlerin, die sicherlich stolz auf mich waere, saehe sie mich von Wurzel zu Wurzel schwingen und Abgruende ueberwinden. Distel schnitten in meine Beine, gelegentlich schluckte ich beim Blick in die Tiefe, aber als ich schliesslich wieder Schafsbollen entdeckte, fasste ich Hoffnung. Die bislang gefaehrlichste Wanderung fand ein Ende, als ich auf dem Huegel in der nahen Ferne mein Auto erblickte und ihr voller Erleichterung entgegen rannte.

 

Sixth Boss Vanquished!

Zeit: 14.30 - 20.15 (5,75 Std.)

Soundtrack: Hyenas (The Lion King)

Verbrauchte Leben:  1 (diverse Schuerfwunden)

Anstrengung: ***

Gefahr: *****

Distanz: ca. 13 km

Kosten: -

Companion: -

Schoenheit: ***

Level 62: The Sanctuary of Sun and Rain

Samstag, 18.02.2012

Ein weiteres Hostel voller Deutscher, The Palace, fand sich inmitten der Sonnenstadt Nelson, aber gluecklicherweise teilte man mich einem dorm mit ein paar Franzosen zu. Joss war ein wenig zu talky, wohingegen der weitaus interessantere Bettnachbar kaum sprach. Als Reisepartner waere er hervorragend gewesen, aber er war schon an sein Fahrrad vergeben. Ein Schweizer war auch Teil der Abendgesellschaft; sein karikaturenhaft schlechtes Englisch ("I must load my handy") kruemmte mir die Nackenhaare. 

In Nelson gab es neben hunderten von Touristen einiges zu entdecken: Das geographische Zentrum von Neuseeland lag auf einem Huegel, der Church Hill bot eine wunderschoene Kathedrale mit einem Labyrinth neben dem Altar (das Ziel einer Pilgerreise), aber das interessanteste Phaenomen war das Wetter: Neben Sonnenperioden stiess gleichzeitig auch der Regen durch, mal sanfter, mal hartnaeckiger. Stellenweise suchte ich Unterschlupf (in den bezaubernden Dehner-aehnlichen Miyazu Gardens), und es liess sich auch nicht vermeiden, im Laufe des Nachmittags Sonnencreme aufzutragen. Der Verkehr in der Stadt war schlimmer als der von Grossstaedten wie Auckland und Wellington, aber schliesslich gelang es mir, bis zur Ruby Coast vorzustossen, ein malerischer Kuestenabschnitt unweit von Nelson.

Dort fuehlte ich mich, als waeren die main quests von Super Kiwi Island erfuellt, als ich mich mit meiner Lektuere am Strand ausdehnte, wo gelegentlich Nackerbezen umher sprangen. Dort fing ich Sonnenbrand Nummer fuenf oder sechs sein, trotz sunblocker, der anscheinend nicht gegen die ueberwaeltigende Macht der Suedsonne ankaempfen konnte. In Mapua konnte ich etwas Geld sparen, denn mein Budget war nun fast aufgebraucht und bis der Kredit eintreffen sollte, war es meine Hauptaufgabe, wie ein Landstreicher kostenguenstig zu ueberleben. Und dies konnte ich wunderbar plantschend in den Fluten, doch nicht fuer lange, denn der Ozean war kalt und die Sonne unerbittlich. Ich schrieb den Anfang einer Kurzgeschichte, lernte Zeilen des Neuseeland-Sommer-Mitsingsong Everything's Gonna Be Allright und freute mich ueber Nachrichten von Tom und Rob.

Level 63: Hope on Harwood's Hole

Samstag, 18.02.2012

Tom, der mit seinem Freund in diesen Tagen die Suedinsel bereiste, fand mich auf einer beliebten Internetplattform und konnte es kaum erwarten, mich im Abel Tasman National Park anzutreffen. Dieser beliebteste (und auch kleinste) der 14 Parks in Neuseeland wurde 1942, ganze 300 Jahre nachdem der niederlaendische Seefahrer Abel Tasman seine Fuesse auf Super Kiwi Island setzte, gegruendet. Es war das Paradis fuer Kayakfahrer (nicht fuer solche, die gerade Geld sparen muessen), bot neben atemberaubenden Straenden dichte Waelder und saftige braun-gruene Wiesen. 

Am Ende der Canaan Road, der wohl gefaehrlichsten Strasse, die ich je mit Areta bereiste, fand sich ein Parkplatz, von dem aus eine Wanderung zum Harwood's Hole unternommen werden konnte. Schluchten lauerten neben der einspurigen Kiesstrasse und entgegen kommende Fahrzege bildeten stets das groesste Problem fuer mein geplagtes Fahrzeug. Waehrend ich mich zum Ziel bahnte, warteten Tom und Rob an Harwood's Hole. Als ich dort ankam, fand ich nichts und niemanden vor, ausser das tiefste Loch in der suedlichen Hemisphaere, eine bodenlose Gefahr. Viele Wanderer verschwanden und verstarben in den ungesicherten Tiefen des Hoehlensystems, sagte mir eine Kiwi-Wegelagerin. Es war mir auch nicht moeglich, mit Tom und Rob Kontakt aufzunehmen, da auf den Spitzen des Takaka Hills keinerlei Handyempfang moeglich war. Fuer eine Sekunde ueberlegte ich, ungesichert in das Loch zu steigen. Adventure befell me. It is a serious undertaking and all members must be proficient at single rope techniques, sagte mir ein Schild, dem ich lange Beachtung schenkte. Es sprach von abseiling, ein Wort, das mir sehr gefiel und natuerlich hatte es Recht mit seiner Warnung. Es blieb noch der nahegelegene Chetwood Forest, durch den Aragon einst die Hobbits fuehrte, als sie Bree verliessen und ich fand auch den Huegel, an dem Sam sagte: "If I take one more step, it'll be the farthest away from home I've ever been." Ich wagte diesen Schritt.

Level 64: Abel Tasman Coast Track

Sonntag, 19.02.2012

Der betoerend schoene Abel Tasman National Park hielt mich noch einen weiteren Tag in seinem gruenen Griff, doch ich folgte nicht dem Level-Easy Coast Track, denn dieser verlangte vorherige Buchung von suendhaften Huetten, den Kauf eines Great Walk Wanderpasses und drei- bis viertaegige Kondition. Natuerlich haette ich den Track in zwei Tagen geschafft, denn ich waere schneller gewesen und ein Leben haette mir genuegt.

So wanderte ich durch die Farne, blickte auf die entfernte Fisherman's Island und auf die wesentlich groesse Adele Island und dachte an die Lady, die derzeit mit Bruno und Katie eine erschreckende Macht auf die Radiostationen des Landes ausuebt. Da der Track so verboten eben und einfach zu laufen war, gruesste ich jeden entgegen kommenden Wanderer, selbst den verwoehnten Veronikas, die beim Gehen betruebt und gelangweilt auf den Boden starren. Alleine unterwegs zu sein stand diesen Maedels genaus so wenig wie mir Strumpfhosen stehen, abgesehen natuerlich von space-silbernen. Gern haette ich angehalten, das gelangweilte Maedel geohrfeigt und gesagt: "Verwoehnte Veronika! Ei! Du bist hier im Land der Riesenfarne auf dem beliebtesten Track des beliebtesten Nationalparks im vielleicht beliebtesten Land der suedlichen Hemisphaere! Zeig ein wenig mehr Enthusiasmus!" - "Ich hasse Wanderer", sagte in der Bay of Islands einst eine andere verwoehnte Veronika (sicherlich ein Einzelkind aus einer nichtbayerischen Grossstadt) und auch damals dachte ich mir, "Maedel, wie willst du hier dann ein paar Monate ueberleben? So viel Geld hat Papi dir sicherlich nicht mitgegeben, dass du jeden Tag skydiven und paragliden kannst".

Der Coast Track bot neben den zahlreichen Familien auch Voegel, die aufgescheucht viel zu faul waren, um davon zu  fliegen. Stattdessen rannten sie ein paar Meter ins Gebuesch. So flugfaul, diese Biester! Ich ueberquerte rivers, creeks, gulches, streams, culverts (ueberraschend viele verschiedene Woerter fuer Wasserlaeufe), fand eine Eierhoehle am Pota Pota Strand, die mich an Plok erinnerte (fuer die wenigen, die wissen, wovon ich spreche und die auch wissen, wer Dr. Faustus wirklich war), sang ein paar Songs, unter anderem auch mein persoenliches Tribut fuer die gute Frau Houston, die ich mit meinem Lieblingssong I Learned from the Best wuerdigte; ein Satz, den ich des Oefteren zu bestimmten Leuten sage, je nach Kontext. Der kleine Anglist in mir freute sich ueber die tantalising walks over the undulating area und fuer den vierstuendigen Rueckweg steckte ich ein kleines challenge in den Spaziergang, als ich beschloss, komplett barfuss voran zu schreiten.

Als es langsam dunkelte, hielt ich auf einer Raststaette an und sah, wie dort ein Junge mit seiner leeren Flasche um die oeffentliche Toilette herumirrte. "You're not going to find water here", sagte ich ihm. Wir kamen ins Gespraech und im Laufe desselben stellte ich ihn die Frage nach seiner Herkunft, da mir auf erschreckende Weise sein Akzent auffiel. "Germany", bestaetigte er meine duestere Vorahnung. "I see", sagte ich und seufzte leise. 

Level 65: Julian Joins the Party

Mittwoch, 22.02.2012

Seine facial features verrieten verborgene griechische Wurzeln, sein Kinn war spitz, die Nase so gerade wie das Gesicht stolz war. Seine Aehnlichkeit mit einer Disney-Figur der spaeten 90er schmeichelte ihm und sein Stolz, in Konstanz studieren zu koennen, kam im Laufe des Gespraech immer weiter zum Vorschein. Waehrend der langen Weile, die wir in Abel Tasman National Park gemeinsam verbrachten, erfuhr ich vieles von dem 23-jaehrigen: Von der Oma in Singen, von unkompletten Liebschaften und von seiner nicht enden wollenden Faszination der gefaehrlichsten Drogen. Natuerlich stellte ich ihm auch die unvermeidliche Frage, die den Fortgang unseres Gespraechs beeinflussen sollte. "So what's your preference?", wollte ich wissen und blickte ihn streng an, nachdem ich ihm die Haelfte meiner Wasserflasche umfuellte. Die Hitze des Nachmittags zehrte stark an seinen Vorraeten und da er den kompletten mehrtaegigen Track ablief, war am Ende nicht mehr viel uebrig. "Do you prefer speaking German or English?" Er gab die einzig richtige Antwort und ich war froh, erstmals seit Anna in Te Aroha einen Deutschsprachigen gefunden zu haben, der tatsaechlich auf die Benutzung der Gemeinsamen Sprache verzichtete.

Ich lauschte seinen Geschichten mit grossem Interesse, von Abenteuern auf den Great Walks, vom Heaphy Track, der tagelange Kondition verlangte und der am Ende den Wanderer mit einem atemberaubenden Blick auf den Ozean entlohnte; von seinen bundesweiten Erfolgen in Counter Strike und von fruehesten Begegnungen mit Prinzessin Zelda; von wilden Versuchungen in der Vergangenheit und von seinen Leidenschaften auf den weiten Feldern der Chemie. Sein Blick auf Drogen war durchaus neutral, aber durch sein studiertes Wissen und sein duesteres Inneres koennte er eines Tages der dunklen Seite verfuehrerisch nahe kommen.

Wir verstanden uns, und im Laufe der Unterhaltung auf dem Picknickplatz hoerte ich irgendwo im Fernen eine leise Fanfare ertoenen, als ueber unseren Koepfen ein Textbalken erschien, in dem Julian joins the party zu lesen war. Er packte sein Zelt und all seine anderen Habseligkeiten in mein Auto und wir verbrachten die erste Nacht auf einem Parkplatz in der Abel Tasman-Ausgangsstadt Motueka.

Der Folgetag versprach hochkaraetigen Sonnenschein, der uns an den Strand von Kaiteriteri trieb; nicht sehr touristisch und wundervoll weicher Sand der beruehmten Golden Bay zwischen unseren Zehen. Mir gefiel es auch, dass mein neuer companion in Lausbubengeschichten seinen Platz fand, als wir mehrmals ueber den Zaun stiegen, um im Recreation Centre die Duschen zu benutzen. Welch herrliches Gefuehl fuer zwei stinkende Backpacker, die seit einer Woche ausschliesslich im Auto oder im Zelt schliefen und deren Morgentoilette sich auf simple Katzenwaesche beschraenkte!

Level 66: The Sacred Waters of Pupu Springs

Donnerstag, 23.02.2012

Der Mann aus dem Westen schloss sich mir an, obwohl ich ihn eben die Region bringen sollte, aus der er gerade kam. Er erkundigte den Abel Tasman National Park aufs Genaueste, blickte selbst in den Schlund von Harwood's Hole, bevor er dort einen der hinreissendsten Sonnenuntergaenge in den Bergen ansah. Lange verweilte er in der Gegend um Takaka, the city of Hippies, wo das erdennahe Luminate-Festival Musikbegeisterte, Koryphaeen, Grenzgaenger und Oekofritzen anzog. Julian war einer von ihnen und als wir durch Takaka spatzierten und den Charme der 68er erleben wollten, gruesste er diversen bekannten Gesichtern, selbst einer Komilitonin aus Konstanz, die er ueberraschenderweise in Neuseeland wieder fand.

Wir goennten uns ein gigantisches Waffeleis, er fuer sich als Belohnung fuer den erfolgreichen Abschluss des Heaphy Tracks und ich dafuer, dass ich in den letzten Tagen mit ausserordentlich wenig Geld haushalten konnte. Unter einem Baum sass Gandalf, der einige umsitzende Langhaarige, wahrscheinlich Elben, emsig belehrte. Vom Cafe aus konnten wir gut das hustle und bustle der Kleinstadt verfolgen, verstanden aber nicht die weisen Worte des grauen Pilgerers.

Die Wainui Falls boten allerlei Pracht und beide haetten wir uns gerne darunter gestellt, waere das Wasser nicht so erschreckend kalt gewesen. Wir durchquerten Pohara, der Ort, an dem Tom und Rob verweilten, zwei Tschechen, die ich niemals traf, die aber ihren Auftenthaltsort als malerisch schoen beschrieben. Und das war er in der Tat, denn die abgefraesten Klippenwaende, die es Autos ermoeglichen konnten, zu passieren und bizarre Silos an den Haengen verliehen Pohara einen ausserordentlich fremdartigen Flair.

Etwas weniger abgelegen lagen die Waikopupu Springs, die angeblich reinsten Frischwasserquellen des Landes. Ein eerie light beleuchtete die geheiligten Gewaesser, die von keinem Menschen betreten werden duerfen. Ein maechtiger Maori Waechter sorgte fuer die Einhaltung der Gesetze und gefaehrliche Strudel trugen ebenso dazu bei, den dancing sands auf dem Grund der Pupu Springs fern zu bleiben.

Level 67: Whims of Nature on Farewell Spit

Donnerstag, 23.02.2012

Es war sehr praktisch, jemanden mit Topf und Gaskocher im Gepaeck gefunden zu haben, denn eines abends boten Julians Wuerste eine willkommene Abwechslung zu den allgegenwaertigen sandwiches und Muesli-Kombinationen. Am Tage des ersten Jahrestages des Christchurch-Erdbebens traten Julian und ich gewaltigen Regenschauern entgegen. Er zeigte mir eine Bruecke in der Umgebung von Takaka und sagte mit duesterer Stimme: "I've spent one night here". Wie eine Oase thronte der Schutzbau der Bruecke im Regen, aber dennoch blieb donnernder Verkehr und steiniger Untergrund. "It was horrible". Anderen Campern schien all das nichts auszumachen, denn es fanden sich einige Autos, die unter Julians Bruecke in den Tag starteten.

Unser Weg fuehrte uns in die noerdlichste Ecke der Suedinsel, Cape Farewell, wo unheimliche Winde begierig versuchten, uns in den Abgrund zu ziehen. Um zum nahegelegenen Strand vorzustossen, galt es, dunkles Wasser, einen Lauf getraenkt in Eisen, wie mir der Chemiker an meiner Seite erklaerte, zu ueberwinden. Die Tiefe war unmoeglich zu ermessen; einzig unser Mut vermochte der Pruefung standzuhalten. Es reichte bis zum Oberschenkel an der tiefsten Stelle und letztendlich fanden wir uns auf dem abgelegenen Wharariki Beach wieder, wo der Wind die gewaltigen Sandmassen aufscheuchte und dem ganzen eine sehr aegyptische Aura verlieh.

Vom Wind aufgescheuchtes Wasser sah aus wie der Lebensstrom, Felsenformationen auf der offenen See liessen selbst das Hole in the Rock alt aussehen, denn deren holes waren um einiges zerfressener. Als wir barfuss weiter liefen, fanden wir caves und crevasses in den Felsen und im Laufe des Weges trotzten der Stroemung so lange wir nur konnten. Am Ende war es die Flut, die uns das Weiterkommen versperrte.

Am Farewell Spit, der langen, hauptsaechlichen sandigen Landzunge, die tief in die Tasman Sea reichte, fanden wir ein erstaunliches Wattmeer voller knoecheltiefer Pfuetzen, waessrigen Rinnsaelen, Myriaden von Muscheln und black swans. Der Wind bliess in uns in den Ruecken, was so lange angenehm war, wie er trocken blieb. Heftige Regenfaelle setzten bald darauf ein und als ich entschied, zum Auto zu laufen, hoerte der Regen auch schon wieder auf. "Okay, let's go on then." Mir kam eine Idee. "Wouldn't it be great to turn this level into a bosslevel?", schlug ich vor. "I mean, let's walk up to the very end!" Julian blickte mich hoffnungslos an und sagte: "Sorry to disappear you-" -"disappoint" - "Sorry to disappoint you but it's way too far. And there's nothing but dunes all the way". Er hatte natuerlich recht, doch ich hatte schon extrem viel Spass dabei, gegen den Wind zu rennen und jungfraeulichen Sand zu entweihen, der dank der Naesse stabil genug war, uns zu tragen. Zudem bliess der Wind seine maechtigen Boeen umher, garnierte sie mit Sand, die sich im Gesicht wie 10.000 Nadeln anfuehlten. 

Level 68: Mount Arthur's Realm of Clouds (Boss)

Dienstag, 28.02.2012

Eine spaete Rueckkehr nach Motueka liess uns erzittern, denn die Tankanzeige war erschreckend niedrig und die zu passierenden Berge hoch. Letztendlich bewaeltigten wir es, konnten Areta auf dem Weg ins Tal rollen lassen und so trieb uns der Schwung ins rettende Motueka hinein, wo wir uns wieder auf dem Parkplatz ausbreiteten. In der i-site holten wir uns wieder den Rat der Allwissenden ein, hochinformierte Angestellte, die auf jede nur erdenkliche Frage eine Antwort wissen. Es war ein Ziel fuer die naechsten Tage, das Dimrill Dale ausfindig zu machen, jene Ebene jenseits des Osttors von Moria, wo die Gefaehrten einen Augenblick verweilten um den schmerzhaften Verlust ihres Anfuehrers zu verarbeiten. Doch das lag noch in der Ferne und so steuerten Julian und ich Mount Arthur an, laut Iffy's Wanderrouten-Fuehrer eine der beliebtesten Tracks des Landes.

Um zum carpark zu gelangen, galt es eine schrecklich enge und wahnsinnig ansteigende Kiesstrasse zu bewaeltigen - ein gewaltiges Unterfangen fuer mein geplagtes Auto, das sich im ersten Gang hinaufschob. Gerade die letzten vier Kilometer, die mit 820 Hoehenmeter brutale Herausforderungen bot, unter anderem auch wegen den irrsinnigen cattle stops, trieben den Schweiss in den Nacken, aber irgendwann erreichten wir den Abstellplatz. Es war um einige Grade kuehler als gewohnt und so huellte ich mich in jumper und rain jacket ein. "Man", sagte Julian, "my balls will be freezing before we reach the summit". Dennoch beharrte er auf seiner Entscheidung, mit kurzen Hosen in die Wolken aufzusteigen.

Wir lasen von "einen der spektakulaersten Wald- und Kammwanderungen durch Marmor- und Karstlandschaften", "ueber einem komplexen Hoehlensystem mit vielen unerforschten Schaechten", aber all das konnte nur selten bestaunt werden, da uns extrem kalter Wind um die Ohren schlug. Dennoch hatten wir an einer Stelle Gelegenheit, unter einem Regenbogen zu passieren, dessen beide Enden sichtbar im Waldgebiet unter dem Kamm sichtbar waren. Als wir ihm naeher kamen, teleportierte sich der farbige Bogen einige Meter voraus. Die Finger gefroren, die Wanderer ueberholten uns und die Gipfelgegend war vollstaendig in einer gigantischen grauen Wolke verborgen. Darin herrschten die bislang kaeltesten Temperaturen, die ich in Super Kiwi Island spueren durfte. "I want the weather to change", sagte Julian mit bockiger Stimme. Und in der Tat, nachdem er einige Male ein four-letter-word laut aussprach, aenderte sich die neblige Aura und brachte mit noch heftigerem Wind eiskalte Regenschauer mit sich, der uns von der Seite anpeitschte. "Oh, oh, I think, God heard me", sagte er reuevoll bevor wir uns verdrossen entschlossen, zum carpark zurueck zu klettern.

 

Seventh Boss Vanquished!

Zeit: 08.15 - 14.00 (5,75 Std.)

Soundtrack: The Wind Never Ceases (Secret of Mana)

Leben: 1 (Knacks im Knie)

Anstrengung: ****

Gefahr: **

Distanz: ca. 11 km (aber 860 Hoehenmeter)

Kosten: - (abgesehen von viel Sprit auf der zaehen Bergstrasse)

Companion: Julian

Schoenheit: *

Level 69: The King of the Hill

Dienstag, 28.02.2012

Wir erwachten im Nelson Lakes National Park - der vierte auf meiner Reise (Mount Arthur war am Vortag ein kurzer Abstecher in den waldbeladenen Kahurangi National Park) - und vielversprechender Sonnenschein brachte die Hoffnung zurueck. Der Mount Robert war eine weitere Empfehlung des Wanderrouten-Fuehrers und da er im Lonely Planet Guidebook keinerlei Beachtung fand, wussten wir, dass wir in den naechsten Tagen keine Deutschen oder Dutchmen finden werden. Ich konnte wieder einmal nicht wiederstehen, eine kleine, leicht gefahrbeladene Abkuerzung ueber Schotter an einem nicht allzu steilen Steilhang einzunehmen, um wundervolle Felsformationen aus der Naehe bestaunen zu koennen. "I'll continue to write your blog when you die", sagte Julian. "And I'll write it that way: Then we passed some bushes, then some trees, then we saw a Kiwi-bird, no wait, it was just another ordinary lazy-to-fly bird, then we climbed a little, then Martin fell down a crack and died, then I said 'hi' to a hot girl that passed my way, then I went on and finally reached the top".

Er folgte mir trotz aller Bedenkten, haette aber gern die Autoschluessel in seinen Haenden gespuert. Ich blieb standhaft, trieb ihn an und als wir den Huegel erklimmten und uns ein wundervoller Blick auf Lake Rotoiki und dem winzigen Kaff St. Arnaud (das nichtsdestotrotz der Hauptort dieses Teils des Landes ist) gegoennt war, verzieh er mir alle Tollheiten. Dafuer musste ich nun seinen nicht enden wollenden Geschichten lauschen; von der New World Order, in der die Koenigin der Niederlande involviert war und ihren Bestrebungen, die Weltherrschaft an sich zu reissen. Dies alles klang wenigstens halbwegs unterhaltsam, aber schliesslich kam die Oberflaechenspannung des Wassers, die er als Chemiker um einiges interessanter fand. "And do you know what happens when water freezes?" Schon als er die Frage stellte, war mir klar, dass ich auf dieser stundenlangen Wanderung alle Mysterien der Physik erlernen durfte. Ich verlangsamte meinen Schritt ein wenig, war dankbar, nicht allen Ausfuehrungen lauschen zu muessen, schritt aber immer wieder ein, wenn ich einen grammatischen Fehler oder ein Ausspracheproblem entdeckte und war am Ende ziemlich froh, als wir das Auto erreichten. Dennoch lernte ich viel, auch Querverbindungen zwischen Dragonball und Gute Zeiten, Schlechte Zeiten, die mir bislang verborgen blieben.

Level 70: Endurance Round on Robert Range (Boss)

Dienstag, 28.02.2012

Wie schoen, endlich einen Liebhaber gefunden zu haben! Weitgereist, gebildet, schwungvoll und mit einem self-importance, dass selbst Austin Powers rot werden wuerde. Der Morgen war kalt und die Sonne konnte die wattefetten Wolken nur ansatzweise durchstossen. Julian war zweifelsohne ein Liebhaber der Natur und der Herausforderungen und fuer unseren zweiten gemansamen Endkampf suchten wir uns Mount Robert aus, der an sich keine grosse Schwierigkeit darstellte, aber da wir unsere Route bis aufs Aeusserste ausbreiteten, kamen wir tatsaechlich ans Ende unserer Kraefte. Mit einem Backpack voll mit meinen neuen Lieblingsfruechten (keine Kiwis, sondern Avocados), diversen sandwiches und viel Energieriegeln begannen wir den Angelus Circuit anzugreifen, der im Wanderroutenfuehrer fuer drei Tage angelegt war. Natuerlich folgten wir nicht jedem vorgeschlagenem Track und liefen nicht im Granny-Tempo und so kamen wir schnell voran. Bald schon hatten wir den Gipfel des Berges von 1.794 Metern erreicht (nur ein Meter weniger als der wolkenschwere und eisige Mount Arthur einige Tage zuvor), doch diesmal reichte die Sicht hinter die vielen Seen des Nelson Lakes National Parks bis in den Kahurangi Park.

Auf der langen Reise gingen uns irgendwann die Plauderthemen aus und Julian beharrte immer wieder auf seinen "Tell me something interesting", woraufhin ich nur mit einem Lied antworten konnte. Diverse Songs aus Evita oder dem Lion King boten Antworten zu nicht gestellten Fragen und durchaus kurzweilige Unterhaltung in grossen Hoehen. Kaskadenfaelle bezauberten und gruene, moosartige Waldbueschel in unabschaetzbarer Entfernung faszinierten. "Man!!", bruellte Julian, "I'd like to catch all that in a picture, but it's simply impossible". Er hatte Recht, denn wir waren umgeben von sakrischer Schoenheit und selbst seine Panorama-filmings konnten die sheer awesomeness of naked nature nicht gebuehrend einfangen.

Die Stunden verrannten; Julian lernte ein Gedicht von Goethe, wohingegen ich mich mit einer Parodie (Die Freuden des jungen Werthers) begnuegte. Uns begegnete ein Israeli auf dem Weg, ueber den ich, nachdem wir ihn hinter uns gelassen hatten, ausfuehrlich mit meinem Reisepartner sprach. Was keiner von uns wusste, war, dass uns der Israeli folgte und grosse Teile des peinlichen Gespraechs belauschte. Schweigend und grimmig blickend ueberholte er uns liess uns fuer immer hinter sich.

Der Weg war lang, der Ausdauerkampf zog sich wie Hole in the Rock aehnlich in die Laenge, aber Schokoriegel dienten als Gummibaerensaft und so kamen wir schliesslich, just in dem Moment, als sich der Schleier der Nacht ueber uns ausbreitete, am carpark an. Julian hoffte, dort ein Possum vorzufinden. "Did you know that you are allowed to kill them without any consequences?" Ich wusste von den pest animals, die sich gern ueber Kiwi-Eier hermachten, wuerde es aber vorziehen, sie nicht in Boba-Fett-Manier auszumerzen.


Eighth Boss Vanquished!

Zeit: 09.00 - 21.00 (12 Std.)

Soundtrack: Break my Stride (Blue Lagoon)

Leben: 1 (Sandfliy-Stiche am Lake Rotoiki)

Anstrengung: ****

Gefahr: **

Distanz: ca. 24 km (1180 Hoehenmeter)

Kosten: -

Companion: Julian

Schoenheit: ****

Level 71: Young Gandalf's Misfortune

Freitag, 02.03.2012

Die Stadt Westport machte sein Vermoegen mit schwarzer Kohle, aber alles, was Julian und ich mitbekamen war ein verregneter Tag in der public library, wo ich meine Elektrogeraete auflud und Asterix Comics lass. Julian, begierig darauf, den beliebten Inland Pack Track abzulaufen, wurde enttaeuscht, da die vielen Flussueberquerungen wegen Ueberflutungen nicht moeglich waren. Ich selbst blieb vorsichtig bezueglich des Vorhabens, das auch nach der Regenzeit gefaehrlich werden konnte. Zudem wuerde ich mich nicht wohl fuehlen, stundenlang mit meinen geplagten Wanderstiefeln im Wasser zu waten. "But that's the fun about it", sagte die i-site-lady. "In fact, I would much more prefer to walk barefoot", sagte ich zu ihr, woraufhin sie mich unglaeubig anblickte. Auch ihree Kollegin schwenkte ihren Kopf in meine Richtung. "Only parts of it, of course", fuegte ich hastig hinzu. Sie riet mir davon ab, erklaerte mir die Schwierigkeiten und in ihrer Stimme hoerte ich immer nur "du dummer Bua, wie kannst du auf so eine Idee kommen".

In Punakaiki, der Stadt der beliebten Pancake Rocks, einem der meistfotographierten Naturphaenomaene des Landes, fanden wir am Ende der Bullock Creek Road, dass eine Ueberflutung alle Weiterfahrt versperrte. Dort kam uns ein junger Bursche entgegen, der barfuss durch die immense Pfuetze stapfte. Der Hagere mit den langen blonden Haaren und dem bloendlichen Bart erzaehlte uns von seiner Misere, von seinem Van, der in den Fluten feststeckte und von seiner Freundin, die darueber ganz und gar nicht amused war. "That's unfortunate", sagte ich. Julian bot ihm dann einen lift mit Areta ins nahegelegene i-site an, wo ihm hoffentilch Hilfe ereilen konnte. Ich stimmte etwas wiederstrebend zu und so fuhren wir zu dritt die waessrige Strasse zurueck in die Stadt. Um die angspannte Atmosphaere etwas aufzuheitern, sagte ich zu meinem ganz und gar nicht rasierten Beifahrer: "Do you know that you look like a young Gandalf?" Hinter mir spuerte ich, wie Julian mit den Augen rollte. Meinem Beifahrer gefiel diese Bemerkung nicht, er blieb weiterhin bierernst und erwaehnte nur seinen stecken gebliebenen Van mit der grantigen Freundin.

Letztendlich hatte er Glueck, denn die army kam mit Amphibienfahrzeugen die ueberflutete Bullock Creek Road hochgefahren und so wurden all seine Probleme geloest und die Freundin gluecklich gemacht. Julian und ich besuchten indes die imposanten Pancake Rocks, liessen uns von der Natur nass spritzen, lauschten den dumpfen Geraeuschen aus den Hoehlen und den wows der Touristen und fuhren gegen Ende des Tages auf einen Friedhof, wo wir eine makabre Camping-Gelegenheit fanden, nachdem uns ein Parkplatzwaechter unter Androhung einer Strafgebuehr aus Punakaiki vertrieb.

Level 72: Leviathan - The Guardian of Dilemma Creek (Boss)

Freitag, 02.03.2012

"Get up, get up", sagte Julian und stiess mich sanft in die Rippen. Es war frueher Morgen neben dem Friedhof bei Charleston, und er konnte es kaum erwarten, den Inland Pack Track abzulaufen, ein weiterer Bosskampf mit hoechst interessanten Passagen, wie wir sie nie zuvor auf unseren Wegen vorfanden. Am Vortag war es regnerisch und die Aussichten fuer diesen wolkigen Tag waren alles andere als zufriedenstellend, aber schliesslich gab ich nach und fuhr zurueck nach Punakaiki, wo wir unser Auto auf einem flutensicheren Parkplatz abstellten.

Wir liefen die Bullock Creek Road entlang, wo wir nur 24 Stunden zuvor eine gigantische, unpassierbare Wasserpfuetze und einen verzweifelten jungen Gandalf antrafen. Das wahre Abenteuer begann am Ende der Strasse mit der ersten Flussdurchwatung. Hier zog ich meine Wanderschuhe aus und sollte sie fuer die naechsten sieben Stunden nicht mehr benoetigen. "Ooohh, it's so cold", stoehnte ich, als ich in die kalten Fluten stapfte. Mit 16 Grad war dieser Tag bei weitem nicht optimal fuer ein derartiges Unterfangen. "Come on, be the top-guy and follow me", sagte Julian, der schon bis zu den Knien im Wasser stand. Im Dschungel behielt ich meinen barfuss-Marsch bei. Knoecheltiefer Matsch und nicht wenigen schroffen Steinen galt es auszuweichen. "Look", sagte Julian und zeigte auf einen kleinen Vogel, der nicht die kleinste Spur von Angst vor Menschen zeigte, "he brought me a worm". - "He?", fragte ich. "How would you know it's a 'he'?" - "I don't know, but he's cute", sagte Julian. Wir einigten uns darauf, dass wir den Flussgott Leviathan in einer seiner animalischen Formen gegenueber standen. Der Waechter des Dilemma Creek versuchte uns zweifellos mit dem Wurm, den er uns brachte, in eine Falle zu locken. "Still, he was cute".

Der Fossil Creek begann nach einigen teils muehsamen Stunden durch den Dschungel. 'Wer hier nach einem Pfad Ausschau haelt, wird vergeblich suchen', sagte der Wanderrouten-Fuehrer. So folgten wir dem Wasserlauf, stepped from side to side, from stone to sands, from grass to gravel. Bald schon liess ich Julian hinter mir. Er rief: "Man! How can you do this?" Er war barfuss-laufen ueber kahle Steine nicht gewohnt und ich sah keinerlei Schwierigkeiten darin, schuhlos beinahe ebenso schnell wie schuhbehaftet voran zu kommen. "I dunno, just feeling like a 12-year old when discovering the secrets of the Griesbach and having a lot of fun". In der Tat: Ich genoss jeden Schritt, konnte die meiste Zeit ein Laecheln nicht verkneifen, griff mir einen wizard's staff und fuehrte meinen companion durch den kalten creek.

'Wer bei den Ueberquerungen des Fossil Creek Schwierigkeiten hatte, sollte jetzt lieber umkehren', sagte der Wanderrouten-Fuehrer, als wir den Dilemma Creek erreichten. Die Wassermassen waren um einiges tiefer und zudem fing es nun an zu regnen. Wir wussten beide, dass wir so schnell wie moeglich voran kommen mussten, ansonsten wuerden uns die Fluten einschliessen und jegliches Entkommen verhindern. Links und rechts vom Fluss thronten Klippen auf; der Fluss war der einzige Weg. Ich zaehlte die Ueberquerungen des Dilemma Creek's kalten Wassers und als wir bei Nummer 20 ankamen fanden Julian eine tiefe Wassermasse vor. War dies das Ende? Gab es keinen anderen Weg? Konnten wir vielleicht die Klippen hochklettern wie ich es in Cable Bay tat? Julian forschte im kalten Becken, zog sein T-Shirt und Hose aus, schwamm ein paar Meter und hatte bald wieder sicheren Grund unter seinen Fuessen. Er kam zurueck, transportierte unsere backpacks ueber seinem Kopf und ich erschauderte schliesslich, als ich begriff, dass nun ich an der Reihe war, durch die Tiefen zu stapfen. Ich zog meine Kleidung bis auf die undies aus und wagte den Schritt ins Unbekannte. "Aaaahhh, this is so cold", schrie ich, als das Wasser immer hoeher stieg und schliesslich meine Brust erreichte. "My balls are freezing!" Ich sagte noch wesentlich mehr, meist Ausdruecke, die in Comicbuechern mit Knochen, Blitzen oder Totenschaedel transkribiert werden. Auf der anderen Seite stand Julian lachend und filmend.

Es kamen weitere crossings, eines durch gewaltige Stroemungen, wo mich mein Gandalf-Stab vom Sturz in die Fluten bewahrte. Am Ende ging es durch den Dschungel und schliesslich fanden wir uns auf einem Parkplatz wieder, wo uns zwei Kiwi-Girls einen lift ins nahe Punakaiki anboten. Abschliessend konnte ich behaupten, den groessten Teil des Inland Pack Track tatsaechlich barfuss zurueck gelegt zu haben. Gern wuerde ich zurueck nach Westport fahren und den i-site-Ladies, die mich am Vortag zweifellos fuer verrueckt hielten, ins Gesicht lachen.

 

Nineth Boss Vanquished!

Zeit: 10.00 - 19.00 (9 Std.)

Soundtrack: We Don't Need Another Hero - Tina Turner (Mad Max 2: Beyond the Thunderdome)

Verbrauchte Leben: 3 (icy feet, icy balls, numerous sharp stones on the soles)

Anstrengung: *****

Gefahr: ****

Distanz: 23 km

Kosten: -

Companion: Julian

Schoenheit: **

Level 73: The Lake of the Ancestors

Dienstag, 06.03.2012

Ich musste Julian Brunner immer wieder daran erinnern, dass wir keinen weiteren Helden brauchen, und auch nicht unbedingt den Weg nach Hause kennen muessen (Mad Max 2) und dass sein Ego bisweilen droht, ins Unermessliche aufzusteigen. Er bewies wieder einmal seine Teufelskerl-attitude, als wir am Lake Brunner ankamen, ein einsamer Bergsee unnah des Staedtchens Greymouth, dem Hauptort der Westcoast. Nur ein Prozent der Einwohner verstreuen sich auf diese 9 % des Landes und diese wenigen bezeichnen sich als pretty rough folk.

Unsere Nachtruhe auf dem Countdown-Parkplatz wurde von ein paar betrunkenen Kiwis gestoert, doch im Ganzen erhielten wir genug Schlaf, um am naechsten Tag mit frohem Mut und einer windigen Portion Sonnenschein zum Lake Brunner zu starten. Einer seiner Vorfahren koennte in Verbindung mit dem See stehen, aber hauptsaechlich trieb es ihn dort hin, um ein huebsches Foto zu schiessen, das er seinen Verwandten schicken koennte. "And, of course," fuegte er hinzu, "it's time to have a shower".

Waehrend viele N.A.S.E.n (Erklaerung siehe fruehere Levels) gewoehnlich ihre Reisezeit in Bars oder in Facebook verbringen, stinkt der gemeine Backpacker im Allgemeinen. Er campt illegal auf Parkplaetzen oder versteckten Waldwegen (oder abgelegenen Friedhoefen), hat seine Vorraete uebersichtlich geordnet in Kartons im Kofferraum und broeselt beim Essen auf den Sitz. Seine Duschen, versteht sich, sind generell kurze Waschaktionen der auffaelligsten Koerperteile auf oeffentlichen Toiletten oder ein wagemutiger Sprung in nahegelegenen Bergseen. "Gosh, you're so cool", sagte ich wieder einmal leicht ironisch zu Julian. In den letzten Tagen lernte ich, was mein Reisepartner am Liebsten hoert. "A real daredevil who jumps into the cold floods, just to get a bath. And you're so handsome, and your smile is gorgeous and..." - "And I never use shampoo or body lotion", fuegte er hastig hinzu. "Oh, man, you're so tremendously cool". Er bestand auf ein Fotoshooting, das ihn in nassen Paul-Walker-Posen zeigt und ehe wir unsere Reise gen Sueden fortsetzten und einen atemberaubenden Sonnenuntergang ueber der Abel Tasman Sea verfolgten, waren wir beide wieder rein und frohen Mutes.

Level 74: Tears of the Avalanche Girl

Dienstag, 06.03.2012

Der verborgene Saltwater Forest lud zum dem verlockenden Hari Hari Costal Walk ein und warm war der Morgen, an den wir ihm emsig nachliefen. Wie jeder gute Track fuehrte auch er ueber grasige Ebenen, Waldflaechen, Flussueberquerungen und natuerlich an den Strand. Eine Lausbuberei bot sich an einem hochgeklappten Fischersteg und ein bizarres Panorama laechelte uns an, als wir die schneebedeckten Wipfel der 3000er Mount Cook und Mount Tasman in den nahen Southern Alps sahen, waehrend unweit von uns die Abel Tasman Sea grosse Wellen an den Strand spuelte. Als Mutprobe versuchten wir beide, auf einen Felsen zu steigen, an dem sich die Wellen brachen, doch keiner schaffte es in den wenigen Sekunden, die blieben, ehe die Wasserwucht einschlug, auf ihm auszuharren. However, wir hatten viel Spass, vor den Monsterwellen zu fluechten.

Wir uebersahen die junction und gelangten schliesslich an eine Stelle, die das Weiterkommen arg erschwerte. Wieder einmal hiess es, durch kaltes Wasser zu stapfen, was solange halbwegs angenehm war, solange es nicht ueber die Oberschenkel ging. Ich versuchte einen Weg zu finden und es liess sich nicht vermeiden, wieder einmal - nur zwei Tage nach dem letzten nassen Bosskampf - die Kleidung fallen zu lassen und in unbekannte Tiefen zu stapfen. ich hangelte mich mit den Haenden an den Wurzeln des Uferueberhangs entlang und achte mit jedem Schritt darauf, halt zu finden. Schliesslich erkannte ich, dass die Ueberquerung abgebrochen werden musste und Julian, der hinter mir wartete, ging verdrisslich zurueck zum Haupttrack, wo wir letztendlich den high water track fanden.

Den schrecklich touristenueberlaufenen Ort Franz Josef erreichten wir spaeter an jenem ereignisvollen Tag. Unweit des Ortes erstreckt sich Enzed's beliebtester Gletscher - erstmals erkundet im Jahre 1865 von einem Oesterreicher, der ihn nach dem Kaiser benannte - an dem wir in viele staunende Gesichter blicken konnten. In der Sprache der Maori ist dieses Naturphaenomen als "Traenen des Lawinenmaedchens" bekannt und gern waeren Julian und ich naher gegangen, um das weinende Maedel zu troesten. But I came all this way to touch a glacier, sagte die Broschuere. In der Tat dachten viele so, aber ohne ueberteuerte Touren ist es nicht moeglich, einen Fuss auf den lebendigen Naturkoloss zu setzen. Ask the family of the people who have died if it was worth going beyond the safety borders, gab die Broschuere als Antwort.

Im gigantischen Tal plaetscherten entfernte Wasserfaelle herab, huebsche Maedels laechelten uns an (man traf auf diese Barbies nie auf abgelegenen bush tracks) und wir, Julian und ich, sprachen wieder einmal ueber unsere bisweilen verschiedenen point of views. Als ich ihn zum Weitergehen aufforderte, kam ein ploetzliches, ueberraschend ernstes: "For you, it's always this: You need action all the time whereas I am content to have a good balance of both, action and views". Er irrte, verstand nicht, dass ich in den 73 vergangen Leveln von allen moeglichen Eindruecken gezeichnet war. Viele, die erfreuten, bezauberten, verwunderten und auch zu einem gewissen Mass erfuellten. Gelegentlich fuehle auch ich mich wie eine diese verwoehten Veronikas, die sich gelangweilt an ihren handsome lover hingen und alle Leute durch ihre Gucci-Sonnenbrille musterten, bis mich Julian wieder anstupste und in den naechsten Bosslevel trieb.

Level 75: The Black Climb (Boss)

Dienstag, 06.03.2012

In medias res stuerzte uns dieses Abenteuer, kaum nachdem wir den Pfad betraten. Der Westland National Park bot neben den zwei beliebten Gletschern Franz Josef und Fox vor allem steile Wandertracks und der steilste unseres hiking-books war diese gigantische Herausforderung, die schon nach einigen Minuten den Schweiss fliessen liess. Julian ging voran, trieb mich an und bald schon war ich gluecklich, als ich mein eigenes Aufstiegs-Tempo gefunde hatte, dass der whipslinger ausser Sicht- und Hoerweite wanderte. Die Kamahi Baeume ragten hoch und irgendwo zwischen den Dschungelfarnen und den Zedernbaume hinterliess ich ein natuerliches Geschenk, das andere Abenteurer vor dem uebelst steilen Aufstieg abhalten sollte. Nur neun Wandertracks meines Buches waren schwarz markiert - Julian und ich liefen meist auf den roten Routen, die durchschnittliche Fitness und Kondition verlangen - doch dieser schwarze war der steilste von ihnen. Manch anderer Pfad verlangt Eispickel und abseiling techniques, aber ihnen sollte in Super Kiwi Island keinerlei Beachtung geschenkt werden. Jeder Schritt trieb mich einige Dezimeter nach oben; ich griff nach Lianen, wich massig ineinander verschlungenen Baumwurzeln aus und summte das vorantreibende Mosphoran Highwaste, dessen schnelle Rhythmen mir den Aufstieg erleichterten.

"Rauf, rauf, rauf, immer schoen die Treppe rauf", erschallte es von oben und ueber diversen Wurzeln blickte mich der whipslinger mit seinen strahlenden Telleraugen an. Ich zog mich voran, sicher im Wissen, dass ich im Abstieg punkten konnte, da hierin Julians Trittsicherheit bei ansteigender Geschwindigkeit mit meiner nicht mithalten konnte. Wir erreichten den Gipfel des Mount Fox (1.021 m) nach zweieinhalb Stunden uebelster Kraxelei, doch der Boss entfloh zum benachbarten Kamm, der noch weitere 300 Meter ueber unseren Koepfen thronte. Auf dem Weg dorthin genossen wir ein outstanding panorama auf den Fox Glacier, der sich wie ein toter weisser Aal ins Tal voran biss. Der Ausblick-versessene Julian war ein wenig enttaeuscht, als sich Wolken um den Gipfel des nicht allzu fernen Mount Cook schlaengelten und aeusserte auch lautstark seinen Unmut. Ich hingegen liess mich ins Gras fallen, laechelte, und fuehlte mich wie Gandalf, der auf dem Gipfel des Zirakzigil einst den Balrog von Morgoth niederschmetterte. Dass jener Misty Mountain-Gipfel dem Vorzeigeberg Mount Cook sehr aehnlich sah, fiel selbst meinem Gefaehrten auf.

 

Tenth Boss Vanquished!

Zeit: 08.00 - 13.15 (5,25 Std.)

Soundtrack: Mosphoran Highwaste (Final Fantasy XII)

Verbrauchte Leben: 1 (Sturz mit Schuerfwunde am Knie als Folge. "i'm proud of you", Julian said, "you took it like a man")

Anstrengung: *****

Gefahr: **

Distanz: ca. 8 km (ca. 1200 Hoehenmeter!)

Kosten: -

Companion: Julian

Schoenheit: ****

Level 76: A Masterpiece

Samstag, 10.03.2012

Wanderer stroemen nach Wanaka, das weniger aufgehypt und als Queenstown fuer Arme gilt, aber perfekter Ausgangsort fuer hikings in den atemberaubenden Mount Aspiring National Park und Besichtigungen des Sees ist, an dem die Stadt erbaut wurde. Vom Rocky Hill aus blickten wir auf das Umland; ich lauschte Julians Plaene hier und da eine Burg zu errichten und er hoerte mir zu, als ich sagte: "If I were to adapt 'The Hobbit' to the big screen, I would have made this place 'Esgaroth at the Long Lake". Wo die wahren Dreharbeiten stattfanden, wusste ich nicht. Nahe Blenheim passierte ich vor einigen Wochen eine Bruecke, an der die Faesser-Szene gedreht wurde.

Wir stiegen auf zum Mount Iron und erblickten weitere waldig-felsige Meisterstuecke der Natur. Den ascent verkomplizierten wir, indem wir durch ein Waeldchen liefen. Als uns die Gespraechsthemen ausgingen, sagte Julian: "Teach me something". Es waren Worte, die eines jeden Lehrers Herz schneller schlagen liessen. So folgte er mir in die wunderbare Welt der phrasal verbs und in die des unregelmaessigen Plurals im Englischen. Weiss mein getreuer Dauerzocker, dass information, advice und sheep keine eigene Pluralform haben? Als es wieder ruhiger wurde, fertigte ich im Kopf meine naechste top-list an. Da wir beide seit fast drei Wochen beinahe jede Minute des Tages gemeinsam verbrachten (und uns stellenweise wie zwei alte Liebchen verhielten), fiel es mir nicht schwer, die Top 8 der haeufigsten Woerter Julians herauszufinden:

8. police (dank mir nun in einer neuen, korrekten Aussprache)

7. junction (auch hier bewies ich meine teaching-Kuenste)

6. maybe (typische Ueberbenutzung von Deutschsprechenden, anstatt des Gebrauchs von might)

5. the (weitere Ueberbenutzung: "Let's go to the New World")

4. xxx (zensiert)

3. hopeless (damit meint er keine ausweglosen Situationen am Abhang, sondern schlicht mich: "You're hopeless, man")

2. amazing (oftmals variiert durch beautiful und awesome)

1. me (oder einfach nur I. Als Zivi vor einigen Jahren stenographierte ich einen Tag lang alle Aussprueche meiner langsamsprechenden Betreuten Michaela mit und wunderte mich nicht, dass ich am Ende jede Menge ich, nur und hahaha auf dem Blatt fand)

Was wohl herauskommen wuerde, wenn Julian meine Woerter zaehlen wuerde? Kaemen pee, force und bosslevel in die Top 10? Wir beide sind schon arg verschieden, Austin Powers und Don Quichotte, aber mit einer gewaltigen Verbindung: Der Abenteuergeist, der uns vorantreibt und jeden Level besser macht als den vorherigen. Wo auch immer ein steiler Gipfel lauerte, der ohne Eispickel, aber dafuer mit Kraxelhaenden bezwungen werden konnte: Wir beide waren zur Stelle.

Die Aufgabe, den Ruecksitz zu arrangieren, sodass die Vordersitze in Betten verwandelt werden, kam stets meinem companion zugute. Gelegentlich wuerden wir Dinge unterschiedlich lagern. "Let's throw that out", sagte er. "Not The Lord of the Rings. It's a masterpiece", sagte ich mit gespielter Bestuerzung. "My dick is a masterpiece!" Dies wagte ich nicht anzuzweifeln und auch wenn mir seine Schroffheit bisweilen etwas zu schaffen machte, genoss ich umso mehr die vielen Momente, wo wir uns mit verrueckten oder tollkuehnen Abenteuerideen schuerten. Die Koenigin aller Wanderrouten, Milford Sound, the finest walk in the world, koennte dank einer irren Aktion in naher Zukunft greifbar werden. 53,5 km the Very Best of Gottes Schoepfung ohne eine einzige Uebernachtung: Waere dies moeglich?

Level 77: Keas - Screams in the Night (Boss)

Samstag, 10.03.2012

Cattle Stops hinderten Schafe und Kuehe am Weitergehen und verursachen uebelste Schuetteleien fuer das Auto und alle Insassen, sobald sie ueberfahren wurden. Diese Gitter verteilten sich auf der Mount Aspiring Road alle paar hundert Meter auf einer langen Strecke. Die gravel road wurde schlimmer und schlimmer als kleine Huegel auftauchten, die weitere ungewollte Massage-Torturen starteten. Als dann auch noch der Radioempfang ausfiel, wussten Julian und ich, dass wir am Ende der Welt, in den Tal-Tiefen des Mount Aspring National Park ankamen. Vorher galt es noch, diverse Furten  - das Fehlen einer Bruecke ueber einem creek - zu ueberwinden. Anfangs bangte mir, aber nach ford number 3 or 4 steuerte ich meine Areta selbstbewusst in die seichten Fluten und liess das Wasser spritzen.

Am carpark packten wir die Sachen fuer unseren ersten multi-day trip und waehrend Julian sein Zelt und seine Isoliermatte am backpack befestigte, sagte er: "Take a picture of me. I must look awesome." Bedarf es denn noch mehr characterisation meines companions? Auf der weiteren Wanderungen uebersahen wir die swingbridge zum Rob Roy Glacier und mussten wieder einmal einen Fluss barfuss durchwaten. Kalt war das Wasser und reissend die rapids, aber durch den Inland Pack Track, als wir Leviathan trotzten, sammelten wir genug Erfahrung fuer diese Art von Abenteuer. Auf dem Weg zum Gletscher begegneten uns Schulklassen und Rentner, aber wesentlich weniger Leute als am touristischen Franz Josef stroemten den Berg hinauf. Weit unter uns ueberquerte eine Herde Kuehe die kalten Wasser des Rob Roy Streams, waehrend ueber ihnen Berge mit tiefen, klaffenden naturgruenen Wunden aufragten. Es schien, als kratzten einst gigantische Scherenhaende in accent grave-Bewegungen in die waldig-wiesigen Haenge. Der Gletscher, weisser und agiler als sein noerdlicher Nachbar, uebertraf all diese Bezauberungen und auch hard-nosed Julian war mehr als angetan. "This is beautiful, man! Even more beautiful than I am! Shoot me and leave my body here. I'd never want to leave this place", sagte er theatralisch. Das Tal war umgeben von Kaskadenfaellen, die in den fremdartig blaulich-tuerkisen Strom stuerzten. Eine Informationstafel erzaehlte uns von einer Maud Maralind, die 1908 sagte: "We feasted our eyes on one of the loveliest and grandest views I shall ever see". Zweifellos fuehlte Julian aehnlich. "It hurts", sagte er wiederholt mit gequaelter Stimme, die stark an den armen Sméagol erinnerte, der sich aus dem garstigen Elbenseil winden wollte."Leave me here".

Schliesslich folgte er dem Traeger der Schluessel, wir gingen zurueck, durchquerten Privatland, wichen Kuhmist aus und ich konnte es stellenweise nicht lassen, die nicht allzu scheuen Tiere aufzuscheuchen. "Don't do that. I don't wanna die attacked by a cow", sagte Julian. Wir kamen an die Mount Aspiring Hut, tief im Tal eingebettet, aber unser Nachtlager lag ferner am Hang des Mount Barff (barf ist ein etwas unschoenes Wort einer unschoenen Aktion, wie mir ein amerikanischer Weggefaehrte erklaerte). Auf dem Weg dorthin, tief in der Wildnis, kontrollierte uns eine Department of Conservation (DoC)-Lady, die uns Mut machte, denn wir kaempften gegen die einbrechende Dunkelheit an und hatten einen steilen Weg vor uns, der an The Black Climb (Mount Fox, nur wenige Tage vorher) erinnerte. Wieder mussten Wurzeln gegriffen und rutschigen Steinen getrotzt werden, und ich dirigierte Julian, der mehr Ballast auf dem Ruecken trug als ich, stetig voran. "It's not the weight of my backpack", sagte er knirschend, "it's my fear of height that came back". Es dunkelte zunehmend als wir die Huette erblickten, irgendwo auf der anderen Seite des Hanges, noch viele lose Wurzeln, enge Passagen und matschige Stellen entfernt. Mit Julians Taschenlampe erreichten wir die Liverpool Hut schliesslich und sahen ein leuchtendes Ding Meilen entfernt auf der Spitze eines anderen Berges aufleuchten. "It lookes like a beacon from The Lord of the Rings!" Als das weisse Leuchtfeuer hoeher stieg, erkannten wir, dass wir einen Vollmond diese Nacht ueber uns hatten, groesser und heller, als ich ihn je zuvor gesehen hatte.

Die Nacht im Zelt war unbequem, den Luxus einer Isoliermatte hatte ich nicht und der kalte Boden tat sein Bestes um mich wach zu halten. Bevor die Sonne am naechsten Morgen aufging, vernahmen wir die Schreie der Bosse. Schrille Geraeusche, laut und eindringlich, die wie keeeeeaaaaaa wieder und wieder aufklangen dienten den Biestern, die mich ein wenig an Velociraptoren erinnerten, als Kommunikation. Einige Schreie waren lang, andere kurz und einige klangen fast schon menschlich. "Keas", murmelte ich, furchtlose und schrecklich neugierige Papageien, die gern als die clowns of the mountains bezeichnet wurden, da sie gerne ueber alle moeglichen Dinge herfallen und darauf einpicken. Nur konnte ich um fuenf Uhr morgens nicht ueber die Biester lachen und so mummte ich mich in meinem Schlafsack ein und wuenschte mir eine shotgun, bis mir einfiel, dass Keas geschuetzt sind. Wir traten einem unbesiegbaren Boss entgegen  und so blieb uns die Flucht. Trotzdem hatten wir Zeit fuer ein Fruehstueck, denn die Voegel wurden leiser, als es heller wurde - ihre Mission, uns zu wecken, hatten sie erfuellt.

Unweit des Fusses des Berges, den wir bei Zwielicht erklammten, erkannten wir einen weiteren Steilhang mit aehnlich wildem Pfad durch Wurzeln und Freiland: Der Weg zur French Ridge Hut, der sogar noch schoenere Panorama-Bilder bot. Wir liessen unsere backpacks zurueck und stiegen hinauf. Es war ein leichtes, Julian abzuhaengen, der einfach zu kurze Beine und eine zu starke Passion des Fotographierens hatte. Wir fanden nach anderthalb schweisstreibenden Stunden die Huette, wo ein Kiwi-Paerchen ihre Brote mit uns teilte. "That's very kind. You literally saved our lives", sagte ich. Wir fuellten unsere Baeuche mit Wasser, huepften beherzt und vorsichtig wieder hinunter, dachten an jene, die an diesem Pfad ihr Leben liessen (laut dem Kiwi-Mann in der Huette) und durchwanderten ein letztes Mal den Mount Aspring National Park, den siebten der 14, die ich bislang betrat und der wohl schoenste von allen.

 

Eleventh Boss Vanquished!

Zeit: 13.00 (Donnerstag) - 18.00 (Freitag)

Soundtrack: The White Tree (The Lord of the Rings - The Return of the King)

Verbrauchte Leben: 2 (nearly dehydrated at times)

Anstrengung: *****

Gefahr: *****

Distanz: ca. 45 km (ungezaehlte Hoehenmeter)

Kosten: 5 NZ-$ per person for campsite

Companion: Julian

Schoenheit: ***** "I'll kill you if you don't give five stars for beauty" (Julian)

Level 78: The City of Adrenalin

Donnerstag, 15.03.2012

Knapp 11.000 Kiwis leben in der beliebtesten Stadt der Suedinsel, aber Tonnen von Touristen fuellten die kneipenbeladenen Strassen von Queenstown, wo es neben den unvermeidlichen pubs und backpacker-Horden eigentlich nur Tour-Veranstalter gibt. Es ist ein leichtes, hier viel Geld auszugeben, aber Julian und ich nahmen uns vor, bis auf je eine suendhafte Aktion unsere Ausgaben moeglichst niedrig zu halten. So musste ich widerstehen, als ich die 1.000 NZ-$ Statuette des Hexenkoenigs von Angmars in einem Fanshop erblickte. Selbstverstaendlich kaufte ich nichts, denn alles muss frueher oder spaeter in meinem backpack herumgetragen werden. Aufgrund des starken Regens, der am Ankunftstag in Queenstown wuetete, war unser beider Laune nicht vorzeigbar. Ich drueckte Julian eine Strassenkarte in die Hand und sagte ihm, er solle mich zu einem Uebernachtungsversteck dirigieren. "How am I supposed to know? It doesn't say me-" - "tell me-" - "It doesn't tell me where to hide", sagte er. "Oh, yeees", entgegnete ich genervt, "it says SH (state highway) somewhere, which means secret hideout. Take a closer look". Nach einigem Herumirren fanden wir hinter einer halbverlassenen Baustelle im Schutz der Baeume einen Stellplatz fuer Areta, wohin wir wie zwei Fluechtlinge fuer die naechsten vier Naechte flohen.

Eines Nachmittags, als wir am Twelve Mile Delta ankamen, sagte ich zu Julian:"We are now entering Ithilien. Watch out for Faramir, Captain of Gondor, who must be in the surroundings somewhere". Um ihm im Dickicht besser aufspueren zu koennen, teilten wir uns auf. Unerwarteterweise fanden wir ihn nicht, konnten aber die Stelle ausfindig machen, auf der Frodo und Sam die Mumakil erblickten; belagterte, lebendige Festungen der Harad, unerbittlichen Streitern aus dem Sueden. Etwas spaeter fanden wir Amon Hen, den Ort, den Julians mittelerdischer Lieblingscharakter Boromir nicht mehr lebend verliess. Grosse Muedigkeit und Niedergeschlagenheit ueberkam ihn, denn etwas, das ich nicht gutheissen konnte, lauerte in Christchurch, jenem Ort, an den es ihn zieht. Er blieb auf unserer Reise gen Sueden laenger an meiner Seite als geplant; verstand er wohl, dass meine routes, adventures and bossfights zu einem unvergesslichen Super Kiwi Island-Erlebnis beitrugen.

Dies bestaetigte sich, als wir eines Morgens erwachten und neben vollen Blasen noch eine gehoerige Portion Aufregung in uns verspuerten. Der Shuttle-Bus der Firma N-ZONE brachte uns zur Flugzeug-Abwurfstelle etwas ausserhalb von Queenstown. "Excited?", fragte ich Julian. Skydiving war fuer ihn eine neue Erfahrung. Nicht viele sprangen in frueheren Jahren aus einem Flugzeug und zu den himmelhohen Preisen werden es auch nicht viele noch einmal wagen, den Himmel beruehren zu duerfen. "Not really", sagte er und machte eine Geste, die mich abermals daran erinnern laesst, was fuer ein unerhoert cooler Bursche er doch ist. Der Sprung aus 15.000 Fuss Hoehe erlaubt es, sich 60 Sekunden in der Luft aufzuhalten, doch man stuerzt nicht alleine: Ein erfahrener Jumpmaster nahm in diesem Tandemsprung die Zuegel in die Hand und steuert den Fallschirm beim Absprung. Auf der grasigen Landeflaeche stehend sahen wir, dass alle paar Minuten Fallschirme vom Himmel herabsteuerten, it's raining men, einige Schirme mit Jumpmaster und Jumper, andere landeten alleine und vollzogen waehrend der letzten Hoehenmeter ansehnliche Stunts. Seltsame Apparaturen waren an ihren Koepfen befestigt, was sie wie Roboterbosse aus den Mega Man Spielen wirken liess. "It's the camera guys", erklaerte Julian. Mit einem gnadenvollen Aufpreis begleiten sie den Sprung und filmten jeden Fall, jeden Meter, jeden Schrei, jeden Tropfen der laufenden Nase. In der Basisstation mass ich mein Gewicht, was mich erschrecken liess. Ich fragte die Bedienstete, ob die scales eventuell beschaedigt seien. Sie laechelte und bestaetigte mir das einwandfreie Funktionieren der Waage. Auf der Theke lass ich in grossen Buchstaben einen Satz, der mich an Meister Yoda erinnerte: There is no such word as try. There is only do or did not do. Bald darauf kam das Flugzeug, eine kleine Maschine mit aufgemaltem Zaehneknirschen an der Schnauze. Eine Bande von groesstenteils jungen maennlichen Jumpmasters mit abartig coolem Dress und Sonnenbrillen erschien in der Basisstation. Sie nahmen Julian mit sich. Ich goennte ihm diese Minuten des nackten Thrills, blieb zurueck, dokumentierte den Fall und erzitterte leise beim Gedanken an meine grosse Stunde, die sehr bald kommen sollte.

Level 79: Facing a Great Walk (Boss)

Sonntag, 18.03.2012

Es sollte unser groesstes Abenteuer werden, eine dreitaegige Tour de Force, aber vieles kam anders und niemand haette mit dem Auftauchen der fishermen am Ende gerechnet. Alles begann mit einer naechtlichen Odyssee durch das Hinterland um Queenstown und Glenorchy auf der Suche nach dem carpark und somit dem Beginn des Routeburn Tracks. Er ist einer der Neun, maechtig, und fuer average folk an einem Tag nicht zu bewaeltigen, aber fuer Julian und mich sollte dieser Great Walk die Kroenung unseres Buendnisses werden.

Die ersten Kilometer fuehrten durch gut ausgebaute waldige Wanderwege. Das Department of Conservation, die gelegentlich rangers auf die Jagd schickt nach solchen, die nicht fuer Huettenuebernachtungen bezahlten, ist sehr stolz auf die well-maintained footpaths dieser Gegend. Wieder sahen wir zwischen den Baeumen Berge in den Himmel stechen, die hinter dunstigen Wolken verschwanden. Sie sahen den floating mountains aus Avatar aehnlich, felsige Kolosse mit gelegentlichem Baumwuchs an den Haengen. Die erste Huette aehnelte einem Palast, doch trotz ihrer einladenden Aura rasteten wir nur fuer ein paar Momente. Wir packten unser lembas aus, hierzulande white toast bread genannt, und genossen die Aussichten. "We cannot linger", sagte ich stets, wenn ich fuehlte, dass die Zeit oder das Wetter einen Angriff plant. Meist lief ich hunderte Meter voraus, tent bearer Julian stoppte fuer diverse Fotoschnappschuesse und seufzte leise, wenn ich schweigend und ohne mit der Kamera zu zucken an ihm vorbei lief. Wir ueberholten ein schlafendes Maedchen, das wir spaeter auf einer Rasthuette wieder fanden (eine Deutsche natuerlich) und nach einigen weiteren Kilometern hielten wir am sagenhaft schoenen Earland Waterfall an, wo das Wasser 174 Meter in die Tiefe stuerzte. Dort standen wir, fuehlten die sprayhafte Wasserwucht und gingen nach einer kurzen Staerkung weiter.

Waehrend sich Julian an ein sidequest wagte, von dem er sich spektakulaere Panorama-Bilder erhoffte, blieb ich zurueck und sprach mit einem weiteren Zurueckgebliebenen. Nach den ersten Worten war klar, woher er kam. In den nur 4 Wochen, die Konrad zur Verfuegung hatte, fuellte er sein Kiwi-Island-Programm mit tollen hiking tracks. Ich sagte ihm, dass die Idee, den sagenhaften Milford Track zu bewandern, nun gestorben ist, da mir eine DoC-Rangerin verbot, die 53,5 km durch das schoenste vorstellbare Gebiet an einem Tag zu laufen. "You need to follow a strict course and stay for three nights in the three huts", sagte sie. Doch die sind schon seit mehr als einem halben Jahr ausgebucht. Somit wird Milford Sound fuer mich als Middle-Earth follower fuer immer mit den Undying Lands in den Gedanken behaftet sein.

Dunkelheit brach herein, als Julian und ich einen Zeltplatz fanden. In dieser Nacht sprach etwas einen Zauber auf uns aus, denn wir schliefen ueberraschend lange in den naechsten Tag hinein. Die Befuerchtung, von verspielten Kea-Voegel geweckt zu werden, wie es auf der Liverpool-Hut geschah, erwies sich als unberechtigt. Wir schlossen den Great Walk, Routeburn Track, 32 km Top-alpine-Unterhaltung ab und betraten nun den Caples Track, 25 km durch meist waldiges Terrain. Alles erschwerte sich ungemein, als Julian mich zum tent bearer ernannte. Ich schleifte mich die ersten Meter ueber die Huegel, verschluckte meinen Groll und folgte stetig Julians Schritte. Meine elbenhafte Leichtigkeit verlor ich schnell, aber als ich mich an die zusaetzliche Last gewoehnt hatte, liess ich schnellere Melodien abspielen, legte an Geschwindigkeit zu und liess den companion schon bald wieder hinter mir.

Wanderer gaben uns die Warnung, dass wir in Huetten die Klamotten aufhaengen sollen, da dort Maeuse wuehlten. "That is not our concern", sagte ich und erklaerte ihnen, dass wir das Dorf Kinloch, weit jenseits des Caples Track, erreichen wollten. Sie sahen unglaeubig auf und gingen weiter. Der Weg durch den Wald erschwerte die Orientierung, da die orangefarbenen Marker nicht immer leicht zu erkennen waren. "I hate those paths", grummelte Julian hinter den Baeumen. Mir hingegen fiel wieder einmal auf, dass das Wurzelgehuepfe, Wegesuchen und Wasserueberqueren durchaus gefiel. Fishermen mit langen Angeln im backpack kreuzten den Weg. Wir liessen sie zurueck und fanden sie Stunden spaeter am Parkplatz wieder. Anstatt die letzten 30 km zum Auto auf der Kiesstrasse zu laufen, fuhren sie uns mit ihrem vollbeladenen Jeep zu Areta, was ein leichter Umweg fuer die beiden war. "You smell ripe, guys", sagte einer mit schlimmstem australischem Akzent. Er hatte Recht, denn die zwei Tage im Busch liessen uns zweifellos animalischer werden.

Twelveth Boss Vanquished!

Zeit: 10.00 (Freitag) - 20.00 (Samstag) (34 Stunden)

Soundtrack: Stairway to Heaven (Led Zeppelin)

Verbrauchte Leben: 1 (aechzender Ruecken)

Anstrengung: ****

Gefahr: **

Distanz: 57 km (ca. 750 Hoehenmeter auf dem Routeburn Track)

Kosten: -

Companion: Julian

Schoenheit: ****

Level 80: The Plunge into the Deep

Sonntag, 18.03.2012

"I must not fear. Fear is the mind killer. Fear is the little death that brings total obliteration", murmelte Julian in den Stunden steigender Ekstase. Er bewaeltigte seine Pruefung, sprang aus dem Flugzeug, embraced his fears, blieb am Ende cool und sagte, dass er aehnliche thrills schon gelegentlich im Leben verspuerte. Ich nannte ihn spoiled, kuemmerte mich nicht gross darum und versuchte, so gut es ging, mein eigenes Zittern in den Griff zu bekommen. Die Kawarau Bridge galt als historischer Ort, da sie im Jahre 1988 ein Monster gebar, das bald schon die Welt umschlingen sollte: Bungy, the ultimate jump. Bei weitem nicht der hoechste Sprung, aber noch immer der beliebteste der Welt und fuer mich gab es keine Alternative. Der Preis war schon lange nicht mehr der, den der sechs Jahre alte Lonely Planet Reisefuehrer nannte, den mir Freund Han Dam so grosszuegig lieh. Tatsache war, dass man bei allen Preisen in diesem Buch 20-25 % dazu rechnen sollte und erst dann fand man sich in der teuren Realitaet von Super Kiwi Island wieder. Da ich aber seit drei Wochen nicht mehr in einem bezahlten Bett schlief, konnte ich mir mit ruhigem Gewissen einen Sprung goennen. Und er war letztendlich nur das 8-fache einer durchschnittlichen Hostel-Nacht.

"Be aware that there's no refund, in case you decide not to jump", sagte die quirlige Angestellte, die mein Gewicht mass (die Waage an der Skydive-Basisstation sprach die Wahrheit) und anschliessend eine dicke, rote "18" auf meinen Handruecken kritzelte. Wahrscheinlich ihre Telefonnummer, dachte ich mir. Julian folgte mir auf die Bruecke und je naeher der Moment des Mutes rueckte, desto zittriger wurde ich. "I'm not going to hold your hand", beharrte mein companion, der sich bald darauf auf die Aussichtsplattform inmitten Dutzender Zuschauer zurueckzog, wo er meinen Sprung aufmerksam verfolgte. In meinem Kopf sang Madonna ihr Jump und unter mir machte sich ein Abgrund auf, der nur mit dem Sarlacc gleichkam, jenem Monster, das seine qualvoll leidende Beute 1.000 Jahre lang verdaute. "I saw many girls jumping today", sagte ich zu demjenigen, der meinen Koerper mit elastischen Seilen verschnuerte. "Is that a new trend? Are they screaming more than guys?" - "Oh, I would say guys scream definitely more. And louder. Now dive in like Klinsmann", sagte er und liess mich zur aeussersten Plattform hoppeln. Unter mir kreischte der Abgrund, zoomte hin und weg und einen Moment lang dachte ich, es Malin aus Napier gleich zu tun, die im Moment des Mutes umkehrte. Der instructor gab mir einen erschreckend kurzen countdown; ich hoffte, dass er mich hinab schubste, doch nach einer weiteren Sekunde der Angst wagte ich den schwersten Schritt meines Lebens.

Ohne es kontrollieren zu koennen, begann ich zu schreien, doch bald schon hatte ich wieder Macht ueber den Sturz und bewegte meine Arme propellerhaft um mich. In mir rann das Adrenalin, befeuchtete meine Haende und verzerrte meine Gesichtszuege freudig. Irgendwann kam ich zum Ende des Sturzes; das elastische Seil zog mich nach oben und ich baumelte in der Luft, das Seil um meine Knoechel und head-over-heels hin- und herschwenkend nur Meter ueber dem Fluss. Ich sah, wie sich unter mir ein Schlauchboot naeherte, wo zwei Bungy-Helfer einen Stab ausbreiteten, den ich zu ergreifen versuchte. Es gelang noch einigen Versuchen und schliesslich fand ich mich wieder auf rettendem Boden wieder.

"Martin Braun has just faced his fear and embraced a feeling of euphoria by bungy-jumping from the Kawarau Bridge, the world's first bungy site. With the aid of a latex bungy cord, a tool of confidence, this person has conquered a feat that deems him no longer just an average Joe", sprach das Zertifikat. Dankbar nahm ich das T-Shirt und den Beweis fuer meinen moment of courage und fand Julian wieder, der jede Sekunde des Sprungs als Film mit seiner Kamera festhielt.

Level 81: Julian Leaves the Party

Donnerstag, 22.03.2012

Voltaires Meisterstueck Candide brachte bizarre Unterhaltung in Areta, denn companion Julian war von der Lektuere mehr als angetan und konnte sich nicht verkneifen, bisweilen aus dem Buch vorzulesen. "Was ist diese Welt hier?", fragte der Protagonist, worauf ihm jemand, der Julians Ansichten nicht ganz fremd war, entgegnete: "Ein erzpudelnaerrisches und erzabscheuliches Gemaechte!"

Nun tat ich es Candide gleich und behauptete, dass mein "Auftrag beendigt ist", denn nach der 28. Nacht war fuer Julian der Aufbruch nach Christchurch gekommen. Ich konnte ihm nichts mehr beibringen. Seine Toleranzbereitschaft war noch immer mehr als fragwuerdig, aber nach sechs Kaempfen in sechs verschiedenen Nationalparks, wo er tapfer an meiner Seite fochte, durfte ich behaupten, dass mein action-companion viel mit mir durchmachte. "It feels like a divorce", sagte ich, nicht unbedingt bedrueckt. "See it as a new chance", entgegnete er. Er hatte Recht, denn fuer so manche Mariah, Cher oder Tina ging es nach der Trennung richtig voran. Es kam natuerlich eine bissig-herablassende Bemerkung (wer ihm solche Pointen liefert ist selbst schuld), dann drueckten wir uns noch ein letztes Mal unter den schuetzenden Zweigen des Queenstown secret hideout und anschliessend trennten wir uns for good.

Meine Route sollte mich Richtung Milford fuehren, der legendaere Ort der tiefschwebenden Wolken und magisch schimmernden Seen. Jedoch tauchte ein Problem auf, das ich laengst tot glaubte: Aretas Scheinwerfer versagten komplett. Ich tourte durch die Partystadt auf der Suche nach einer Werkstatt, verzweifelte, bis ich bei der i-site (wo es stets auf jede Frage eine Antwort gibt) anhielt und in das Industrieviertel geschickt wurde. Eine Werkstatt trieb mich zu einem Auto-Elektriker, der mit viel Schweiss im Gesicht sagte: "I've got ten taxis to check today. It could be done in three days". Mit einem gedachten fuhgedaboudid verliess ich die Werkstatt und kurz darauf Queenstown. Wer braucht schon Lichter im Land des Sonnenscheins?

In der Naehe von Te Anau fand ich im Hinterland einen fuer mich interessanten Ort. "Fangorn", murmelte ich, "what madness drove me in there". Es ist eine whykickamoocow (Kiwi-Englisch fuer "Hinterdupfing")-area mit dicht bewachsenen Baeumen, viel Moos und man fuehlte die Erinnerungen und den Zorn des alten Waldes mit jedem vorsichtigen Schritt. Te Anau und der gleichnamige riesige See begruessten mich am spaeten Nachmittag, und auch eine Werkstatt gab mir wieder Hoffnung. "Today's your lucky day", sagte eine fuellige Angestellte, die einen Mechaniker herbei dirigierte. Dieser jedoch verzweifelte bei der Reparatur und schickte mich weiter. Das selbe geschah noch weitere zwei Mal, bis ich schliesslich einen auto-electrician fand, der zumindest den Blinker wieder herstellen konnte. Bis zu diesem Moment konnte ich es noch immer nicht glauben, dass ich an diesem Tag fast 200 km ohne indicators gefahren bin. Der oelverschmierte Mechaniker wollte genau wissen, wer mich an jenem Tag in der Kleinstadt an welche garage dirigierte. "You heard that?", brummte er zu seinem Gesellen herueber, "those bastards at Dennisons didn't refer him directly to us". Offensichtlich gab es Unstimmigkeiten in der Mechanikergilde, was mich nicht gross stoerte. Der Mann bastelte unter dem Armaturenbrett herum, baute ein Teil aus (wahrscheinlich den Fluxkompensator), machte ein paar Tests und sagte, dass er in der halben Stunde, die ihm zur Verfuegung steht, nicht in der Lage sei, Aretas Lichter herzustellen. Verbittert verliess ich die Werkstatt, nutzte das letzte Licht des Tages und machte mich auf den Weg nach Hollyford, dem letzten grossen backcountry bossfight in Super Kiwi Island.

Level 82: Jungle Bog (Boss)

Freitag, 23.03.2012

Schleichend war der Uebergang vom geliebten Mount Aspiring National Park in den flaechengrossen Giganten Fiordland, als Julian und ich den Routeburn und den Caples Track entlang trotteten. Nun, im letzten backcountry trip des letzten Naturschutzgebiets auf meiner Reise, gehoerte mir der Fiordland National Park in seiner vollen dschungelartigen Pracht. Ich kehrte frueh auf dem Hollyford Track fuer eine Wasserauffuellung in der ersten Huette ein, wo mich zwei attraktive, jedoch duennbeinige Schwedinnen begruessten. Ich bewunderte ihr akzentfreies Englisch, zweifelte aber an ihrem sense of direction, der noch schlimmer als der meine war. "Yes, we haven't found the right track, that's why we went back to this hut". Maedels, dachte ich, staerkte mich und machte mich wieder auf den Weg. Ueber mir thronten gruenste Pflanzen, dicht ineinander verwachsen, moosig und bedrohliche Schatten auf den Pfad werfend. Endlich verwandelte sich der Weg in einen cattle path, der einzig fuer fitte und erfahrene Wanderer geeignet war, wie ein Schild signalisierte. Und tatsaechlich: Mit jedem Schritt und Schlammloch nahm der Schwierigkeitsgrad zu. Meine Vermutung, dass das Leben ein Videospiel war, wurde wieder einmal bestaetigt, als ich wie Super Mario von Staemmchen zu Steinchen springen musste, um nicht im Schlamm zu versinken. Ein alter Mann passierte meinen Weg und ich sagte zu ihm: "Beware of the mudholes". - "I know. There come more", sagte er mit bitter auffaelligem deutschen Akzent. Die erste von drei three-wire-bridges musste passiert werden. Ich fragte mich, ob die schwedischen Mannequins in der Lage waren, auf einem Draht zu marschieren und sich mit den Haenden an den beiden brusthohen Draehten ueber den creek zu dirigieren. Ob sie ueberhaupt noch den Track wagten? Oder ob sie von Horden von sandflies schon verspeist wurden? Alt war der Nachmittag, als ich die Demon Trail Hut erreichte. Es war zu spaet, um weiter zu gehen und zu frueh, sich schlafen zu legen. Was konnte ich tun? For starters, da ich allein war, konnte ich problemlos von der Veranda pinkeln. Und es geschah in jenem Moment, als ich den Hosenstall oeffnete, dass zwei Backpacker um die Ecke kamen.

Adela und Hans trieben sich schon seit ueber einer Woche auf dem Hollyford Track herum - ein 56-km-jungle trip, den ich leicht unterschaetzte, denn ich nahm mir vor, Martins Bay zu erreichen und einen Blick auf einen Seehund zu werfen, ehe der naechste Wolkenbruch kam. Bevor ich schlafen ging, stoeberte ich in der Huette herum, schlug meine Lieblingsstelle auf der zerfledderten Bibel auf und las in der Offenbarung: "Behold, I am coming soon!" Sogleich dachte ich an all die treuen Daheimgebliebenen und Constant Gamers. Behold, for the time is nigh!

Fiordland National Park gilt als das regenreichste Gebiet des Landes und so kuerzte ich den Trip und machte mich am Folgetag zurueck zum carpark. "This track is quite boggy", sagte eine Department of Conservation-Lady nur wenige Tag vor dem Start. "Boggy?", fragte ich. - "Yeah, muddy." Meine groesste Pruefung fuer die naechsten 24 Stunden war es, einen Sprung in die kalten Fluten des Sees neben der Huette zu wagen. Julian, der seinen Mut schon des Oefteren unter Beweis stellte, haette nicht gezoegert, doch ich blieb lange bis zu den Knien im Wasser stehen. Letztendlich gab ich nach, schwamm ein paar Runden und japste bei jedem Zug. Abgehaertet und auf dem Weg zurueck zog ich meine Schuhe aus und anstatt die mudholes zu umgehen, stapfte ich in jedes einzelne. Bisweilen ging der kalte Dreck sogar bis ueber die Knoechel. Am Ende des Tages erreichte ich die Hidden Falls Hut, doch statt den zwei Duennbeinchens fand ich nur acht oder neun andere Uebernachter. "Are you all gonna stay here tonight?", fragte ich etwas verdutzt mit ein wenig Angst, die Nacht auf dem Boden verbringen zu muessen. Auch der alte Herr vom Vortag war unter der Gruppe, ein robuster 86-jaehriger, dessen Gespraechigkeit und Lebhaftigkeit ich zutiefst bewunderte. Ein Maedel namens Kathrin praesentierte ihre beiden Begleiter, den Bruder (ein Steward) und Roland (ein Zahnarzthelfer), der sich ihnen in Tauranga anschloss. Sehr schnell fand ich heraus, wer wessen boyfriend war. Ihre story waere ein interessantes Super Kiwi Island spin-off geworden: Eine Geschichte ueber Liebe, Intoleranz und familiaere Zwange, die die drei eventuell auseinander reissen wird.

Am naechsten Morgen war ich es, der als erster aufstand und noch bevor die Sonne aufging, verliess ich die Huette. Kurzzeitig verlief ich mich auf dem naechtlichen Pfad, stuerzte in den Matsch, aber kam den Hidden Falls naeher als so manch anderer Tramper. Als dunkle Wolken aufzogen, die schon bald mit schwerem Regen Fiordland ertraenkten, dachte ich an Kathrin und ihre boys, denen sehr matschige Tage bevorstanden und wuenschte ihnen Glueck fuer den Bossfight.

 

Thirteenth Boss Vanquished!

Zeit: 08.00 (DI) - 09.00 (DO) (49 Std.)

Soundtrack: Jungle Hijinxs (Donkey Kong Country Returns)

Verbrauchte Leben: 2 (Barfusslauf kostete Tribut; Sturz bei Hidden Falls)

Anstrengung: ***

Gefahr: **

Distanz: 70 km

Kosten: 20 NZ-$

Companion: -

Schoenheit: ***

Level 83: The City of Steepness

Mittwoch, 28.03.2012

Man nennt es liebevoll das Edinburgh of the South und Dunedin (gesprochen Da-NI-din) ist sogar die gaelische Bezeichnung fuer die Schottenstadt. Gegruendet wurde das Oertchen von fruehen Siedlern im Jahre 1848 und seine schottischen Wurzeln sind noch immer klar erkennbar. So sprach der Reisefuehrer; ich wuenschte nur, ich haette sie erkannt, als ich schweissgebadet in Areta die multiplen Huegel auf- und abfuhr. Stattdessen fand ich nur eine pulsierende Grossstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern und viel zu wenig Parkplaetzen, was Dunedin zur zweitgroessten Stadt der Suedinsel machte. Streift man durch die malerische Innenstadt und durch ihr kneipenbeladenes Octagon, so begegnet man Massen von Asiaten, alle klein und recht knuddelig und viele mit aufregenden Frisuren, was bemerkt werden darf. Und Studenten fuellen diese aelteste Universitaetsstadt des Landes! Manchmal wird es sogar ganz extrem und man stoesst auf asiatische Studenten! Auf der Suche nach einem Hostel torkelte ich ueber viele Erhebungen, die die komplette Stadt einnehmen. Niemals zuvor, nicht einmal in Wellington, hatte ich derartige Schwierigkeiten diverse Buckel zu ueberwinden. Und da dieses Wochenende das Otago Anniversary Fest anliegt, musste man rechnen, dass man nicht im ersten backpackers eine Unterkunft findet.

Im Otago Museum, dem besten seit dem Nationalmuseum in der Hauptstadt lernte ich so manches ueber das Land, das mir vorher verschwiegen war. Vieles wusste ich bereits, wie beispielsweise die Superlative der Suedinsel: The tallest mountains! The largest river! The deepest lakes! The wildest and remotest landscapes! The hottest, coldest, driest, wettest and windiest localities! Die Tages-Hauptattraktion befand sich ein wenig vom Zentrum entfernt und ich beschloss, dorthin zu laufen. Schliesslich fand ich sie und auch ein paar Asiaten, die herumstanden, schwitzen, dennoch niedlich kicherten und eifrig fotographierten: The steepest street in the world, die Baldwin Street mit einem durchschnittlichen Steigungsgrad von 1:3.41. Fuer alle, die glaubten, die Stross zum Karri nauf in Groischbi sei der steilste - sie alle moegen enttaeuscht werden, denn das Guiness Book of World Records verlieh den Titel vor 15 Jahren an die Strasse in Dunedin. Ich lief sie hoch, schwitzte ein wenig, liess mich von den froehlichen Rhythmen des Athletics Theme vorantreiben und erfrischte mich dankbar am Wasserspender at the very top of the street.

Level 84: Otago Peninsula

Donnerstag, 29.03.2012

Wie ein dreifingerartiges Geschwuelst waechst die Otago Peninsula aus Dunedin heraus und eng war die Portobello Street, die mich in das Gebiet bringen sollte. In Deutschland waere zumindest ein Gelaender und ein Fussweg angebracht, wenn man so nahe am Wasser cruised, aber in Enzed scherte sich niemand darum. Es lockten interessante tramping tracks auf der Halbinsel und vor allem Natur, mein Schatz, Natur! Dunedins spaerliche Parks vermochten mich nicht zu erfreuen, aber das huegelige Geschwuelst im Osten konnte es vielleicht. Die Broschuere sprach zu mir und sagte, dass man fuer bestimmte Wandertracks den Eigentuemer der sheep station, die man durchlaeuft, kontaktieren sollte. Am Ende der Strasse wucherte ein gewaltiger Wuchtbau, ein Informationszentrum, das sich vor allem einer bestimmten Vogelart widmet: Den Albatrossen, die jaehrlich zu tausenden accidentally durch das long-line-fishing Verfahren sterben. Die dummen Viecher schnappen sich die Koeder, bleiben haengen und werden brutalst unter Wasser gezogen, bis sie jaemmerlich ersaufen. Um lebende Albatrosse an einer Klippe zu sehen musste man an einer Tour teilnehmen, dabei einen Sack Geld hinterlassen und viel Glueck mitbringen.
 
Ein Strand erwartete mich am Ende der Sandymount Road. Vielleicht einer der letzten schoenen touristenfreien Straende, die mich in Super Kiwi Island verzaubern konnten. Der sandige Track fuehrte zu einer viewing platform, von der aus es moeglich war, die seltenen yellow-eyed penguins zu beobachten, die am spaeten Nachmittag an Land kamen. Und es war spaeter Nachmittag, wie ich mit Entzuecken feststellte, als ich in der Jaegerstand-aehnlichen Plattform ankam, wo schon ein Franzose und eine deutsche Miss mit ihren Fernglaesern Ausschau hielten. Verspielte Seehunde watschelten ueber die Strandflaeche, Wind und Wolken kamen auf und ich sagte zu den anderen beiden: "I give those penguins another 20 minutes and if they don't show up, I gonna leave this place". Die seltenen Biester kamen nicht als das Ultimatum ablief und so machte ich mich auf den Weg ueber die steilen Duenen zurueck zum carpark. Es begann zu regnen, doch ich genoss es, froestelnd und barfuss durch krustigen Sand zu stapfen und unberuehrte Flaechen zu entweihen. Schon einmal fuehlte ich die Launen der windig-nassen Natur am Strand, Farewell Spit, wo Julian und ich einst den Gezeiten trotzten und auf dem Watt schwarze Schwaene jagten.

Zurueck in Dunedin ueberkam mich ein Verlangen, the heat of the night zu spueren und mich unter die Massen der Otago Anniversary-Feierwuetigen zu mischen. The Octagon war voller Massen, asiatische Studenten lauerten an jeder Eckbar, aber auch viele Kiwis bahnten ihren Weg durch die crowd. Es war ungewoehnlich, eine Stadt zu erleben, wo Kneipen nicht um 19.00 Uhr schliessen, wie ich es bei so vielen Orten vorher erlebte. In Dunedin pulsierte das Leben und the vibe wie in kaum einer anderen Kiwi-Grossstadt zuvor. Ich lernte einen Islander kennen, Maori-aehnliche Menschen, die aus einer anderen Gegend Polynesians kamen. "It's the Cook Islands, have you never heard of them before?", fragte der Yannick-Noah-lookalike, der ungefaehr mein Alter hatte. "And I am the first German you talk to, that is rather astonishing too", sagte ich. Deryc (gesprochen de-RIS) tauschten eine Menge kultureller Eigenarten aus und natuerlich konnte ich es nicht vermeiden, ihm ein wenig ueber seine eigene Kultur zu lehren. Er lernte Grundwissen ueber den Treaty of Waitangi (signed in 1840), ueber den Entdecker Abel Tasman und wo die verschiedenen National Parks. "You're supposed to know all this", sagte ich verwundert. Trotz allem hatten wir genug Spass und genossen each others company as much as we could.

Level 85: The Quake that Shook the Cathedral

Freitag, 30.03.2012

Bald nachdem ich Dunedin verlassen hatte, tauchte der State Highway in eine Ebene, flach wie ein Mousepad, und so war auch Christchurch, the City of Ruins. Die Stadt litt sichtbar unter dem Erdbeben, das im Februar 2011 das gesamte Zentrum und vor allem das Wahrzeichen, die Christ Church Cathedral zerstoerte. Der Verkehr war deshalb zum Fuerchten; Einbahnstrassen durchdrangen die Venen der Stadt, Baustellen verlangsamten das Vorankommen und mehr als einmal fand ich mich auf einer 3-lane-street wieder, wo ich bisweilen die Ausfahrt verpasste und deshalb sinnlos und leise grummelnd durch die Stadt irrte. Irgendwann fand ich das Auktionshaus Turner, wo ein grimly-looking Kiwi namens Neil mein Auto begutachtete. Er bot mir fuer mein altes Gefaehrt eine Summe an, die mich nicht gluecklich machte. "Why so less?", sagte ich bestuerzt und zeigte ihm die invoice von Turners in Napier, wo ich Areta vor fuenf Monaten ziemlich kostenguenstig erwarb. Am Ende vertraute ich auf seine Erfahrung und wenn mein lahmes Schaetzchen bei der baldigen Auktion zu einem hoeheren Preis verkauft wurde, so sollte auch ich nicht leer ausgehen.

Man las nicht selten die EXTREME DANGER - KEEP OUT Schilder, die die Stadt wie Weihnachtskugeln schmueckten. Die I-SITE war nun im neuen, schoensten Bereich der Stadt stationiert, dem Botanischen Garten, ein Platz voller spaetsommerlicher Pracht. Man gab mir einen Stadtplan, welcher nur die Innenstadt zeigte und das Zentrum mit auffaellig markierten Strassen. Gerne haette ich gefragt: "Und was ist mit der schattig-schraffierten Flaeche da in der Mitte?" Und sicherlich haette die Angestellte gerne geantwortet: "Das liegt jenseits unserer Grenze. Du darfst niemals dorthin gehen". Die Red Zone Area verlieh der Garden City, wie sie sich selbst nannte, einen besonderen Reiz: Touristen fotographierten an den Absperrungen die Bagger, die emsig Gebaeude zerrissen und eine traurig blickende Saengerin tauchte das Geschehen mit melancholischen Liedern in duesteres Ambiente.

Gerade in diesen Tagen ging eine neue Debatte um die Stadt: Der Abriss der vielgeliebten Kathedrale im Mittelpunkt der Stadt; das einzig vernuenftige, das getan werden konnte. Ein Krieg tobte, in welchem der Wizard of New Zealand, ein Mann den manche Ian Brackenburg Channel nannten, an der Seite der Rebellen fuer die Bewahrung der Ruinen focht. Er war machtlos, denn auch ein bedeutender Pastor schloss sich den Abreissern an und sagte: "Our mandate is to preach our wonderful saviour, not preserve masonry".

Level 86: Reunion with a Companion

Sonntag, 01.04.2012

Man sollte denjenigen, der im idyllischen Staedtchen Akaroa leben darf, so gut es geht beneiden. Taeglich auf Strassen zu wandern, die so bezaubernde Namen wie Rue Jolie (Huebsch-Strasse) oder Rue Noyer (Ertrink-Strasse) tragen; auf einem Schiff fuer gute Bezahlung zu arbeiten, fuer dessen Betretung Touristen einen Batzen Dollars hinterlassen, um eventuell Seehunde oder Delphine zu sichten und dann noch wundervolle Sonnenaufgaenge ueber dem Pazifischen Ozean zu beobachten und an sonnigen Tagen auf die Huegel steigen, um ein faszinierendes Panorama ueber die Bucht zu gewinnen.

Es galt, ein letztes Mal mit Areta die roads crooked a dog's hind legs zu befahren, um in die wunderschoen huegelige Banks Peninsula zu kommen, in der mein shortlegged companion stationiert war. Die Halbinsel aehnelte ein wenig der Otago Peninsula im Sueden oestlich von Dunedin und beide waren wegen ihren Raststellen am Strassenrand, wo Touristen anhalten, um die scenery zu fotographieren, recht begehrt.

Als ich dann schliesslich in Akaroa ankam (und beim sehr passenden Song Lady Marmelade lautstark mitsang), verpasste ich meine Gratis-Segeltour mit Laura, die auf einem Schiff arbeitete, wo Willige einen Blick auf Meeresgetier werfen konnten, die in den Buchten der Halbinsel hausten. Laura, die mit mir fuer eine Woche durch die Nordinsel reiste und mir bei der Weltrettung assistierte, fuehrte ein durchaus attraktives Leben in der Kleinstadt. Akzentfreies Englisch, ein Traumjob auf einem Segelschiff, ihre beneidenswert positive Art mit dem Umgang mit Menschen (es war kein Wunder, dass sie sich schon einen Gespielen angelte) und ausserdem war sie stets lieb und zutraulich.

Ich blieb nicht lange bei ihr, denn unser Wiedersehen war nur ein kurzes Aufleuchten des Glanzes vergangener Tage. Eine Wiedervereinigung mit einem companion ist nicht immer das ultimative Erlebnis, weshalb ich nun dem Jonathan-Moment, wann auch immer er kommen mag, kritisch entgegen blicke.

Ein letztes Mal genoss ich den Nachthimmel durch Aretas sunroof; seltsame Sternformationen der suedlichen Hemisphaere mit teilweise sehr viel staerker leuchtenden fernen Lichtern. Ich fuellte den Tank am Vortag und wagte es nun zum ersten Mal, das speed limit von 100 km/h beachtlich zu uebersteigen. I was going like the clappers - endlich vollbrachte ich, wovon der ungeduldige Beifahrer Julian stets traeumte.

Level 87: You're Instantly Awake

Montag, 02.04.2012

Franzy, meine Tochter Hero aus den goldenen Tagen des Prinzi-Sommers, verliess Christchurch in diesen Tagen. Es ist die Stadt der Gaerten, Jogger, Baustellen, Ruinen und Abreisenden. Es blieb mir nicht viel Zeit fuer andere Dinge, denn nun galt es, Areta ein letztes Mal aufzustylen, meinen adamant companion, der nun an das Auktionshaus Turners uebergeben wird, wo sich consultant Neil schon begierig die Haende rieb.

Der Schmutz der letzten fuenf Monate haeufte sich vor, hinter, auf, zwischen und neben den Sitzen; Reste diverser Gefaehrten fanden sich wieder: Jonathans Schuhabdruecke, als wir zum vineyard bei Hastings fuhren, um die monkeys zu spanken; Nicks Schuppen und diverse Fruchtreste von Julians alltaeglichen Fruehstuecksgerichten. Er nahm sie zu sich, um das Aufblaehen seines bellys zu verhindern, doch ich bezweifelte stets die Effektivitaet von Avocados und Bananen. Viele Muenzen verschlang der Sauger; der Wasserstrahler bedurfte einer starken Hand, doch ich meisterte die Saeuberung und streichelte ein Auto, das ich niemals zuvor in einem derart reinen Zustand erlebte.

Nachts zuvor spuerte ich endlich, was schon jeder Christchurcher erlebte - viele von ihnen merken es woechentlich und wachen sicherlich nicht mehr so erschrocken auf wie ich:

A quake, a quake / The house begins to shake / You're bouncing 'cross the floor / And watching all your dishes break
You're sleeping; there's a quake / You're instantly awake / You're leaping out of bed / And shouting "Oh for heaven's sake!" (A Quake, A Quake - Animaniacs)

Die Bewohner dieser Stadt lassen sich von den Beben nicht aufhalten. Ein Buch mit dem Titel You know you're from Christchurch when... erregte meine Aufmerksamkeit. Ich blaetterte darin und fand unter anderem folgende Antworten:

... the cell phone vibrates, you jump under the table
... you try to convince the gal/guy you like to take a shower together in order to save water

Level 88: The End of Areta

Montag, 02.04.2012

Im Backpackers fand ich ein Maedel, schoen wie die Blumen des Boesen, und sie reiste schon in jungen Jahren um die Welt. Obwohl wir beide aus dem gleichen Land entstammten, nahmen wir keinen Gebrauch der Gemeinsamen Sprache. "And then I went to Ghana", sagte sie. "Oh, Indonesia. Must be nice". - "Actually, it's in Africa", warf sie ein und schenkte mir ein Laecheln. Dennoch gefiel es ihr in Enzed am Besten, dem Land der Delphinschwimmer. "That was my highlight in those seven weeks", berichtete sie. Dass diese kleine Schnorchelaktion genau so pricy wie ein Bungy Sprung von einer Bruecke bei Queenstown war, konnte ich nur schwer glauben.

In einer Nacht, als mich kein Nachbeben wachruettelte, war es es spaet kommender Backpacker, der sich in den Dorm einschlich und der in der Dunkelheit diverse Gegenstaende von seinem Hochbett regnen liess. "Oh sorry, I sink sat was my mobile phone", sagte eine nicht mehr fluesternde Stimme. There is somebody in need of correction, dachte ich mir und als ich wieder einschlief, wusste ich nicht, dass ich den naechsten halben Tag mit dem Sunny Boy verbringen werde. Ein Surfer und Rasentraktorfahrer, der nach Australien ging, um dort fuer den Ironman zu trainieren. Ein Koerper mit Muskeln, fest wie Eichenholz, aber dennoch war er nicht gluecklich. In einer anderen Welt waere er der ideale Gefaehrte fuer mein Muenchener Kletterkindl sein koennen. "Unfortunately, I became sick for many weeks", sagte er als Begruendung auf meine Frage, ob er denn seine eisenstarke Mission erfuellte. Thomas verliess mich am Nachmittag, sprang in einen der Party-Busse, die das Land umreisten und liess mir Zeit, mich auf die Auktion vorzubereiten.

Als ich bei Turners ankam, war die Versteigerung bereits im Gang. Sie gingen von den costly cars zu den less costly cars. Lot #52 sollte Aretas grosse Stunde sein. Neil fuehrte die Auktion mit starkem Singsang in der Stimme - fuer einen non-native we mich ist diese Art von Rekordsprechen nicht immer leicht verstaendlich, geschweige denn imitabel. "Lot number 52's a Rover, 66.000 miles, cassette radio, sunroof, is it thousand? One-thousand dollars." Er setzte eine Sekunde aus und begann dann seine Stimme zu regulieren. "AT thousand dollars, this car,thoouusand dollars. Take it slowly. Sevenhundred dollars. AT sevenhundred dollars. AT seeevenhundred dollars. I take 50-dollar-bills. AT sevenhundred-fifty dollars this side..."

Gebote kamen von diversen Ecken. Erleichtert, dass Areta am Ende des Tages einen Kaeufer finden sollte, lehnte ich mich zurueck und verfolgte die Erhoehung der Gebote. Dennoch fuehlte ich mich leicht unbehaglich, denn an den Summen, die genannt wurden, erkannte ich, wie viel Wert mein adamant companion in den letzten fuenf Monaten verlor. Und dabei versah ich sie mit einem neuen WoF (TUEV), der mich am Vortag erzittern liess, denn ich wusste nicht, ob sie es ohne zusaetzliche Reparaturen schaffen sollte. Ich schuettelte Neils Hand, als dieser am Ende Areta verkaufte.  

And so I left the auction for good, facing a truth I can no longer deny. Alone as ever.

 

Areta of Noble Kind

Rover 114, blau

Adamant Companion

Level 15 - Level 88

Level 89: Atlantis Backpackers

Mittwoch, 04.04.2012

Es war erst die zweite Busfahrt durch die Auen des Kiwi-Landes. Zuletzt durchfuhr ich im neuseelaendischen Fruehjahr die Suedostkueste der Nordinsel; begierig verfolgte ich waehrend des  Passing those Sheepy Hills verschiedenste Einzelheiten der Reise. Dann kam Areta, die mich monatelang gluecklich machte. Doch ihr Schicksal war nicht laenger mit meinem verknuepft und alles, das ich nunmehr tun konnte, war frohen Mutes nach vorn zu blicken und dem baldigen Abschluss des Abenteuers entgegen zu streben. Wie schon bei der letzten Busreise konnte ich wieder einmal die brechenden Wellen auf der einen und waldig-moosige Huegel auf der anderen Seite bestaunen. Eine grosse Muedigkeit ueberkam mich, als ich einen blassen Sonnenaufgang ueber dem Pazifik durch verschmierte Scheiben verfolgte. Kaikoura, der letzte Halt des Atomic Travel Buses, lag nach einer kurzen Pause und eines Moewenkampfes am Strand bald schon hinter uns.

Es machte mich gleichzeitig gluecklich und traurig, in Picton anzukommen, die Stadt der Faehre, die ich vor beinahe zwei Monate erstmals betrat. Es sollten keine neuen Staedte mehr besucht werden; Wellington bot den baldigen showdown und das kleinstaedische Picton diente dazu, noch einmal in die Natur aufzubrechen. Einst erwaegte ich, den 70-km Queen Charlotte Walk anzugreifen, ein episches Unterfangen, aber noch kein Great Walk. Die Neun lagen in den Nationalparks, weit hinter mir. Die atemberaubenden Kosten, die fuer Wassertaxis, Landtaxis und diversen Unterkuenften auf den Wegen anfielen, liessen mir schnell wieder ins Gedaechtnis rufen, warum ich einst aufgab. Und natuerlich erinnerte ich mich noch gut daran, dass ich auf der Suche nach dem Charlotte-Startpunkt mit Areta schliesslich in der Wildnis landete und irgendwann im Doerflein Havelock endete. Ausserdem beschreibt der Wanderfuehrer, den ich mit Julian beinahe taeglich aufschlug und der diversen nassen Attacken nicht gefeit war, den Queen Charlotte Track als laecherlich einfach.

Vom Ferry Terminal aus schleppte ich mich mit sperrigem Gepaeck in das erste backpackers, das mein muedes Auge erblickte: Atlantis, ein attraktiv bemaltes Gebaeude mit leuchtend-laechelndem VACANCY-Schild ueber dem Eingangsportal. "Hello dear, how can I help you? Oh, you bring a zebra with you!", sprach eine lebendige Dame mittleren Alters, deren wilde blonde Locken von ihrem rauen Gesicht ablenkten. "Yeah, my zebra", sagte ich, "I fed it with all my clothes". Einst schlief ich in der Zebra-Bettwaesche, als ich in Hastings residierte, doch in spaeteren Tagen diente es als Kissen fuer mein Bett in Areta. Atlantis-Angestellte waren abgesehen von der lockigen Hostel Mum Sheira junge, gutaussehende Backpacker, die unter sich kaum Englisch sprachen und deshalb von mir mit Ignoranz bestraft wurden.

Level 90: The Snout that Once Was Abandoned

Mittwoch, 04.04.2012

Die Marlborough Sounds waren eine bemerkenswert schoene Gegend im Norden der Suedinsel: Ihre zerkluefteten Kuesten, deren Halbinseln weitere Halbinseln ausschieden, zwangen den gestrandeten Wanderer praktisch zu ausgiebigen Erkundungen. Sieht man wie ich in der Suedinsel auf der Landkarte einen leicht gebeugten Knaben, so koennte man in den imposanten Naturformationen der Marlborough Sounds seinen auffaelligen Haarschnitt sehen. The Snout war einer dieser Saegeblatt-Sounds, der im Norden aus Picton in die Tasman Sea hineinwuchs. Bei meinem letzten Besuch vor einigen Wochen folgte ich dem Track, da ich in den Tiefen des naturgruenen Pfades den lair eines optionalen Bosses vermutete. Ich gab auf, da mich Wasser- und Nahrungsmangel zur Umkehr zwangen, doch nun konnte ich gut ausgeruestet (dennoch vergass ich das Wasser, so musste ich Aepfel ausschlecken) zur Schnauze voran schreiten. Ein Kiwi unterhielt sich mit mir, wir spotteten zwei der relativ seltenen Weta-Voegel, die vorsichtig durchs Gebuesch stolzierten. Am Endpunkt fand ich, dass kein Boss auf mich lauerte, denn nach dreizehn aufregenden Kaempfen konnte ich behaupten, genug EXP gesammt zu haben, um in 5-Stunden walking tracks keine nennenswerte Herausforderung mehr zu finden.When the seas and mountains fall / And we come to end of days / In the dark I hear a call / Calling me there / I will go there / And back again. Obwohl vieles disharmonisch klang, verbrachten wir einen wundervoll musikalischen Abend und sahen am Ende, wie Meryl Streep vor Immobilienmaklern fluechtete.

Im Atlantis fand ich das Piano, verstimmt, doch durchaus funktionsfaehig, und begierig versuchte ich, vergangene Leidenschaften zu reaktivieren. Ich gewann die Aufmerksamkeit von David, einem Hamburger Huenen, dessen Englisch mehr als vorzeigbar war. "Too much watching youtube, you know", sagte er, und setzte sich selbst ans Klavier. Seine Fingerfertigkeit bezauberte, sein Ausweichgeschick von kakaphonischen Fallen erstaunte. Hostel Mum Sheira tanzte, wackelte mit ihren Hueften zu He's a Pirate und kramte ihre peruanische Floete hervor, die aber weder sie noch David zu spielen meisterten. Auf der Gitarre begleitete er mich, waehrend wir beide versuchten, halbwegs melodisch zu singen:

Level 91: A Dream that Must End Some Time

Mittwoch, 04.04.2012

Man findet diese Sorte Mensch ueberall; je bequemer das Hostel, desto zahlreicher tauchen sie auf. Sie schnattern lautstark in deutscher Sprache; vermeiden es nicht, bei nachtschlafender Stunde die Lichter im dorm zu entzuenden und nutzen im Allgemeinen jede Gelegenheit, anderen den Aufenthalt zu vermiesen: Verhasste Backpackeretten. Sie lassen sich meist in groesseren Staedten nieder (da die Bars dort ein paar Stunden laenger geoeffnet sind) und meiden die Natur so weit sie koennen. Manchmal sind sie in Paerchenschaften unterwegs, doch haeufiger - und weitaus schlimmer - reisen sie zusammen mit anderen Backpackeretten und vermeiden jegliche Begegnung mit Kiwi-Kultur.

Wieder durchlief ich die Natur um Picton, doch rastete ich oft auf Aussichtsbaenken. Dort las ich, erstellte Top-Lists (wie schwierig es doch ist, meine frueheren companions in eine adaequate Reihenfolge zu bekommen) und genoss den Sonnenschein. Der Blick auf Waikawa verzauberte. Nach einiger Zeit kamen zwei aeltere Kiwi-aunties vorbei, die mich aufforderten, bald weiter zu laufen. "Don't worry, I was about to leave", sagte ich. "It's a boy", hoerte ich der einen der anderen erschrocken zufluestern. Sogleich hebte sie die Stimme und sagte: "Isn't it lovely?" Hullo? I haven't been shaving for more than a week, dachte ich mir. Wahrscheinlich sah sie meine langen Haare, die aus dem traveller's cap ragten und mich tatsaechlich wie eine Anime-Figur aussehen liessen, wie companion-Gefaehrtin Paula einst bemerkte. "What do you mean?", fragte ich. "The view!", meinte eine Kiwi-auntie und strich mit ihrer Hand ueber den Horizont.

Da David nicht mehr im Hostel residierte, suchte ich mir Ersatz und fand ihn in Matthew, der erste Schotte mit relativ klarer Aussprache. "I'm looking for a chob", sagte er und zog den Vokal dabei wie im deutschen doof in die Laenge. "First you need to let your hair cut", sagte ich. "Then shave yourself". Ich erkannte in dem jungen Backpacker Aspekte ueber mich selbst, die gleiche shabbiness, die gleiche Nationalpark-Verbundenheit, doch wir beide sehen dem baldigen Erwachen entgegen, wenn der Windfisch aus dem friedvollen Schlaf gerissen wird, der Traum endet und Super Kiwi Island nur noch in Erinnerungsfetzen weiterleben wird.

Level 92: Unwilling to Stay

Montag, 09.04.2012

Das Kommen und Gehen der beiden Faehren, Interislander und Bluebridge, konnte hervorragend vom Hilltop View Point in Picton aus beobachtet werden. Die letzten Postkarten wurden dort geschrieben, eine ging an eine frankophone Person, die mich viel lehrte; und ich bemerkte, dass der Sommer wie ich selbst am Rande seiner Verabschiedung stand, denn das erste gelbe Blatt stach in mein Auge. Hostel-Wirbelwind Sheira kuemmerte sich um ihre vielen Gaeste; ich hoerte sie singend und "how absolutely wonderful" murmelnd durch die Gaenge taenzeln. Nach einigen letzten Akkorden auf dem Piano verabschiedete ich mich von Matthew und Carl dem Australier, packte mein Zebra voll und schleppte mich zur shuttle bus-Haltestelle.

Waehrend Leute im Inneren der Faehre Kevin James dabei beobachten, wie Tiere sein Leben neu gestalteten, verweilte ich auf dem Oberdeck und naeherte mich brechenden Wellen. Unable to stay, unwilling to leave; ich blickte auf die vorbeirauschenden Marlborough Sounds, wild wuchernde Waldwipfel und verfolgte die ferry route auf dem mitgebrachten Plan. Ein Schild sprach NO SMOKING und ich versuchte angestrengt den Moment ins Gedaechtnis zu rufen, wann ich den letzten Raucher gesehen habe. Vermutlich war es in Queenstown, als mir Julian einen Vortrag ueber die Schwarzmarktentwicklung hielt. Good young Julian! Als wir in den abenteuerlichen Tagen im Sueden in Richtung der Argonath, Anarion und Elendil, blickten, sprach ich: "Behold Anduin the Great. It is called the Great because its length of 1.300 miles makes it the longest river in Middle-Earth. The fellowship spent eleven days paddling on there". - "It will be called the Great after I pissed into it", entgegnete mein companion ziemlich unbeeindruckt.

NO SMOKING... Die Schornsteine der Faehre huellten schon Teile des Oberdecks in dunklen Rauch; eine Zigarette wuerde nicht viel aendern. Unter Deck waren an den Innenwaenden Tueten angebracht; wahrscheinlich fuer Raeuber, um das Einsammeln der Geldboersen zu erleichtern. In Wellington fand ich Lodge in the City wieder, die guenstigste Unterkunft der Stadt. Ueberschwemmte und spiegellose Badezimmer, Loecher in der Decke, quietschende bunk beds und das Fehlen diverser Kuechenutensilien erklaerten die geringe Wertung in der BBH-Broschuere, neben dem Lonely Planet, dem Wanderfuehrer und dem Lord of the Rings Location Guidebook eine meiner staendigen Lektueren. Die grosse Anzahl von backpackers (und leider auch erschreckend vieler Backpackeretten) blieben von den Maengeln unbeeindruckt und genossen einen unterhaltsamen Abend mit Bruno, ein Film ueber Minderheiten: Oesterreicher in Amerika.

 

Und nicht vergessen:

You know you're from Christchurch when...

...'our house in the middle of our street' is no longer just a line from a song.

Level 93: Standing Next to Sauron

Montag, 09.04.2012

Noch immer war es schwer, im Lodge in the City einen adaequaten Reisepartner fuer die letzten Tage zu finden. Den blonden Beau, den ich mit Hilfe des Dosenoeffners in ein Gespraech verwickeln wollte, schnauzte nur in die Leere und blockte. Grueppchen blieben zusammen, teilten ihre Erfahrungen in ihrer jeweiligen Landessprache und Backpackeretten verdienten es nicht, beachtet zu werden. Auf Mount Victoria fand ich noch einen interessanten Ort, Dunharrow, wo einst Theoden von Rohan seine Reiter versammelte, bevor er mit ihnen nach Minas Tirith ritt.www.wetanz.com/movies/

Das GPS, mein treuester technischer Freund in diesen nachdenklichen Tagen, sprach von 4,1 km (as the Nazgul flies), aber weitaus mehr, wenn man den verwinkelten Strassen Wellingtons folgen moechte. Im Osten der Stadt wuchs eine weitere Halbinsel aus dem Suedzipfel der Nordinsel und in ihr findet sich unter anderen der Vorort Miramar. Proud to be possum-free, behauptete ein Schild, jedoch versaeumten sie es nicht, auch eine Telefonnummer anzugeben, die es anzurufen galt, falls man eines der Tierchen sichtet. Wahrscheinlich schicken sie unverzueglich nach Eingang eines Anrufs einen Kopfgeldjaeger auf New Zealand's most unloved speed bumps los.

Miramar prahlte mit seinen Villas mit Hafenblick, doch im Herzen war es ein schwitzender Arbeiterort an einem ruhigen sonnigen Nachmittag. In der Weka Street stiess ich auf die Weta Cave, die finale Ring-bezogene location meiner Reise. Schon beim Betreten der Hoehle starrte mir ein misstrauischer Gollum entgegen, seinen Fisch in sicherer Reichweite haltend. Neben ihm stand ein ebenso grossaeugiger Ausserirdischer, der einst mit seinen Artgenossen die Slums von Johannesburg bevoelkerte. In der Mitte des Raumes, sicher verwahrt in einem Glaskasten, wurde die Ruestung des Herrn von Mordor ausgestellt. Bei der Betrachtung stellte ich fest, dass der Dunkle Herrscher nur wenige Zentimeter groesser war, als ich es bin, dennoch verspuerte ich eine angenehme Ehrfurcht neben ihm. Weta beschaeftigt derzeit etwa 3.000 Mitarbeiter und ist somit die zweitgroesste Digitalschmiede der Welt. Peter Jacksons Filme standen unter ihrem Zauber, wie auch Avatar, District 9, Tintin, Kingdom of Heaven, Hellboy, Narnia und so manche mehr.

Der Flughafen war nahe, doch fern vom Hostel; Boeings landeten sprichwoertlich ueber meinem Kopf und ich ueberlegte, wie ich mit backpack und Zebra in den dunkelsten Morgenstunden naechsten Mittwoch dorthing kommen konnte. Der letzte Marsch eines endenden Backpackers.

Man sollte beachten:

You know you're from Christchurch when...

 ...the answer to everything is "it's on the floor".

 

Level 94: Unfinished Business

Montag, 09.04.2012

Ein weiteres Juwel zeigte sich in Form des Hafens. Welch verboten fabelhafte Stadt dieses Wellington doch ist! Muss ich die Top-List der schoensten Staedte, die ich je betrat, in eine neue Reihenfolge bringen? Marakesch, Queenstown, Freiburg VS Nimes, Napier, Noerdlingen. Lebhaft stroemten Touristen und Wellingtonians durch die verwinkelten Piere. Musiker schlugen ihr Lager auf und behaupten, die sultans of swing zu sein; Kinder huepften auf den dekorativen Eisenkugeln, die die Waterfront saeumten; Katherine Mansfield schrieb Gedichte, einzig fuer den Zweck, auf dem Writer's Walk in Stein gehauen zu werden; und natuerlich nahm man neben der hauptsaechlich asiaten Sprachenmischung die vielen Jogger und Skater wahr. Sebastien, mein erster ami auf neuseelaendischer Erde, nannte dieses Land einst ringard und auch der ein oder andere companion, der mich auf meinen Reisen begleitete, kam nicht umher, den lifestyle der Kiwis als "hinterher" oder "zurueckgeblieben" zu beschreiben. Noch immer ist unfinished business zwischen mir und Sebastien, doch einen aufwuehlenden showdown, den es einst in Suedfrankreich gab (L'Heure de la Confrontation Ultime) wird es in Super Kiwi Island mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht geben. Das Treffen wird nun niemals stattfinden, da der Franzose aufgrund einer simplen Bedingung, die ich in einer Nachricht formulierte, nicht einverstanden war.

Statuen ziehrten den Writer's Walk, der wiederum die Waterfront zierte. Einige der Bronzeskulpturen zeigten interessante Charaktere, wie beispielsweise die Zurschaustellung der ersten Maori, die vor etwa 1.000 Jahren in Neuseeland ankamen und theatralisch ihre Arme und Gesichter in Richtung des Landfleckens regten, das am Horizont auftauchte. Eine Statue zeigte einen Mann sprungbereit ueber das Wasser gebeugt und mit gewissem amusement erkannte ich, dass einige youngsters tatsaechlich in das herbstlich kalte Wasser sprangen. Segelboote tuermten sich im Hafen; vergeblich hielt ich Ausschau nach der Sea Princess, dem bislang groesstem schwimmendem Ungetuem, das ich in Auckland sah. Ein Kuenstler tauchte auf, der sich dramatisch mit "half Maori, half amazing" ankuendigte: Der Einrad-fahrende Jongleur Basketball Jones, der die grossen Baelle jedoch durchaus gekonnt handhabte.

Spaeter an diesem Tage, als die Hitze anhielt, lernte ich Steve kennen, der ein ueberraschendes Interesse an Albrecht Duerer zeigte. Nie hielt ich eine derart klare deutsche Aussprache eines Englischsprechenden fuer moeglich. Als der Fokus auf Christchurch umschwankte (You know you're from Christchurch when you see all those men in uniform and you think you're in a Village People video) und wir ueber die obliterated houses und broken citizens sprachen, erwaehnte er einen Slang-Begriff, den ich des Oefteren in den Ruinen vernahm und den sogar der Buergermeister benutzte: "Our main sewer truck is seriously munted. I believe that is the technical term." Die Herkunft des Wortes ist suedafrikanisch und angeblich soll der prime minister seine Bedeutung Prince William erklaert haben.

Level 95: You'll Never Fight Alone

Montag, 09.04.2012

Wellington bot so viele Gratis-Dinge, die mein erschoepftes portmonnaie auflachen liessen. Durch Lodge in the City sparte ich viel Geld, jedoch musste ich fuer einige Tage mit undichten Decken in den Badezimmern und messy comrades im 10-bed-dorm leben. Das sollte zu bewerkstelligen sein fuer jemanden, der einst von katastrophalen Verhaeltnissen in seinem vollgepackten Auto heimgesucht wurde.

Meine Reise zog mich zum Beehive, dem exzentrisch gestalteten Regierungsgebaeude des Landes. Um ein wenig in den politischen Touch des Landes einzutauchen, genoss ich eine Tour und lernte dort Jannes kennen, den ich immer dann befragte, wenn die reizende Tourguide-Lady, eine Oma von etwa 100 Jahren, eine Pause in ihrem Vortrag machte. "I've seen you in Atlantis", sagte Jannes, "when you and that guy were playing piano together". "That was a nice hostel. Unlike Lodge which is rather..." - "f*cked up", warf Jannes ein. "Let's call it - by using a Christchurch-term, since you had to stay there for two months - munted", verbesserte ich den Jungen aus Hannover. Wir durchwanderten die Waterfront, verglichen unsere Abenteuer und verabschiedeten uns, als wir bemerkten, dass wir unueberbrueckbare Differenzen hatten.

Stetiges Oeffnen und Schliessen der Tore des dorm dauerte an, und manchmal betraten ihn gluecklicherweise Leute, deren Naehe durchaus angenehm war. Der Mexikaner durchwanderte gerade den Temple of Time im schoenen Koenigreich Hyrule und war somit verstaendlicherweise unansprechbar; doch der Israeli, dessen Name wie #&@# klang, war fuer europaeische Zungen ebenso verstaendlicherweise unaussprechbar. "Is it true that Israelis obtain a huge amount of money once they're done with their military service?", fragte ich ihn. Ich verschwieg ihm den Fakt, den mir ein Kiwi namens Simon vor einigen Wochen nannte, der im Allgemeinen mit der Backpackersituation im Land sehr zufrieden war. "Except for those Israelis", grummte er. "They venture risky situations, trespass into prohibited areas and they're always the ones in need of rescue". Als das Gespraech mit #&@# weiterging und weitere Weltreligionen darin ihren Platz fanden, horchte der grimmig blickende grauhaarige Herr im Hinterzimmer auf. "But why is it that Muslims hate Jews?", fragte der Israeli. "It says in the-... What's the book called that the Muslims use?" - "Koran", erschallte es von hinten, als der Grauhaarige seinen Missmut nicht laenger verbergen konnte. Not before long fand ich mich in einer hitzigen Diskussion wieder, als der Mann sein Plaedoyer offen legte: "I tell you why they hate Jews: You stole our land! I am from Palestina. I was born in Hebron. I show you my passport". "No, no", sagten #&@# und ich beinahe gleichzeitig. "And now they deny me entry in my own country. However, they allow you Jewish bastards to go all over the world. Yes, there is much injustice in this world, and therefore much to rectify". Die Debatte zog sich in die Laenge und nahm bald Ausmasse an, denen ich bei Weitem nicht gewachsen war. So verliess ich den Raum und verfolgte im Gemeinschaftszimmer Prince Charmings Unternehmungen, die Herrschaft ueber Far Far Away an sich zu reissen. Als ich zurueck kehrte, fielen noch immer Worte wie "Gaza" und "Netanjahu" und ich begriff, dass ich sobald in diesen Waenden keinen Schlaf finden konnte.

Level 96: The Life-Changing Experience

Montag, 09.04.2012

Es gilt stets:

You know you're from Christchurch when...

...you have a roaring party, the place gets totally trashed and you tell the landlord that it was the aftershocks.

 

Das Nationalmuseum Te Papa sah mich schon einige Male in seinen grossen Raeumlichkeiten; zuletzt mit Markus aus Augsburg vor beinahe sechs Monaten. Nun bestaunte ich den toten colossal squid und die toten Moas alleine, denn ich strich das Wiedersehenstreffen mit David, der darauf bestand, ein paar Freunde mitzubringen. Ich verharrte lange in der Kammer des Treaty of Waitangi, dem Gruendungsdokument des Landes, wo die Atmosphaere mit ergreifender Hintergrundmusik und duesteren Lichteffekten kongenial eingefangen wurde.

Waehrend ich den Kurzfilm My Place in einer der Vorfuehrraeume ansah, begriff ich so manches, was mir zu Beginn der Reise noch unverstaendlich war: Das Leben der Fotographin, des Beatboxers, des Schafhirten - einst belaechelte ich deren Alltag, doch nun verstand ich; und Woerter wie whakapapa (gesprochen fa-ka-PA-pa, im Englischen geneology) und iwi (Maori-tribe) waren nicht laenger unbekannt. Selbst das Unterfangen des Abenteurers, der die Hosen auszog, um einen Fluss durch Stromschnellen zu ueberqueren, kam mir erschreckend vertraut vor. Noch vor einem halben Jahr zitterte ich bei dem Gedanken, bis ueber die gentleman's parts in kaltem Wasser zu stehen, doch nun fror sich diese Erfahrung in mein Gedaechtnis ein. Als der Abenteurer am Rande einer Klippe stand, seinen Fallschirm ueberpruefte und sich mit ein paar Aufwaermuebungen bereit machte, in den Schlund zu springen, fuehlte ich das selbe Kribbeln im Magen und in den Zehen, das ich bei der Erinnerung an die Kawarau Bridge verspuerte, als ich selbst dem plunge into the deep entgegen trat. Meines fruehweisen Freundes Mutter prophezeite einst die life-changing Natur meines Abenteuers, doch ob dies tatsaechlich eintraf, vermag ich selbst nicht zu beurteilen.

Level 97: A Backpacker's Final Day

Dienstag, 10.04.2012

Dies ist das Ende von Super Kiwi Island. Dank gebuehrt dem Constant Gamer, der mir treu blieb und Top-Momente aus sechs abenteuerlichen Monaten mit mir teilte. Nun gilt es die belebten Strassen von Wellington auf der Suche nach gift shops zu durchwandern und jene, die 100 Level verfolgten, mit wolligen Souvenirs zu beschenken. Wie der gebildete Constant Gamer sicherlich vermutete, war es auch meine Aufgabe, landeskundliche Informationen zu uebermitteln; eine Lernzielkontrolle darf beim baldigen Wiedersehen bei Erdbeerprosecco und 35-minuetigem Fotovortrag abgelegt werden.

In den Leveln 98, 99 und 100, die von places und companionships handeln, findet sich ein kleiner Anhang. Inspiriert wurde ich von einem durchaus bekannten Fantasyroman, dessen Einfluss nicht weniger als gewaltig auf mich war und dessen Anhang dicker als so manche Novelle ist. Eine gute Anzahl Anekdoten stammten aus Tolkiens Waelzer; ich verstreute sie in den gesamten vergangen Leveln. Seit meiner Zeit in Te Aroha (ich rechne nicht mehr in Monaten, sondern in Leveln, also seit Level 38) trage ich die Trilogie mit mir herum; eine schwere Buerde, und ich bin noch nicht einmal in der Weissen Stadt angekommen. Einen weiteren grossen Teil machten die Star Wars-, Lion King- und eine ganze Palette verschiedenster Videospiel-Anspielungen aus. Ich denke, mein vielseitig interessierter Leser vermochte den Sarlacc, den Jetlag-ich-lach-dir-ins-Gesicht, die Heilkraeuter und Goldmuenzen, sowie den Flug des Nazgul korrekt zuordnen.

Der erwartete Endkampf blieb aus. Sebastien verschwand wieder nach Punakaiki; keiner meiner former companions kehrte zurueck, um sich als Strippenzieher des Boesen zu offenbaren und auch mein Bruder Klaus kreuzte nicht meine footpaths. Dennoch bin ich hoechst zufrieden ueber den Ablauf - fuenf hervorragende und aeussert unterschiedliche companions begleiteten mich auf den Reisen; dreizehn schweisstreibende Bosskaempfe in verschiedensten naturbeladenen Gegenden des Landes; eine Areta brachte die grosse Freiheit und obwohl sie mehr Kosten bescherte, als erwartet, sparte ich darin, dass ich risky yet uninsured durch die roads crooked as a dog's hind leg fuhr. Mein Wortschatz wandelte sich und das Endprodukt hoert sich in etwa so an: Hells bells, haven't seen you in yonks, mate. How ya garn? You look like a dog's breakfast. You're pissed as a newt, mate! Fancy that! No wucking furries, mate, she'll be allright. Cheerio, see ya!

Do you speak Kiwi? Wie gern wuerde ich diese Frage ohne Zoegern bejahen. Der Mexikaner, der seine Okarina of Time einen Moment aus den Haenden legte, leistete mir Gesellschaft und praesentierte Bilder von brodelnden Vulkanen, die auf winzigen Inseln in Mikronesien verstreut waren. Sein Name war Juan, das im Englischen wie eine Zahl klingt. He's one. - I know, but what's his name? - One! - Yeah, but what's his name? Kurz darauf stiess Nelson hinzu, legte seinen Gandalf-Stab ab, den er seit der Bay of Islands bei sich trug. "Everywhere I go I see people staring at me and my fancy staff", sagte er. Nelson war sichtlich interessiert, meine Herkunft zu erfahren. "Come on, can't you tell by my accent?", fragte ich. Er ueberlegte, kam zu keinem Schluss und sagte: "Dunno. L.A. perhaps?" Meine Mission muss wahrlich erfuellt sein, wenn ich selbst nach einer handvoll Saetze meine deutsche Herkunft verbergen konnte und mich ein Kanadier fuer seinen Nachbarn hielt.

Nun bleibt mir nichts mehr, als zu sagen, dass ich mich auf Bobby, Schminky, Dammy, die holde Femmelette und auf all die anderen freue, die gedanklich in den vergangenen Leveln bei mir waren. Auf meiner to-do-list stehen neben dem Skyward Sword diverse Besuche (inklusive die Kraehen vom Pruefungsamt), denen ich gespannt entgegen blicke. Morgen frueh, wenn es noch dunkelt, werde ich ins aircraft steigen, mir einen coolen Spruch fuer die Abholer in Franz Josef ueberlegen und daran denken, dass meine Zeit in Super Kiwi Island nichts geringeres als gesegnet war.

Level 98: Places Unforgotten

Dienstag, 10.04.2012

The National Parks

 

Ein Drittel des Landes ist durch forest parks und reserves geschuetzt und die 14 Nationalparks (4 auf der Nordinsel, 10 auf der Suedinsel) nehmen eine bemerkenswerte Flaeche Natur in Neuseeland ein. Von den drei Orten, die zum Weltkulturerbe erklaert wurden, betrat ich zumindest einen, der vulkanische Tongariro National Park.


1. Tongariro National Park
Level 57: Weltrettung 2012: Into the Land of Shadows (Boss - Part A)
Level 58: Weltrettung 2012: Into the Land of Shadows (Boss - Part B)

2. Abel Tasman National Park
Level 63: Hope on Harwood's Hole
Level 64: Abel Tasman Coast Track
Level 65: Julian Joins the Party

3. Kahurangi National Park
Level 68: Mount Arthur's Realm of Clouds (Boss)

4. Nelson Lakes National Park
Level 69: The King of the Hill
Level 70: Endurance Round on Robert Range (Boss)

5. Paparoa National Park
Level 71: Young Gandalf's Misfortune
Level 72: Leviathan - The Guardian of Dilemma Creek (Boss)

6. Westland National Park
Level 74: Tears of the Avalanche Girl
Level 75: The Black Climb (Boss)

7. Mount Aspiring National Park
Level 77: Keas - Screams in the Night (Boss)
Level 79: Facing a Great Walk (Boss)

8. Fiordland National Park
Level 82: Jungle Bog (Boss)

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Sights, Tracks and Beaches

 
In praktisch jeder Stadt gab es eine i-site, den Tempel der Antworten, und diverse Supermaerkte wie Countdown, Pak'n'Save, FreshChoice oder 4Square. Zudem fanden sich libraries, fast food venues, internet cafes, carparks und public toilets. Sie alle wurden aufgesucht, doch im Folgenden sollen nur die interessanten Oertlichkeiten meiner Reise genannt werden. Neun verschiedene Hostels boten Unterschlupf; den Rest der Zeit verkroch ich mich in Areta, im Te Aroha Holiday Park, im Gefaengnis, im Zelt mit Julian, in einer backcountry hut oder ich benutzte meinen Charme fuer eine free accomodation:

Wellington (accomodation: Lodge in the City): Te Papa National Museum, Museum of City and Sea, Cable Car Museum, Botanic Gardens, Mount Victoria, Wellington Harbour, Waterfront, Oriental Beach, Old Saint Paul, Courtenay Place, Cuba Street, Railway Station, Napier (accomodation: Napier Prison): Bluff Hill, Botanic Gardens, Cape Kidnappers, Napier Beach, The Cri, Thirsty Whale, The Red Carpet, National Aquarium of New Zealand, Edward H. Dawson's Gravesite, Hawke's Bay backcountry, Hastings (accomodation: A.J.'s Backpackers): Te Mata Peak, Tongariro National Park, Whakapapa Village, Taranaki Falls Walking Track, Taupo, Waikato River, Aratiatia Rapids, Mount Taukara, Puzzle World, Rotorua, Mount Ngengutaka, Fantastic Free Forest Nature Walk, Agrodrome, Tauranga, Waikareao Estuary, Mount Maunganui (The Mount), Matamata, Hobbiton,Te Aroha (accomodation: Te Aroha Holiday Park), Mount Te Aroha, Wairere Falls Track, Ancient Maori Track, Pukekoe, backcountry, Auckland, (accomodation: Harry's flat), Otara, Skytower, Aotea Square, Queen Street, Auckland Harbour, Waterfront, Mount Eden, Family Bar, Hibiscus Coast, Art Gallery, Whangarei, Fernery, Ross Track, Drummond Track, Hatea River Walk, Whangarei Falls, Paihia (accomodation: Mousetrap), Bay of Islands, Waitangi, Haruru Falls, Russell, Christ Church, Cape Brett, Rawhiti, Hole in the Rock, Henderson's Bay, (accomodation: North Wind Lodge Backpacker), Cape Reinga, Ninety Mile Beach, Auckland (2) (accomodation: Y.W.C.A.), Victoria Park, Albert Park, Hamilton, Lake Rotorua, Tongariro National Park (2) (accomodation: Howard's Lodge), National Park Village, Tongariro Alpine Crossing, Ohakune, Whakapapa Ski Field, Wanganui, Otaki Beach,Wellington (2), Picton, Bluebridge Ferry, The Snout Track (abandoned), Blenheim (accomodation: Stephan's flat), Havelock, Cable Bay, Glenduan, Boulder Bank Scenic Reserve, Nelson (accomodation: The Palace), Centre of New Zealand, Miyazu Gardens, Church Hill, Ruby Coast, Mapua, Mapua Leisure Park, Waimea Estuary, Abel Tasman National Park, Harwood's Hole, Takaka Hill, Canaan Road (Chetwood Forest), Coast Track, Kaiteriteri, Motueka, Motueka Recreation Centre, Waikopupu Springs, Takaka, Wainui Waterfalls, Pohara, Cape Farewell, Farewell Spit, Wharariki Beach, Kahurangi National Park, Graham Valley Road, Mount Arthur, Nelson Lakes National Park, Robert Range, Mount Roberts, Lake Rotoiti, Angelus Circuit (parts), Westport, Paparoa National Park, Punakaiki, Pancake Rocks, Charleston Cemetery, Bullock Creek Road, Pororari River Loop, Inland Pack Track, Dilemma Creek, Fossil Creek, Fox Creek, Greymouth, Lake Brunner, Saltwater Forest, Harihari Coastal Walk, High Water Path, Westland National Park, Franz Josef, Franz Josef Glacier, Fox Glacier, Mount Fox, Mount Aspiring National Park, Wanaka, Rocky Hill, Lake Wanaka, Mount Iron, Mount Aspiring Road, Rob Roy Glacier, Rob Roy Stream, Liverpool Hut, French Ridge, French Ridge Hut, Routeburn Track, Earland Waterfalls, Fiordland National Park, Caples Track, Queenstown, Skydiving Landing Area, Kawarau Bridge, Twelve Mile Delta, Closeburn Peninsula, Lake Dispute, Lake Moke, Queenstown Hill, Te Anau, Fangorn Forest, Fiordland National Park (2), Hollyford Track, Demon Trail Hut, Balclutha, Dunedin (accomodation: Penny's Backpackers), Otago Museum, Baldwin Street, Otago Peninsula, Portobello Road, Pipikaretu Beach, Sandymount Road, The Octagon, Bodyworks, Christchurch (accomodation: Kiwi Basecamp), Canterbury Museum, Turners, Bridge of Remembrance, Hagley Park, Botanic Gardens, Bordes of the Red Zone Area, Banks Peninsula, Akaroa, Kaikoura, Beach, Picton (2) (accomodation: Atlantis Backpackers), The Snout Track (completed), Waikawa Bay Reserve, Hilltop View Point, Wellington (2) (accomodation: Lodge in the City), see Wellington (1), Miramar, Weta Cave, Dunharrow, Checkmate, Beehive

Level 99: Of Former Companionships

Dienstag, 10.04.2012

Cast of Characters - Starring

Zu ihnen hatte ich die engste Bindung, denn Wochen im Gefaengnis, im Holiday Park oder im Fahrzeug brachten einander naeher. Bisweilen wurde das Limit ueberschritten und die selbe Naehe schmerzte, doch war es stets ein Genuss von diesen Gefaehrten lernen zu duerfen und selbige zu belehren. Jeder Abschied war endgueltig und einzig companion #5 brachte fuer wenige Stunden ein kurzes Aufleuchten wieder. Die letzte Nachricht, die mein cell phone in Wellington empfing war von Jonathan: "Ich habe mir jetzt schon vorgenommen, dich zu besuchen. Also, keine Sorge, wir werden uns wieder sehen."

Jonathan Poit, 21, DE
Level 7 - Level 23
*Cache Companion*
"Du hast eine tolle Art, mit Menschen umzugehen"

Nick Cornforth, 23, GB
Level 12 - Level 26
*Loner Companion*
"Why is it that I always have to wait for you?"

Julian Brunner, 23, DE
Level 64 - Level 81
*Action Companion*
"I must look awesome"

Subaru Wada, 23, JP
Level 35 - Level 44
*Piano Companion*
"I envy you"

Laura Gossmann, 25, DE
Level 50, Level 54 - Level 59, Level 86
*Shortlegged Companion*
"Ich bin noch kein Kleid"

 

Also Starring - In Order of Appearance

Sebastien FR Wellington / Tanja DE Wellington / Gregor DE Wellington / Markus DE Wellington / Kerstin AT Wellington / Lukas DE Wellington / Mo GB Napier / Michal CZ Napier / Sunny IN Napier / Mark GB Napier / Jonathan DE Napier / Paula DE Napier / Alain FR Napier / Alex GB Napier / Nick, Glasgow GB Napier / Kathleen GB Napier / Charlie GB Napier / Camilla SE Napier / Jonne NL Napier / Manu PL Napier / Deborah DE Napier / Heidi FR Napier / Paul FR Napier / Isabell DE Napier / Marion NZ Napier / Toro NZ Napier / Johnny GB Napier / Nick, Leeds GB Napier / Charlotte DE Napier / Greg CH Napier / Jan DE Napier / Chris GB Napier / Malin SE Napier / Petr CZ Napier / Elsa FR Napier / Karla NZ Napier / Rachel US Napier / Flor AR Hastings / Mariano AR Hastings / Robbert NL Hastings / Aliza DE Taupo / Michael DE Taupo / Caro DE Taupo / Korbinian DE Taupo / Subaru JP Te Aroha / Anna CH Te Aroha / Martin NZ Te Aroha / Rosa NZ Te Aroha / Kirby CH Te Aroha / Go JP Te Aroha / Andrew NZ Te Aroha / Gero DE Te Aroha / Damien NZ Te Aroha / Harry IN Auckland / Laura DE Paihia / Verwoehnte Veronika DE Paihia / Merv GB Cape Brett / Jay JP Auckland / Stephan DE Blenheim / Nora DE Blenheim / Joss FR Nelson / Julian DE Abel Tasman National Park / Guido (Young Gandalf) DE Punakaiki / Rafael BR Mount Aspiring National Park / Konrad DE Mount Aspiring National Park / Adela CZ Fiordland National Park / Hans CZ Fiordland National Park / Roland DE Fiordland National Park / Kathrin DE Fiordland National Park / Simon NZ Dunedin / Deryc NZ Dunedin / Neil NZ Christchurch / Julia DE Christchurch / Thomas DE Christchurch / Sheira NZ Picton / David DE Picton / Matthew GB Picton / Carl US Picton / Mark AU Picton / #&@# IL Wellington / Steve NZ Wellington / Jannes DE Wellington / Juan MX Wellington / Nelson CA Wellington

Statistik: 28x DE / 12x NZ / 11x GB / 6x FR / 4x CZ / 3x CH, JP / 2x IN, SE, NL, US, AR / 1x AT, PL, BR, AU, IL, MX, CA